Für Wasserstoff-Lkw ist Strom zu teuer

20. Jänner 2022, Wien/Lauterach
Wasserstoff kostet dreimal so viel wie fossiler Treibstoff
 - Stuttgart, APA/dpa

Mehrere österreichische Logistiker wollen bis 2030 rund 2.000 Wasserstoff-Lkw auf die Straße bringen. In einer bei Deloitte in Auftrag gegebenen Studie sind mehrere Hürden aufgetaucht. Das Hauptproblem ist, dass aus grünem Strom gewonnener Wasserstoff ungefähr dreimal so teuer ist wie Diesel und Wasserstoff-Lkw nicht 100.000 Euro, sondern eine halbe Million Euro kosten. Die Firmen wollen, dass der Staat 80 Prozent dieser Mehrkosten übernimmt, konkret 420 bis 460 Mio. Euro.

Nun stehen für die Partner, darunter die Post und die Spedition Gebrüder Weiss, die Verhandlungen mit dem zuständigen Klimaministerium an. Als Argument dient dem Konsortium eine Wertschöpfung von rund 475 Mio. Euro durch die Pionierarbeit. Die „Anschubfinanzierung für die grüne Wende“ würde sich so nach sechs bis achten Jahren rechnen. Deloitte-Partner Alexander Kainer plädierte für eine zentrale Förderstelle und drängte zur Eile. „Die Deutschen sind uns eine Nasenlänge voraus“. Post-Vorstand Peter Umundum gab sich bei der Präsentation der Deloitte-Studie am Donnerstag zuversichtlich, weil es auch bei der E-Mobilität hohe Förderungen gibt. Für den Schwerverkehr kommen Elektro-Lkw mit Batterien allerdings aus mehreren Gründen nicht infrage.

Bei einer täglichen Fahrleistung von 300 bis 700 Kilometer müssten die Batterien bis zu 800 Kilowattstunden fassen. Diese sieben Tonnen an Zusatzgewicht seien weder räumlich noch gewichtsmäßig unterzubringen, sagte AVL-Manager Rolf Dreisbach. Stattdessen soll hier eine Brennstoffzelle zum Einsatz kommen, die den Wasserstoff während des Fahrens in elektrische Energie umwandelt. Die Brennstoffzellen liefert AVL, die Wasserstofftanks Magna. Vorerst müssen bestehende Lkw umgebaut werden, fixfertige Wasserstoff-Lastwagen von Daimler oder Volvo erwarten die österreichischen Vorreiter nicht vor 2027.

Die Gebrüder Weiss haben in der Schweiz bereits einen Wasserstoff-Lkw im Einsatz. Die Reichweite betrage 400 Kilometer, die Betankung dauere 8 bis 12 Minuten. Allerdings koste Wasserstoff 10 Euro pro Kilogramm und damit dreimal so viel wie Diesel. Die Mehrkostenförderung sei daher ein wichtiges Thema, sagte Geschäftsführer Wolfram Senger-Weiss. Ebenso wie die Post will das Speditionsunternehmen bei der Nahverkehrsflotte mit einer Fahrleistung unter 200 Kilometern täglich auf batterieelektrische Fahrzeuge und darüber auf Wasserstoff setzen.

Derzeit sind österreichweit vier Wasserstoff-Tankstellen in Planung. Partner für die Wasserstoff-Erzeugung sind der Verbund und die OMV. Da das Wasserstoffmolekül H2 sehr flüchtig ist, muss das Gas unter hohem Druck transportiert und gelagert werden. Dennoch kann ein Tankwagen derzeit nur rund 500 Kilogramm Wasserstoff transportieren. Möglicherweise könne nach 2030 auf einen tiefgekühlten, verflüssigten Wasserstoff umgestellt werden, womit bis zu zehnmal soviel Wasserstoff transportiert werden könnte, so Dreisbach. Da gingen in der Industrie aber die Meinungen noch auseinander.

Synthetische Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels, die in konventionellen Verbrennermotoren eingesetzt werden können, sollten laut Dreisbach nur dort eingesetzt werden, wo alles andere nicht funktioniert, da bei E-Fuels weitere Umwandlungsverluste entstehen. Aber etwa die Luftfahrt werde weiter auf flüssige Kraftstoffe mit hoher Energiedichte angewiesen sein.

Damit sich das Umwandeln von Strom mittels Elektrolyse in Wasserstoff auszahlt, muss aus Sicht des Konsortiums der Staat auch die Mehrkosten der schwankenden Strompreise übernehmen, sodass die Unternehmen keinen Schwankungen unterworfen sind und nur 72 Euro pro Megawattstunde Strom zahlen. Derzeit kostet eine Megawattstunde im Schnitt rund 200 Euro und in der Spitze teilweise bis zu 350 Euro.

Wichtig für Kainer ist auch, dass definiert wird, was „grüner Wasserstoff“ in Österreich heißt, denn Wasserstoff könnte theoretisch auch aus Erdgas oder Kohlestrom gewonnen werden, womit dem Klima nicht geholfen wäre.

Dem Konsortium H2-Mobility Austria gehören elf Partner an. Das sind der Verbund und die OMV für Erzeugung und Bereitstellung der Tankstelleninfrastruktur sowie AVL List, Magna, Worthington und Rosenbauer für den Umbau der Fahrzeuge. Als Nutzer an Bord sind neben der Post und den Gebrüder Weiss auch die Lebensmittelketten Rewe und Spar. Auch die Wirtschaftskammer ist Konsortialpartner. Deren Präsident Harald Mahrer begrüßte am Donnerstag das Vorhaben.

APA

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