Gas-Reserven reichen mindestens bis Mitte März

28. Jänner 2022, Wien
Die Gaspreise machen weiter Sorgen
 - Waidhaus, APA/dpa

Nicht nur der hohe Gaspreis macht den österreichischen Verbrauchern und der Industrie Sorgen, sondern auch die Frage, ob man angesichts der reduzierten Gaslieferungen aus Russland mit den eingespeicherten Gasmengen überhaupt durch den Winter kommen wird. Immerhin wird im Winter dreimal so viel Gas verbraucht wie im Sommer. Da sehen Energieexperten aber keine unmittelbare Gefahr.

Die Gasspeicher in Österreich sind zwar wesentlich leerer als sonst um diese Zeit, aber seit der Gaskrise im Jahr 2009, als der Gasfluss über die Ukraine unterbrochen war, wurde die Speicherkapazität verdoppelt. Das derzeit eingespeicherte Gas entspricht ungefähr einem Viertel des Jahresverbrauchs und würde, selbst wenn gar kein Gas mehr beim Gashub Baumgarten ankommen würde, ohne weitere Maßnahmen etwas bis Mitte März reichen.

Österreich ist bei Gas stark von Russland abhängig: Ungefähr 60 Prozent des in Österreich verbrauchten Erdgases – 2020 waren das rund 8,5 Mrd. Kubikmeter – stammen vom russischen Gasmonopolisten Gazprom, mit dem es langfristige Lieferverträge gibt. Diese Verträge werden von Gazprom auch erfüllt, bestätigen die Experten. Dass trotz des aktuell sehr hohen Gaspreises deutlich weniger Gas aus Russland geliefert wird als sonst und auch die Speicher nicht aufgefüllt werden, macht trotzdem alle nervös.

Knapp ein Zehntel des in Österreich verbrauchten Gases wird in Österreich selbst gefördert, der Rest wird aus anderen Ländern importiert, etwa aus Norwegen. Nach wie vor ist Österreich bei der Energieversorgung zu rund zwei Drittel von fossilen Energieträgern abhängig, zwei bis drei Milliarden Euro pro Jahr werden allein für Erdgas-Importe ausgegeben.

Obwohl es das erklärte Ziel der türkis-grünen Regierung ist, fossile Energieträger mittel- und langfristig teurer zu machen und den Verbrauch so zu reduzieren, kann man es sich nicht leisten, die Menschen im Winter frieren zu lassen. Im Fall einer unmittelbar drohenden Störung der Energieversorgung könnte man – wie schon 2009 – zunächst die Großverbraucher ersuchen, ihren Verbrauch freiwillig zu reduzieren. Sollte das nicht ausreichen, könnte das Klimaschutzministerium per Verordnung „Energielenkungsmaßnahmen“ anordnen – dann dürfte z.B. Gas aus Speichern in Österreich nicht mehr exportiert werden. In einem weiteren Schritt wäre es auch möglich, eine Verbrauchsreduktion bei industriellen Verbrauchern anzuordnen.

Solche Maßnahmen könnte das Klimaschutzministerium nach Anhörung des dort angesiedelten Energielenkungsbeirates per Verordnung beschließen – dafür wäre dann auch ein Beschluss im Hauptausschuss des Nationalrates notwendig.

2020 entfielen 29 Prozent des Gasverbrauchs in Österreich auf die Kraftwerke, der größte Verbraucher war aber die Industrie mit einem Anteil von 36 Prozent, auf die Haushalte entfielen 19 Prozent.

APA

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