Strom und Gas – Deutsches Kartellamt kritisiert teure Neukundentarife

13. Jänner 2022, Bonn

In der Debatte um die Einführung von deutlich höheren Tarifen für neue Strom- und Gaskunden durch viele Grundversorger in Deutschland hat Kartellamtspräsident Andreas Mundt von „missbräuchlich überhöhten Mondpreisen“ gesprochen. Er sehe diese Praxis der Tarifspreizung kritisch, „auch wenn ein gewisser Preisunterschied angesichts der derzeitigen Verwerfungen am Markt und der sehr hohen Beschaffungskosten gerechtfertigt sein könnte“, sagte Mundt am Donnerstag.

Es gehe dabei vor allem um das richtige Maß. „Es ist kartellrechtlich durchaus relevant, wenn jemand, der auf die Grundversorgung angewiesen ist – und sei dies auch nur für einen Übergangszeitraum – missbräuchlich überhöhte Mondpreise zahlen muss“, sagte der Präsident des deutschen Bundeskartellamts zur Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Versorger sollten sich bewusst sein, „dass sie die Höhe der jetzt aufgerufenen Tarife für Neukunden im Einzelnen auch rechtfertigen können müssen“.

Die Versorger müssten unterm Strich ihre momentan stark erhöhten Beschaffungskosten decken können. Dies dürfe aber nicht zu missbräuchlich überhöhten Preisen führen. „Vielleicht ist eine angemessene – ich betone angemessene – Tarifspreizung für eine Übergangszeit sogar das mildere Mittel.“ Eine Preiserhöhung in der Grundversorgung für die Bestandskunden wäre auch problematisch. „Damit würden auch Kunden betroffen, die zum Beispiel aus Bonitätsgründen ihren Versorger gar nicht wechseln können.“

In Deutschland haben viele Grundversorger, also die Energieanbieter mit den meisten Kunden in einer Region, in den vergangenen Wochen neue Tarife für Neukunden eingeführt. Hintergrund war die Liefereinstellung durch Energiediskonter, wodurch viele ehemalige Kunden unverschuldet in die sogenannte Ersatzversorgung durch den örtlichen Grundversorger fielen. Diese sind verpflichtet, die Kunden bei Wegfall des bisherigen Lieferanten zunächst weiter mit Strom und Gas zu versorgen, müssen die Energie aber nach Verbandsangaben zu aktuell extrem hohen Preisen zukaufen.

Nach Angaben des Vergleichsportals Check24 vom Montag haben bei Gas mehr als 300 Grundversorger in Deutschland neue Tarife ausschließlich für Neukunden eingeführt. Deren Preise lagen um durchschnittlich 184,7 Prozent über den bisherigen Tarifen, was fast eine Verdreifachung bedeutet.

APA/dpa

Ähnliche Artikel weiterlesen

Auf deutsche Gaskunden könnten mehrere Umlagen zukommen

18. August 2022, Ratingen

Wifo: Strom-Grundkontingent ist „überlegene Handlungsoption“

17. August 2022, Wien
Strom-Grundbedarf könnte vom Staat subventioniert werden
 - Wien, APA/THEMENBILD

Strompreise an der Börse auf neuem Rekordhoch

16. August 2022, Wien

Gazprom: Gas könnte sich im Winter weiter deutlich verteuern

16. August 2022, Moskau
Gazprom warnt vor noch viel höheren Gaspreisen
 - Moscow, APA/AFP