NÖ will Ausbau von erneuerbaren Energien beschleunigen

22. März 2022, St. Pölten
Windkraft bis 2030 verdoppeln und Photovoltaik verzehnfachen
 - Loosdorf, APA/THEMENBILD

Niederösterreich will den Ausbau von erneuerbaren Energien stärker vorantreiben. Bürokratie soll reduziert, Verfahren sollen beschleunigt werden, sagte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) in einer Pressekonferenz am Dienstag in St. Pölten. Derzeit braucht es etwa für Photovoltaikanlagen mit einer Leistung ab 200 Kilowatt-Peak (entspricht 1.200 Quadratmetern an Fläche) eine Genehmigung. „Wir wollen diese Untergrenze deutlich nach oben setzen“, kündigte Mikl-Leitner an.

Bereits die Corona-Pandemie habe globale Abhängigkeiten gezeigt, sagte Mikl-Leitner. Als Beispiel nannte sie Lieferengpässe bei Mund-Nasen-Schutz. Auch durch den Ukraine-Krieg merke man Abhängigkeit von Rohstoffen, Lebensmitteln und Energie. „Es ist wichtig, dass wir die Abhängigkeit von Russland reduzieren, verstärkt auf Diversifikation setzen und die erneuerbare Energie ausbauen“, betonte die Landeshauptfrau.

„Wir wollen mehr Ökoenergie produzieren, um unabhängiger zu werden und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten“, erklärte LHStv. Stephan Pernkopf (ÖVP). Die Eckpfeiler sind laut Mikl-Leitner im bereits bestehenden Energie- und Klimafahrplan festgelegt: Bis 2030 die Leistung aus Windkraft zu verdoppeln und die Photovoltaik zu verzehnfachen. Aufgrund der aktuellen Situation gehe es jetzt darum, „Tempo zu machen bei der Energiewende“.

Man wolle auch künftig auf regionale Lösungen mit Biomasse-Nahwärme setzen, so Mikl-Leitner. Ziel sei es, drei bis fünf zusätzliche entsprechende Heizwerke zu errichten. Als Beispiel nannte sie einen Standort in Krems, der 30.000 Haushalte mit Wärme und 15.000 mit Strom versorgt.

In puncto Photovoltaik soll die Zonierung vorgezogen werden und laut Mikl-Leitner vor dem Sommer vorliegen. „Wichtig ist, dass gute Böden verschont werden, denn die brauchen wir für die Lebensmittelproduktion“, betonte die Landeshauptfrau. Verfahren sollen durch mehr Personalressourcen beschleunigt werden, stellte Mikl-Leitner eine Erhöhung der Zahl an internen und sowie eine Erweiterung des Pools an externen Sachverständigen in Aussicht. Außerdem seien Widmungserleichterungen für Energieversorgungs-Gebäude vorgesehen.

Von 730.000 Haushalten in Niederösterreich werden 290.000 mit Biomasse beheizt, 200.000 mit Gas, 85.000 mit Öl und der Rest mit Fernwärme oder Wärmepumpe. Laut Pernkopf wird in diesem Jahr mit bis zu einer Verzehnfachung der Anfragen bei der Energieberatung gerechnet.

Pernkopf forderte vom Bund schnellere UVP-Verfahren: „Es geht konkret darum, dass pro Instanz nur einmal beeinsprucht werden kann.“ Verfahren sollen „nicht mutwillig verzögert werden können“, meinte er. Weiters verlangte er „den raschen Ausbau von Leitungen“ und eine Bevorratung nicht nur im Gasbereich, sondern auch bei Pellets. In Bezug auf das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz bemängelte der Landesvize fehlende Verordnungen. Weiters soll es eine Förderinitiative für „grünes“ Gas, Biogas und Wasserstoff geben und es sollen mehr energieautarke Bauernhöfe geschaffen werden.

Die EVN plant den Angaben zufolge für heuer Investitionen von 400 Mio. Euro in Versorgungssicherheit und erneuerbare Energie. In den nächsten zehn Jahren sind 3,5 Mrd. Euro vorgesehen. EVN-Vorstandsdirektor Franz Mittermayer verwies unter anderem auf den Ausbau der Windkraftanlagen sowie eine Verstärkung von Leitungen und die Errichtung von Umspannkraftwerken. In Dürnrohr (Bezirk Tulln) soll neben der Müllverbrennungsanlage eine Klärschlammverwertung forciert werden.

APA

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