Das „erneuerbare Gasfeld“

12. April 2022

In Gabersdorf errichtet die Energie Steiermark eine Produktionsanlage für „grünen“ Wasserstoff.
Pro Jahr werden 300 Tonnen Wasserstoff als Energieträger für Fahrzeuge und die Industrie erzeugt. Der Strom dafür wird aus einer Fotovoltaikanlage gewonnen.

In Kombination mit einer bestehenden Biogasanlage wird Wasserstoff auch in Methangas umgewandelt und ins Erdgasnetz eingespeist.

Die Inbetriebnahme ist für Ende 2022 geplant.
Kosten: 10,5 Millionen Euro, etwa drei Millionen stammen aus Fördermitteln.

Gasfeld wird von der Sonne gespeist

In Gabersdorf sollen jährlich 300 Tonnen an „grünem“ Wasserstoff für Industrie, Verkehr und das Gasnetz produziert werden. Die Energie Steiermark investiert dafür 10,5 Millionen Euro.
Erste Ideen für das Projekt gab es schon 2016. Jetzt, wo es zur Umsetzung kommt, ist es aktueller denn je: Gestern erfolgte im südsteirischen Gabersdorf der Spatenstich für das erste „Renewable Gasfield“ – auf Deutsch „erneuerbares Gasfeld“ – der Energie Steiermark. Mit fossiler Energie hat das freilich nichts zu tun. Tatsächlich wird auf dem 10.000 Quadratmeter großen Areal um 10,5 Millionen Euro Österreichs erste außerbetriebliche Produktionsanlage für „grünen“ Wasserstoff errichtet. Bereits ab Ende des Jahres sollen hier jährlich bis zu 300 Tonnen Wasserstoff produziert werden.
Der Zusatz „grün“ bezieht sich auf den umweltschonenden Herstellungsprozess. Der Strom für die Aufspaltung von Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff wird nämlich aus erneuerbaren Energiequellen bezogen. Dazu wird eine 6000 Quadratmeter große Fotovoltaikanlage errichtet. Der gewonnene Wasserstoff kann ohne weitere Umwandlung als Energieträger in Fahrzeugen oder in der Industrie zum Einsatz kommen. In Kombination mit einer bereits bestehenden Biogasanlage kann er in Methangas umgewandelt und in das vorbeiführende Erdgasnetz eingespeist werden. In Summe sollen so jährlich 5200 Tonnen CO2 eingespart werden.

„Angesichtsder aktuellen dramatischen Energiekrise ist ein solches Projekt ein wichtiger Beitrag, um die Abhängigkeit von Erdgasimporten zu reduzieren“, betonte Energie-Steiermark-Vorstand Christian Purrer. Wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung dieses internationalen Vorzeigeprojekts war neben Fördermitteln von rund drei Millionen Euro ein fixer Abnehmer für den Wasserstoff. Dieser kommt mit der Wolfram Bergbau und Hütten AG quasi aus der Nachbarschaft. Das Werk im 30 Kilometer entfernten St. Martin im Sulmtal nimmt ab 2023 jährlich 70 Tonnen Wasserstoff für seine Energieprozesse ab. Der Liefervertrag war bereits vergangenen Herbst unterzeichnet worden. „Für uns war das eine Spitzengelegenheit. Die Nähe ist ein weiterer Beitrag zur regionalen Versorgung unserer hochmodernen Metallurgieanlagen“, erklärte Andreas Bock, technischer Vorstand der Wolfram Bergbau und Hütten AG.

Ein weiterer Kunde könnte schon bald die Landeshauptstadt Graz sein. Konkret könnten künftig die geplanten Wasserstoff-Autobusse mit „Treibstoff“ aus der Südsteiermark versorgt werden. Die hier produzierte Menge würde jedenfalls für rund vier Millionen Kilometer beziehungsweise 50 Busse reichen.

Landesrat Johann Seitinger (ÖVP) gab sich durchaus selbstkritisch: „Vielleicht ist es Zeit geworden, dass wir alle sehen, wie wichtig es ist, die Energiesicherheit in der eigenen Hand zu haben.“ Ein kompletter Ausstieg aus Erdöl und Gas sei kurzfristig unrealistisch, es brauche aber einen möglichst breiten Mix unterschiedlicher Energiequellen.
Einen pragmatischen Zugang fand Landtagsabgeordneter Andreas Thürschweller (SPÖ): „Was wir selbst und vor Ort an erneuerbarer Energie herstellen und auch regional einsetzen können, hilft gegen den Klimawandel.“

Kleine Zeitung

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