Investition in den Sonnenstrom lohnt sich

6. April 2022, Bezirk Lilienfeld

Photovoltaik als umweltfreundliche Alternative: Der Trend war schon da, hat nun aber unerwartete Aktualität bekommen.

Erneuerbare Energie

Die Kläranlage in Hohenberg wurde letztes Jahr mit einer Photovoltaikanlage mit 30 Kilowatt-Peak (kWp) Leistung ausgestattet. An einem sonnigen Tag ist die Anlage somit tatsächlich energieautark. „Wir haben in der Gemeinde schon vor längerem beschlossen, jedes Jahr in erneuerbare Energie zu investieren, Photovoltaikanlagen sind überhaupt sehr stark nachgefragt, ein richtiger Trend. Das Thema hat nun aber auch unerwartete Aktualität bekommen“, weiß Bürgermeister Heinz Preus.

Deshalb wurde bei der letzten Gemeinderatssitzung gleich das nächste Projekt – einstimmig – beschlossen: „Heuer kommt eine 42 kWp-Anlage zum Freibad“, freut sich Preus. Auch Unternehmen zeigen starkes Interesse an Photovoltaik, die Lilienfelder Firma Neuman allerdings mit einer Großanlage, um umweltfreundlich Aluminium zu produzieren (die NÖN berichtete). „Die PV-Anlage zu errichten, war die richtige Entscheidung. Wir prüfen intensiv, ob wir weitere Flächen nutzen können“, erklärt Geschäftsführer Matthias Benz. Eine sichere und bezahlbare (!) Strom- und Gasversorgung sei unabdingbar für den Standort, Matthias Benz blickt in die Zukunft: „Ein Ausfall von Gas oder Gaspreise, wie auf dem aktuellen Niveau, werden in Österreich und in Mitteleuropa Arbeitsplätze kosten.“

Als eine der ersten ihrer Art geht die Erneuerbare Energiegemeinschaft (EEG) Lilienfeld indes planmäßig im April in den operativen Betrieb. Für die Projekte Sonnenkraftwerk und Erneuerbare Energiegemeinschaft Lilienfeld würde sogar der PV-Innovationspreis winken, zeigen sich Vizebürgermeister Manuel Aichberger und Obmann und Energiestadtrat Thomas Gravogel stolz: „Mitte März ging es Schlag auf Schlag. Nachdem im Rahmen des Bürgerbeteiligungsprojektes ,Sonnenkraftwerk Lilienfeld‘ unter Beteiligung der Lilienfelder Bevölkerung auf den Dächern der Volksschule sowie beim Sportplatz und Muckenkogel-Lift Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 150 kWp errichtet wurden, segnete der Lilienfelder Gemeinderat in seiner Märzsitzung einstimmig jenes Vertragskonvolut ab, das letztlich den Weg für die operative Umsetzung der Erneuerbaren Energiegemeinschaft Lilienfeld frei machen sollte, ein klima- und energiepolitisches Vorzeigeprojekt der Stadtgemeinde Lilienfeld.“

Im Rahmen der Photovoltaik-Liga, einer Veranstaltung des „Umwelt Gemeinde Service NÖ“, Anfang April in St. Pölten soll die Stadtgemeinde Lilienfeld für ihr PV-Projekt von Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf mit dem PV-Innovationspreis ausgezeichnet werden. Auch die Gemeinde Türnitz verfolgt schon länger innovative Ideen mit ihrer Energiegemeinschaft: Sauberen Strom aus Wasserkraft und Photovoltaik produzieren und direkt in der unmittelbaren Region auch wieder konsumieren – Energiegemeinschaften machen dies möglich und gelten somit als Meilenstein für die ökologische Energiewirtschaft. Mit der „Energiegemeinschaft Türnitz eGen“ wird regionaler Stromhandel rund um das Umspannwerk Türnitz Realität. „Im Rahmen des Raiffeisen-Energiespartages wurde die Energiegenossenschaft den Bürgern vorgestellt, die Anwesenden wurden über den Plan der Genossenschaft informiert und erste Interessenten zeigten sich gleich nach der Veranstaltung“, berichtet Energie-Gemeinderat Christian Anzberger. Die nächsten Schritte seien die konkrete Preisfindung für die Erzeuger und die Konsumenten, eine Entscheidung solle in den nächsten Wochen gefällt werden. „Erste konkrete Gespräche mit den Kraftwerksbetreibern laufen bereits. Die Energiegemeinschaft wird voraussichtlich im Frühsommer in den Probebetrieb gehen. Anfang 2023 wird es dann möglich sein, auch weitere Mitglieder in die Genossenschaft aufzunehmen, Erzeuger als auch Konsumenten“, zeigt Anzberger den Plan auf.

Im Spätherbst 2022 soll dann das zweite Wasserkraftwerk der Gemeinde Türnitz die Gemeinschaft beliefern.
Persönlich zeigt sich Christian Anzberger der Energie-Zukunft gegenüber positiv eingestellt. „Es werden tolle Projekte im Land umgesetzt und man hat das Gefühl, dass sich mehr Menschen mit dem Thema Erneuerbare Energien beschäftigen. Aufgrund mancher Materialengpässe verschieben sich jedoch immer wieder Projekte, das bremst den Ausbau. Trotzdem, im Wärmebereich ist in den letzten Jahren vielleicht zu wenig umgesetzt worden, da die Preise für Gas und Öl annehmbar waren. Ich denke, wir müssen jetzt mehr denn je alle an einem Strang ziehen und die regionale und zukunftsfähige Energieversorgung gemeinsam anpacken“, meint Anzberger.

Mitarbeiterbeteiligung wurde umgesetzt

Mit dem Kraftwerksbauer wurde bei Neuman in Lilienfeld indes auch eine Mitarbeiterbeteiligung umgesetzt, den Erfolg von Bürgerbeteiligungen bestätigt zudem Stefan Zach, Leiter Kommunikation EVN: „Unsere Bürgerbeteiligungsmodelle werden extrem gut angenommen, alleine im Mostviertel setzen wir in den nächsten Wochen drei weitere Projekte in Wieselburg, Traisen und Sonntagberg um.“

Ein Ausfall von Gas oder Gaspreise, wie auf dem aktuellen Niveau, werden in Österreich und in Mitteleuropa Arbeitsplätze kosten.“


von Matthias Benz, Geschäftsführer Neuman

NÖ Nachrichten

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