Stadt schließt Schloss Mirabell an eigenes Kleinkraftwerk an

11. Feber 2022, Salzburg

2021 überwies die Stadt allein für den Sitz der Verwaltung 66.120 Euro an Stromkosten. Ab Jahresende soll der Bedarf überwiegend aus dem Wasserkraftwerk in der Münzgasse gedeckt werden.

Der Großteil des im städtischen Kleinkraftwerk in der Münzgasse generierten Stroms ist bisher in das Netz der Salzburg AG eingespeist worden. Denn die Anlage diente vorrangig als Notstromversorgung für die Sicherheitsbeleuchtungen in den Festspielhäusern, im Landestheater, im Mozarteum und im Marionettentheater. Künftig will die Stadt das Potenzial der Anlage, die vom Wasser des Neutorarms des Almkanals angetrieben wird, voll für die Eigenversorgung ausschöpfen. 2020 wurde mit der Erneuerung begonnen, während der Almabkehr im September soll sie abgeschlossen sein. Die Leistung des Kraftwerks soll dadurch von vormals 57 auf bis zu 80 Kilowatt steigen.

„Von Schloss Mirabell können wir 100 Prozent des Bedarfs decken“, sagt Roland Oberhauser, Amtsleiter der Städtischen Betriebe. 2021 überwies die Stadt noch 66.120 Euro an Stromkosten an die Salzburg AG. Künftig soll nur noch während der jährlichen Wartung des Almkanals im Herbst Strom aus dem öffentlichen Netz für das Schloss Mirabell bezogen werden. Oberhauser rechnet damit, dass sich die Investitionskosten von rund 180.000 Euro für die Revitalisierung des Wasserkraftwerks binnen fünf Jahren rechnen werden.

Bis Jahresende soll die Eigenversorgung möglich sein. Dafür muss noch eine Stromleitung verlegt werden. „50 Prozent der Leitung sind schon umgesetzt. Man ist jetzt beim Müllner Steg und muss ,nur‘ noch die Schwarzstraße queren und über den Bernhard-Paumgartner-Weg ins Schloss Mirabell hinein“, sagt Oberhauser. Wobei es das Ziel sei, das „Nadelöhr Schwarzstraße“ nicht aufzugraben. „Das soll auf alle Fälle vermieden werden.“ Derzeit seien Techniker auf der Suche nach einer bestehenden Leitungstrasse, durch die das Kabel gelegt werden könnte.

Mit der Umstellung auf Eigenversorgung kommt die Stadt den derzeit stark steigenden Energiekosten zuvor, da diese erst ab 2024 schlagend würden, denn: „Wir haben uns vorausschauend mit der Salzburg AG im Herbst 2020, als Strom an der Börse noch günstiger war, eingedeckt“, erklärt Energiekoordinator Franz Huemer.

Der für die Betriebe der Stadt verantwortliche Vizebürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) will nach Möglichkeit weitere Standorte auf Eigenversorgung umstellen. So sei die Halle des Sportzentrums Nord bereits energieautark. „Bei dem eventuellen Neubau einer Eishalle ist das sicher an oberster Stelle.“ Im Volksgarten wäre die überdachte Trainingsfläche neben dem Stadion für eine Photovoltaikanlage geeignet.

Wobei es bei der Aufrüstung Grenzen gebe. So habe die Stadt bei der Sanierung der Volksschule in Lehen diese Möglichkeit geprüft. Bei Bestandsgebäuden sei es aber aufgrund des hohen Gewichts „statisch schwierig“, solche Anlagen auf den Dächern zu installieren, sagt Auinger.sendl

Salzburger Nachrichten

Ähnliche Artikel weiterlesen

Kraftwerke als grüne Batterie in den Alpen

8. Juni 2022

„Nur Wind liefert im Winter“

24. Mai 2022

Führend bei Wasserkraft

6. April 2022, Ybbstal

Tiwag will mit Tinext die Energiewende schaffen

15. Oktober 2021, Jenbach