Energieagentur: Kohle aus Russland ist leicht zu ersetzen

7. April 2022, Wien/Kiew (Kyjiw)/Moskau
Ein Viertel der Importkohle in Österreich stammte 2021 aus Russland

Energieagentur-Chef Franz Angerer erwartet durch den anvisierten EU-Importstopp für russische Steinkohle aufgrund des Ukraine-Kriegs keine großen Probleme für Österreich. Es sei „relativ einfach andere Versorgungswege zu nehmen“, sagte Angerer am Donnerstag im „Morgenjournal“ des ORF-Radio. „Kohle spielt in der Energieversorgung keine Rolle mehr.“

60 Prozent des heimischen Energieverbrauchs wurde zuletzt über Öl und Gas gedeckt, Kohle machte knapp 8 Prozent aus. Hauptsächlich werde Kohle zur Energie- und Dampferzeugung noch in der Papierindustrie verwendet, so der Energieagentur-Geschäftsführer. Viele energieintensive Industrien hätten in der Vergangenheit aber auf Gas umgeschwenkt.

Die einzige von Kohle abhängige Branche ist die Stahlindustrie. Kohle wird in Koks umgewandelt und für die Stahlerzeugung benötigt. Die voestalpine sei hierzulande „der einzig wirklich verbliebene Großverbraucher für Kohle“, sagte Angerer.

Die für die Hochöfen nötige metallurgische Kohle kommt beim oberösterreichische Stahlkonzern voestalpine bisher zu einem Teil aus Russland. Aber in den vergangenen Wochen seien bereits „Maßnahmen getroffen worden, um zusätzliche Kohlemengen zu beschaffen“, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Die Versorgung werde auf bestehende und neue Lieferanten umgeleitet, außerdem reichten vorhandene Lagerstände für mehrere Monate.

Österreich hat voriges Jahr mengenmäßig 28 Prozent seiner Steinkohleimporte aus Russland bezogen, gemessen am Einfuhrwert war es ein Fünftel, geht aus vorläufigen Daten der Statistik Austria hervor. Insgesamt führte Österreich 2021 Kohle im Importwert von 519,2 Mio. Euro ein. Von der gesamten Kohle-Importmenge von 3,34 Mio. Tonnen stammten 1,38 Mio. t aus Polen, 942.200 t aus Russland, 414.800 t aus Australien, 253.000 t aus den USA und 119.300 t aus Ungarn. Der nächstgrößere Lieferant für Österreich war Deutschland mit 110.700 t.

APA

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