IPCC – Anerkannter Faktenlieferant für globale Klimapolitik

14. Feber 2022, Paris

Regierungsvertreter aus mehr als 190 Ländern beraten ab Montag über den zweiten Teil des neuen Sachstandberichts des Weltklimarats IPCC, der am 28. Februar vorgestellt werden soll. Darin werden die Folgen der Erderwärmung auf Mensch und Natur sowie mögliche Anpassungsmaßnahmen beleuchtet.

Auch wenn der IPCC die meiste Zeit still vor sich hin arbeitet, um aus einer Vielzahl von Studien und Statistiken die neuesten Erkenntnisse zum Klimawandel zusammenzutragen, gibt er mit seinen Berichten immer wieder wichtige Impulse für die globale Klimapolitik.

Was ist der IPCC?

Der Intergovernmental Panel on Climate Change wurde 1988 von der UNO-Umweltorganisation (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gegründet. Seine Aufgabe ist es, die Politik neutral über die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Klimaveränderung und über mögliche Gegenmaßnahmen zu informieren. Dem IPCC gehören 195 Staaten an. Sie entsenden Experten, die eigenständig Berichte erstellen.

Wie ist der IPCC organisiert?

Das Gremium mit Sitz in Genf wird seit 2015 von dem Südkoreaner Hoesung Lee geleitet, einem Experten für die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels. Die IPCC-Berichte werden von tausenden Wissenschaftern zusammengestellt, darunter neben Klima- und Meeresforschern auch Statistiker, Ökonomen, Sozialwissenschaftler und Gesundheitsexperten.

Der IPCC betreibt keine eigene Forschung zum Klimawandel, sondern wertet tausende Studien aus und fasst die zentralen Erkenntnisse daraus zusammen. Die verwendeten Studien haben im Regelfall das sogenannte Peer-Review-Verfahren durchlaufen – sind also von anderen Wissenschaftern begutachtet worden. Zudem gibt es mehrere tausend beim IPCC registrierte wissenschaftliche Gutachter, die zu allen Aussagen in den Berichten Kommentare oder Kritik einreichen können.

Das Kernteam, das den nun vorliegenden zweiten Teil des sechsten Sachstandsberichts des IPCC verfasst hat, besteht aus rund 270 Wissenschaftern aus aller Welt, darunter 15 aus Deutschland. Sie hatten ihre Arbeit Anfang 2019 aufgenommen. Der erste Teil des sechsten Sachstandsberichts war im August veröffentlicht worden, Teil drei soll im Herbst folgen.

Welche Berichte veröffentlicht der IPCC?

Alle fünf bis sechs Jahre veröffentlicht der IPCC umfassende Überblicke über den aktuellen Stand der Klimaforschung, die in der Regel etwa 1.500 Seiten umfassen. Der erste IPCC-Bericht wurde 1990 veröffentlicht, zuletzt wurde 2014 ein umfassender Report vorgelegt.

Die regulären Berichte werden von je drei Arbeitsgruppen zusammengestellt: Arbeitsgruppe I legt die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel dar, die zweite beleuchtet die Folgen der Erderwärmung und die dritte zeigt Handlungsoptionen auf.

Abgesehen von diesen regulären Veröffentlichungen erstellt der Weltklimarat auch Sonderberichte zu bestimmten Aspekten des Klimawandels wie etwa zur Landnutzung oder zu den Veränderungen der Weltmeere und der Permafrostgebiete.

Zu jedem Bericht fertigt der IPCC eine Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger an. Diese wird jeweils in mehreren Runden redigiert – erst von Wissenschaftern, dann von Regierungsvertretern.

Der abschließende Entwurf der Berichtszusammenfassung wird dem IPCC-Plenum vorgelegt, das den Text Zeile für Zeile durchgeht und ihn schließlich im Konsens verabschiedet. Dieses Verfahren beginnt für den zweiten Teil des sechsten Sachstandsberichts diesen Montag – wegen der Corona-Pandemie vorwiegend virtuell.

Regierungen können Änderungen an der Zusammenfassung erwirken – allerdings nur, wenn die neuen Formulierungen durch die wissenschaftlichen Erkenntnisse im Bericht gedeckt sind. An dem eigentlichen Bericht können politische Entscheidungsträger keine Änderungen vornehmen.

Wie wird die Arbeit des IPCC bewertet?

Der IPCC wird dafür gelobt, dass er Entscheidungsträgern mit seiner eingehenden Untersuchung des Klimawandels wichtige und zuverlässige Informationen bereitstellt. 2007 wurde das Gremium zusammen mit dem früheren US-Vizepräsidenten und Klimaschutz-Vorkämpfer Al Gore mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Mit kleineren Fehlern in seinen Berichten lieferte der IPCC allerdings immer wieder Skeptikern Munition, welche die Kompetenz des Gremiums anzweifeln und ihm Befangenheit vorwerfen.

Einige Wissenschafter haben dem IPCC in der Vergangenheit vorgeworfen, bei der Bewertung von Risiken zu konservativ zu sein und damit zu einer Unterschätzung der Gefahren durch den Klimawandel beizutragen.

APA/AFP

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