Verbraucher müssen schnell reagieren

31. Dezember 2021


Zum Jahreswechsel explodieren die Energiepreise auch für Privathaushalte. Verbraucher haben dann Sonderrechte.

Wer i n diesen Tagen eine E-Mail von seinem Energieversorger bekommt, sollte lieber genau hinschauen. Die Chancen stehen gut, dass der eigene Strom- und Gasversorger eine Preiserhöhung ankündigt, die es in sich hat.

Mehr als 280 Strom- und 515 Gasanbieter haben das laut dem Vergleichsportal Verivox für Januar und Februar bisher gemacht. Der Winter ist da und Deutschlands Verbraucher bekommen jetzt die Quittung für die seit Monaten anhaltende Energiepreiskrise.


Besonders schnell reagieren sollten Kunden, die Schreiben wie diese erhalten: „Ab dem 27.11.2021 ändert sich Ihr Arbeitspreis von 4,39 Cent pro Kilowattstunde auf 17,40 Cent pro Kilowattstunde“, teilte der Düsseldorfer Anbieter Wunderwerk vor einigen Wochen seinen Kunden in einem Schreiben mit. Auf Anfragen des Handelsblatts reagierte weder die Marke Wunderwerk noch die Muttergesellschaft Elektrizitätswerke Düsseldorf AG.

Was viele nicht wissen: Für Kunden, die von solch extremen Preissteigerungen betroffen sind, gilt eigentlich ein Sonderkündigungsrecht. „Das lassen allerdings viele verstreichen“, sagt Energieexperte Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen dem Handelsblatt.

Vor allem Geringverdiener bekommen Probleme
Grundsätzlich lohne sich aufgrund der regelrechten „Ausnahmesituation“ auf dem Strom- und Gasmarkt ein Anbieterwechsel in diesen Zeiten aber nicht in jedem Fall. Sieverding rät Kunden, die bislang noch keine Preiserhöhung bekommen haben, bei ihrem Tarif zu bleiben.

Ansonsten haben die normalerweise teureren Kommunalversorger in diesen Zeiten tatsächlich in einigen Städten den günstigsten Tarif. Der Verbraucherschützer empfiehlt deswegen auch außerhalb von Verivox, Check24 und Co. nach günstigeren Anbietern zu suchen, „weil Vergleichsportale die Grundversorgungstarife oftmals nicht in ihr Suchergebnis einbeziehen“. Außerdem lohne es sich, auf kurze Vertragslaufzeiten zu achten, um im Zweifelsfalle schneller wechseln zu können. Eins ist allerdings klar: Es wird teuer.


„Verbraucher und Verbraucherinnen müssen diesen Winter mit einer Welle von Preiserhöhungen rechnen“, sagt Steffen Suttner, Geschäftsführer Energie bei Check24, dem Handelsblatt. „Daran ist nicht zuletzt die steigende CO2 – Abgabe schuld, andererseits geben die Versorger gestiegene Einkaufskosten an Kunden und Kundinnen weiter.“

Nach Angaben von Check24 liegen die Preiserhöhungen, die die Stromgrundversorger bislang angekündigt haben, im Durchschnitt bei knapp 40 Prozent. Für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 5000 Kilowattstunden (kWh) bedeutet das zusätzliche Kosten von durchschnittlich 649 Euro pro Jahr.

Bei Gas betragen die Preiserhöhungen nach Angaben von Check24 im Durchschnitt 34,5 Prozent. Für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 20.000 kWh bedeutet das zusätzliche Kosten von durchschnittlich 518 Euro pro Jahr.

So hat sich der Strompreis an der Börse seit Jahresbeginn von knapp 59 Euro die Megawattstunde auf rund 240 Euro etwa vervierfacht. Der Gaspreis hat sich zwischenzeitlich ebenfalls vervielfacht. Wer eine Ölheizung im Keller hat, der hat es auch nicht leichter. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent ist seit Januar um knapp 75 Prozent gestiegen.

Die steigenden Energiepreise werden für Geringverdiener immer öfter zur Existenzfrage. Das zeigt eine Analyse der spezialisierten Energieschuldenberatung der Verbraucherzentralen Berlin, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.
Für die meisten deutschen Versorger dürfte die Energiepreiskrise hingegen nicht gleich zu existenziellen Risiken führen. Zwar gab es bereits eine Reihe von Pleiten infolge der Rally – Otima Energie AG, Smiling Green Energy und Lition Energie aus Berlin sind nur die jüngsten aus einer Reihe von Insolvenzen im Stromsektor.

Unternehmen wie Eon, kommunale Stadtwerke und andere sichern sich aber meist über langfristige Lieferverträge zu festen Preisen ab – sogar ein bis zwei Jahre im Voraus. Für das Neukundengeschäft gilt das allerdings nicht. Die Lücke zwischen den Angebotspreisen, mit denen neue Verträge beworben werden, und den Rekordkosten, zu denen das zusätzliche Erdgas oder der Strom im aktuellen Großhandel eingekauft werden müssen, ist schlicht zu groß, um daraus noch Gewinn zu schlagen. In der Folge steigen die Preise.

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