EVN verdiente zum Jahresauftakt weniger, bestätigt Prognose

25. Feber 2022, Wien/Maria Enzersdorf
Die EVN-Zentrale in Maria Enzersdorf
 - Maria Enzersdorf, APA/THEMENBILD

Die Verwerfungen auf den Energiemärkten – mit historisch hohen Marktpreisen für Erdgas, CO2-Zertifikate sowie Grund- und Spitzenlaststrom – haben beim niederösterreichischen Energieversorger EVN im ersten Geschäftsquartal 2021/22 die operativen Ergebnisse und den Nettogewinn gedrückt. Dennoch ist man für das Gesamtjahr (per 30.9.) zuversichtlich und hat am Freitag die Jahresprognose von 200 bis 240 Mio. Euro bestätigt.

Im Zeitraum Oktober bis Dezember sank das Nettoergebnis im Vorjahresvergleich um 12,7 Prozent auf 81,5 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sackte um 39,5 Prozent auf 201,9 Mio. Euro ab, das Betriebsergebnis (EBIT) ging um 4,7 Prozent auf 129,5 Mio. Euro zurück.

Der Umsatz dagegen kletterte um 49,1 Prozent auf 900,9 Mio. Euro – wegen der stark gestiegenen Strompreise, die vor allem beim Energievertrieb in Südosteuropa für deutliche Zuwächse sorgten. Zudem führten witterungsbedingte Mengeneffekte in allen Kernmärkten zu höheren Umsätzen im Netzbetrieb, in Österreich noch zusätzlich die neuen, seit Anfang 2021 geltenden Netznutzungsentgelte. Im Sog der höheren Preise im Stromgroßhandel legten zudem die Umsätze aus erneuerbarer Erzeugung deutlich zu. Ferner wurde auch das EVN-Kraftwerk Theiß vom Übertragungsnetzbetreiber APG häufiger als 2020 zur Netzstabilisierung abgerufen.

Im Berichtsquartal hat die EVN mehr Strom und Gas übers Netz abgesetzt. Bei Strom waren es mit 6.239 Gigawattstunden (GWh) um 4,6 Prozent mehr, bei Erdgas mit 5.726 GWh um 9,4 Prozent mehr. Der Verkauf an Endkunden wuchs bei Strom um 7,4 Prozent auf 5.558 GWh, bei Erdgas um 0,8 Prozent auf 1.840 GWh. Der Wärmeverkauf an Endkunden erhöhte sich binnen Jahresfrist um 7,5 Prozent auf 842 GWh.

Witterungsbedingt habe es in den Kernmärkten einen höheren Energiebedarf gegeben und auch ein sehr gutes Winddargebot, so die EVN im Quartalsbericht. Temperaturbedingt sei der Energiebedarf über dem Vorjahr und auch über dem langjährigen Schnitt gelegen. Die Stromerzeugung sank um 8,0 Prozent auf 963 GWh. Dabei fiel das Minus mit 12,9 Prozent auf 439 GWh bei Wärmekraftwerken besonders kräftig aus – laut EVN Folge des Ende September getätigten Verkaufs des 49-Prozent-Anteils der EVN am deutschen Kohlekraftwerk Walsum 10 -, während es bei Strom aus Erneuerbarer Energie mit 524 GWh lediglich um 3,5 Prozent weniger waren.

Analog zur Umsatzentwicklung nahm auch der Aufwand für Fremdstrombezug und Energieträger deutlich zu – er betrug im Berichtsquartal 552,8 Mio. Euro, nach 242,2 Mio. Euro ein Jahr davor. Dies ergab sich aus höheren Energiebeschaffungskosten in Südeuropa, dem höheren Primärenergieaufwand für das häufiger eingesetzte Kraftwerk Theiß und aus höheren Beschaffungskosten der EVN Wärme. Der Personalaufwand war mit 91,3 Mio. Euro um 4,1 Prozent höher, obwohl der Personalstand leicht auf 7.145 (7.152) zurückging.

Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen stiegen aufgrund höherer Forderungswertberichtigungen in Nordmazedonien um 7,4 Prozent auf 25,2 Mio. Euro. Der Ergebnisanteil der at Equity einbezogenen operativen Unternehmen sank auf 52,0 (60,2) Mio. Euro, dabei gab es Rückgänge u.a. bei der Energie Burgenland und dem Vertriebsgeschäft in Österreich und Deutschland. Somit lag das EBITDA mit 201,9 Mio. um 39,5 Prozent tiefer.

Der Verkauf der Walsum-Beteiligung trug zu einer Reduktion der planmäßigen Abschreibungen bei, die damit gegenüber dem Jahr davor um 7,1 Prozent auf 78,8 Mio. Euro zurückgingen. Zudem erforderten geänderte Regulator-Vorgaben zusammen mit gestiegenen Strompreisen beim Windpark Kavarna in Bulgarien eine Wertaufholung von 6,4 Mio. Euro. Im Jahr davor hatte die Übernahme eines zusätzlichen Strombezugsrechts zu 113,1 Mio. Euro Wertminderungen geführt. Per Saldo sank damit das EBIT um 4,7 Prozent auf 129,5 Mio. Euro.

APA

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