Schweiz bei Gasknappheit im Vorteil

8. April 2022, Zürich
Eine Erdgasverdichterstation
 - Mallnow, APA/dpa-Zentralbild

Bei einem Ausfall der russischen Gaslieferungen nach Europa müsste auch die Schweiz den Verbrauch reduzieren. Sie wäre aber gegenüber anderen Ländern im Vorteil – wegen ihrer Anbindung in alle Himmelsrichtungen. „Darauf muss man sich vorbereiten“, sagt Thomas Hegglin vom Verband der Schweizerischen Gasindustrie (VSG) zu einem Lieferstopp aus Russland aus welchen Gründen auch immer.

Ein Ausfall der russischen Gaslieferungen wäre in Europa nicht vollständig kompensierbar, jedenfalls nicht kurzfristig und nicht ohne Verbrauchsreduktionen. Die Schweiz hätte in diesem Szenario immerhin aber einen wichtigen Vorteil, da sie noch Gas aus dem Süden beziehen könnte. Über Italien könnte sie Gas aus Nordafrika und Aserbeidschan erhalten.

Falls in der Schweiz eine Mangellage eintreten sollte, treffe der Bund „Bewirtschaftungsmaßnahmen“. Dazu gehören etwa die Umschaltung von Verbrauchern mit Zweistoff-Anlagen (in denen sich Erdgas durch Heizöl ersetzen lässt), Sparappelle und die Kontingentierung von Großverbrauchern.

Derzeit sei die Versorgungssicherheit in der Schweiz mit Gas allerdings weitgehend gesichert, sagt Hegglin. Für die Industrie dürfte genügend Gas vorhanden sein, auch wenn sich die Preise auf einem außerordentlich hohen Niveau befänden.

Die große Herausforderung sei indes, die Gasversorgung für den kommenden Winter zu sichern. Bereits Anfang März hatte der Bundesrat deshalb Maßnahmen beschlossen. Gasunternehmen sollen demnach rasch gemeinsam Gas, Gasspeicherkapazitäten, Flüssiggas (LNG) und LNG-Terminalkapazitäten beschaffen können, ohne kartellrechtliche Konsequenzen befürchten zu müssen. Die Gaswirtschaft will dem Bundesrat (Regierung, Anm.) laut Hegglin in den kommenden Wochen – zusammen mit den zuständigen Departementen (Ministerien, Anm.) und Behörden – einen Lösungsvorschlag machen.

In der Schweiz selbst wird kein Erdgas gefördert, weshalb der gesamte Bedarf importiert werden muss. Außerdem hat die Schweiz keine kommerziellen Gasspeicher. Das Land kauft sein Gas vor allem an den Handelspunkten in den Nachbarländern Deutschland, Frankreich und Italien sowie in den Niederlanden.

2020 stammte laut Verbandsstatistik knapp die Hälfte des Schweizer Gases aus Russland. Knapp ein Viertel lieferte Norwegen und ein Fünftel die EU. Algerien machte noch 3 Prozent der Lieferungen aus. Zum Vergleich: In Österreich stammen 80 Prozent des Gases aus Russland.

APA/awp/sda

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