EnBW will neue Gaskraftwerke bauen

4. Feber 2022, Karlsruhe/EU-weit/Brüssel
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Der Karlsruher Energiekonzern EnBW will in Deutschland neue Gaskraftwerke bauen und lässt sich dabei auch nicht von der Preisexplosion des Brennstoffs abschrecken. „Wir müssen zur Überbrückung neue Gaskraftwerke bauen. Das ist auch unser Plan“, sagte Vorstandsmitglied Georg Stamatelopoulos der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Freitag veröffentlichten Interview. Der Konzern wolle alte Kohlestandorte umrüsten und dort neue Gaskraftwerke errichten.

Im Blick habe EnBW zwei Blöcke mit je rund 600 Megawatt und einen weiteren mit etwa 120 Megawatt. „Dabei geht es um Investitionen von insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro.“ EnBW sei auch offen für Partner. Entschieden sei der Bau noch nicht.

Gaskraftwerke spielen eine Schlüsselrolle bei der Energiewende. Sie sollen die schwankende Stromproduktion aus Wind und Sonne absichern. Nach einer Übergangszeit sollen sie schließlich auf Wasserstoff umgerüstet werden und damit klimaneutral Strom erzeugen. „Wasserstoff ist eine tragfähige Lösung“, betonte Stamatelopoulos. Wasserstoff werde aber bis Mitte der 2030er Jahre nicht ausreichend zur Verfügung stehen. „Wir müssen erst eine komplette Infrastruktur inklusive Erzeugung dafür aufbauen.“

Der in Athen geborene Manager leitet seit Juni vergangenen Jahres das Ressort „Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur“, das sowohl die konventionelle Energieerzeugung als auch die Ökostromproduktion umfasst. Der früher stark auf Kohle und Atom setzende EnBW-Konzern hat sich in den vergangenen zehn Jahren zu einem führenden Ökostromerzeuger gewandelt. Bis 2025 will der Versorger seine installierte Leistung von Wind-Onshore und -Offshore auf je zwei Gigawatt verdoppeln. Die Leistung der Solaranlagen will der Versorger auf 1,2 Gigawatt verdreifachen. „Das sind insgesamt Investitionen von vier Milliarden Euro zwischen 2021 und 2025.“

Bei den stark gestiegenen Energiepreisen rechnet Stamatelopoulos mit einer Entlastung. „Wir erwarten nicht, dass die Gaspreise nachhaltig hoch bleiben.“ Vielmehr gehe EnBW davon aus, dass es im Laufe dieses Jahres eine deutliche Entspannung gibt. Die Taxonomie-Planungen in der EU, mit der Finanzströme gezielt in nachhaltige Technologien gelenkt werden sollen, sieht der Manager mit gemischten Gefühlen. „Die Veränderungen, die jetzt stattgefunden haben bei der Taxonomie, gehen in die richtige Richtung.“ Es dürfe nicht dazu kommen, dass Investitionen in Gaskraftwerke bestraft würden. Sonst müsse der Konzern sehr genau schauen, ob er diese Kraftwerke baue. „Aber wenn wir das nicht machen, wird Kohle weiter betrieben. Das muss klar sein.“

APA/ag

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