Siemens und Siemens Energy stoppen Neugeschäft mit Russland

2. März 2022, München/Kiew/Moskau
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Der Technologiekonzern Siemens reagiert auf den russischen Angriff auf die Ukraine und stellt sein Neugeschäft mit Russland ein. Dies gelte auch für internationale Lieferungen, teilte der Dax-Konzern am Mittwoch in München mit. Auch das von Siemens inzwischen abgespaltene Energietechnik-Unternehmen Siemens Energy macht nach den von der Europäischen Union (EU) aufgelegten Sanktionen keine neuen Geschäfte mehr mit Russland.

„Wir halten uns bei unseren Geschäftsaktivitäten in und mit Russland selbstverständlich an geltendes Recht sowie an die geltenden Exportkontrollrichtlinien und an das geltende Sanktionsrecht“, hieß es in der Stellungnahme von Siemens. Das lokale Service- und Wartungsgeschäft werde hingegen fortgesetzt. In den vergangenen Jahren hatte Siemens etwa mehrfach Züge nach Russland geliefert und dafür auch Wartungsverträge abgeschlossen.

Die „vollen Auswirkungen aller Sanktionen“ würden weiterhin geprüft. Siemens zufolge entfällt etwa ein Prozent des Umsatzes auf das Geschäft mit Russland, die Zahl der Mitarbeiter liege im niedrigen vierstelligen Bereich.

Auch Siemens Energy hat inzwischen sein Neugeschäft mit Russland gestoppt und prüft die weiteren Auswirkungen der Sanktionen. „Siemens Energy unterstützt die Haltung der internationalen Regierungskoalition, die Sanktionen gegen Russland verhängt hat“, hieß es in einer Erklärung des Vorstands an die Mitarbeiter. Priorität habe derzeit die Unterstützung der Mitarbeitenden und ihrer Familien vor Ort. Siemens ist noch mit 35 Prozent an Siemens Energy beteiligt.

Die Europäische Union hat nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine umfangreiche Sanktionen in Kraft gesetzt. Diese treffen neben dem Finanzsektor auch andere wirtschaftlichen Bereiche, darunter den Energie-, Verkehrs- und Technologiesektor. Hier hat die EU auch Ausfuhrverbote für bestimmte Güter und Technologien erlassen. Auch die USA verbieten zum Beispiel den Export von Hightech-Produkten nach Russland. Die deutsche Regierung hat zudem die sogenannten Hermes-Bürgschaften ausgesetzt und erschwert damit deutschen Unternehmen Geschäfte mit Russland – unabhängig davon, ob es um sanktionierte Güter oder Branchen geht oder nicht.

MAN hat die Lieferung von Lastwagen und Ersatzteilen nach Russland und Belarus gestoppt. „Aufgrund der Kriegshandlungen kommt es bei MAN zudem zu Versorgungsengpässen und in Folge dessen zu Ausfällen in der Produktion“, teilte der zum Volkswagen-Konzern gehörende Hersteller am Mittwoch mit. Betroffen seien die Werke in München und im polnischen Krakau. Bereits in dieser Woche gebe es weniger Schichten. Danach werde auf Sicht geplant, sagte ein Sprecher. Die Produktion in St. Petersburg mit rund 70 Mitarbeitern müsse aufgrund von Lieferengpässen heruntergefahren werden.

APA/dpa-AFX

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 - München, APA/dpa