Nur bei der Photovoltaik sind wir auf Energiewende-Kurs

3. März 2022, Wien

Umfrage: Wenig Bewegung bei der Raumwärme und bei E-Autos

Die Österreicherinnen und Österreicher zweifeln zwar nicht an den dramatischen Folgen der Klimaerwärmung, beim Ausbau der erneuerbaren Energien sind sie aber in erster Linie beim Ausbau der Photovoltaik auf Dächern auf Kurs. Beim Umstieg der Raumwärme auf erneuerbare Quellen oder etwa beim Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2030 nimmt die Akzeptanz deutlich ab.

Das geht aus einer gemeinsamen Studie der Unternehmensberatung Deloitte, der Universität Klagenfurt, der Wirtschaftsuniversität Wien und dem Energieversorger Wien Energie hervor, die gestern online präsentiert wurde. Die repräsentative Umfrage, die dieser Studie zugrunde liegt, wird seit 2017 durchgeführt.

Michael Strebl, Vorsitzender der Wien-Energie-Geschäftsführung, wies darauf hin, dass 80 Prozent des Energieverbrauchs in Österreich nicht auf Strom zurückgehe. „Ohne Wärme- und Verkehrswende werden wir die Energiewende nicht schaffen. Das ist in der Bevölkerung noch nicht ganz angekommen“, sagte Strebl.
Beim Thema Wärmeversorgung zeige sich wenig Veränderungsbereitschaft, so Studienautorin Nina Hampl, Professorin an der WU Wien. Im Vergleich zu 2017 sei unter den befragten Haushalten der Anteil an Fernwärme zur primären Wärmeversorgung nur um vier Prozentpunkte gestiegen, bei Wärmepumpen stagnierten die Werte. Auch bei Öl- und Erdgasheizungen gebe es nur geringe Veränderungen. Gasheizungen machen noch rund ein Viertel der installierten Heizanlagen aus. „Auch die aktuelle Diskussion zu steigenden Preisen bei fossilen Brennstoffen macht deutlich: Es ist mehr Bewegung beim Umstieg auf eine nachhaltige Energieversorgung notwendig, gerade im Wärmesektor“, sagte Hampl.

Interesse an E-Autos gesunken

Auch beim Kaufinteresse für Elektroautos zeigte die Studie eine eher enttäuschende Entwicklung. Die Zahl der Interessenten ist bei den jüngsten Erhebungen leicht gesunken. 2021 dachten 43 Prozent der befragten Österreicher über den Kauf eines E-Autos nach. 2018 waren es noch 54 Prozent.

Nur ein Drittel der Befragten befürwortete ein Zulassungsverbot von Verbrennungsmotoren ab 2030.
„Da gilt es, Maßnahmen zu setzen, um die Klimaziele zu schaffen“, sagte Gerhard Marterbauer von Deloitte. Die Ladeinfrastruktur sollte demnach ausgebaut werden. Außerdem müssten Elektroautos auch für die breite Masse erschwinglich werden, sagte Marterbauer. (hn)
„Es ist mehr Bewegung beim Umstieg auf eine nachhaltige Energie- versorgung notwendig, gerade im Wärmesektor.“
Nina Hampl, Studienautorin und Professorin an der Wirtschaftsuniversität Wien

Oberösterreichische Nachrichten

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