Das ist die Energie der Zukunft

22. April 2022

Moderne Energieversorgung. Die heimischen Energieversorger setzen auf einen Mix aus nachhaltigen Quellen

Selten zuvor war das Thema der Energieversorgung so omnipräsent wie in den letzten Jahren. War es zuvor die Diskussion rund um die Klimaerwärmung und „grüne“ Energieformen, ist seit kurzem auch noch, bedingt durch den Ukraine-Krieg, die Abhängigkeit ausländischer Energielieferanten hinzugekommen.

Dabei stellen sich nicht nur Experten die Frage, welche Energieformen, sowohl in Privathaushalten als auch in der Industrie, in der Mobilität ebenso wie beim Heizen, zukünftig eine relevante Rolle spielen werden und sollen – und wie sie nicht nur der Klimaerwärmung entgegenwirken, sondern auch zu einer größtmöglichen Unabhängigkeit von externen Lieferanten führen können.

Wasser, Wind, Sonne

Die Zukunft gehört eindeutig den erneuerbaren Energien, wobei es gilt, die Kraft der Sonne, des Windes, des Wassers und des Holzes bestmöglich zu nutzen, sagt Stefan Zach, EVN-Konzernsprecher. Es prognostiziert, dass parallel dazu auch die Nutzung von Wasserstoff eine große Rolle spielen wird.Das Unternehmen EVN ist aktuell der größte Naturwärmeversorger Österreichs. Sie liegt bei der Windkrafterzeugung auf Platz drei und ist mit 72 Wasserkraftwerken ebenso ein etablierter, heimischer Wasserkraft-Produzent. Doch auch die Kraft der Sonne wird intensiv genutzt: Bereits über 55.000 Fotovoltaik-Anlagen speisen in das niederösterreichische Netz der EVN-Tochter Netz NÖ ein. „Neben dem Betreiben von Großanlagen“, berichtet Stefan Zach, „unterstützen wir Niederösterreichs Gemeinden, Unternehmen und Privatkunden auf den Weg in eine sonnige Energiezukunft. Von Anlagen auf den Dächern über Bürgerbeteiligungen bis hin zu Pilotprojekten für Energiegemeinschaften bieten wir verschiedene Modelle.“

Private Stromerzeuger

Beim Energieunternehmen Verbund stammen rund 97 Prozent der Erzeugung schon heute aus erneuerbaren Energien. Mittel- bis langfristig setzt das Unternehmen auf den massiven und zügigen Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung inklusive Leitungen und Speicher, um weniger abhängig von fossilen Importen zu sein und die Klimaziele zu erreichen, so Jürgen Bormann, Geschäftsführer Verbund Energy4Customers. „Innovative Technologien wie grüner Wasserstoff“, sagt der Experte, „werden langfristig entscheidend zur Dekarbonisierung unseres Stromsystems beitragen. Grüner Strom aus Sonnenkraft ist aber heute schon ein massiver Treiber der Energiewende.“ Er verweist darüber hinaus auf den Vorteil, dass alle daran teilhaben können, vor allem Endverbraucher, die mit Fotovoltaik-Paneelen am Hausdach zu Stromerzeugern werden.

Emissionsfreie Mobilität

Einer der weiteren maßgeblichen Faktoren für eine nachhaltige Energiezukunft: E-Mobilität. Doch mit der Zunahme an E-Autos steigt auch der Bedarf an Ladestationen. Verbund zum Beispiel bietet deshalb seit einiger Zeit sowohl für Unternehmen als auch Privatpersonen entsprechende Pakete des privaten Ladens an. Für Unternehmen etwa werden im Rahmen der Plug-and-Play Lösung „Business-Charging“ eine Ladeinfrastruktur mit intelligentem Lademanagement, europaweites Roaming und Reporting, Abrechnungsservice und Stationsmanagement mit 24-Stunden-Hotline, Betrieb und Monitoring angeboten.

Im Privatbereich wiederum wird mit „eCharging“ eine sogenannte Wallbox geliefert, mit der man zu Hause bis zu 10-mal schneller als an einer gewöhnlichen Steckdose sein Auto laden kann, wobei der Strom zu 100 Prozent aus Wasserkraft stammt. Ergänzend gibt es Zusatzservices wie einen eignen Ladereport. Dieser gibt Einblick in den zu Hause geladenen Strom und kann als Abrechnungsbasis mit dem Arbeitgeber dienen.Um die Mobilität der Zukunft zu unterstützen, gibt es immer mehr Förderungen. So sind nicht nur für Elektroautos, sondern auch E-Auto Ladestationen förderfähig: Bei Abschluss des Verbund Angebots können Nutzer die Einmalzahlung für die Wallbox und die Kosten für die Installation zur Förderung einreichen – und bis zu 600 Euro erstattet bekommen.Fotovoltaik zum Mieten

Für Kunden, die selbst Sonnenstrom am Eigenheim erzeugen möchten, aber die Anfangsinvestitionen einer Fotovoltaik-Anlage scheuen, bietet Verbund eine Alternative: Fotovoltaik zum Mieten, denn die Teilhabe an der sauberen Energiezukunft soll nicht an den Kosten scheitern, heißt es aus dem Konzern. Zu einem monatlichen Fixpreis werden die komplette Planung, Prüfung der Errichtbarkeit und Montage der Anlage bis zur Inbetriebnahme geboten.„Über die Vertragslaufzeit von zwölf Jahren“, erklärt Jürgen Bormann, „kümmert sich Verbund zusätzlich um die Instandhaltung und Versicherung der Anlage. Danach kann die Anlage zu einem Betrag von 29 Euro erworben werden. Wir sehen gerade jetzt eine starke Nachfrage nach diesem Angebot.“ Das Unternehmen plant, errichtet und wartet auch Fotovoltaik-Großanlagen als Eigenverbrauchsmodell für die Industrie. Dabei werden ungenutzte Dach- oder Freiflächen verwendet und über ein sogenanntes Contracting Modell eine Groß-Fotovoltaikanlage installiert. Jürgen Bormann betont, dass dies auch verschiedene Vorteile in wirtschaftlicher Hinsicht bietet: „Der vor Ort erzeugte Strom kommt direkt dem Unternehmen zugute, die Stromkosten werden gesenkt und sind langfristig kalkulierbar.“

All-Electricity

Einer der weiteren Trends der Zukunft: „All-Electricity“. Dabei werden verschiedene Anwendungen durch Stromlösungen ersetzt. Beispiele für diese Entwicklung wären Elektromobilität oder der Einsatz von Wärmepumpen, sagt Stefan Zach. „Dieser Trend macht natürlich nur Sinn, wenn der dafür notwendige Strom aus erneuerbaren Energien stammt – und hier sind wir in Niederösterreich auf sehr gutem Weg. Bereits seit 2015 wird hier der benötigte Strom aus erneuerbaren Energien gedeckt – zumindest bilanziell gesehen.“

Auch wenn Fotovoltaik mittlerweile eine etablierte Technik ist, gibt es dennoch ständig Weiterentwicklungen bei Modulen, Paneelen und Wechselrichtern hinsichtlich Leistungsdichte, Effizienz und Lebensdauer, berichtet Verbund-Vertreter Jürgen Bormann. „Bei Endverbraucher-Anlagen wird Digitalisierung und Steuerung eine immer größere Rolle spielen, bei Großanlagen geht das hin bis zum Einsatz von künstlicher Intelligenz.“

Energie speichern

Auch dem Wasserstoff wird großes Potenzial nachgesagt. Deshalb setzt auch die EVN, als Mehrheitseigentümer der RAG Austria (dem größten Energiespeicher Unternehmen Österreichs), auf diese Energieform.

An einer ausgeförderten Gaslagerstätte in Oberösterreich zum Beispiel wird bereits heute an einer der großen Energiehoffnungen von morgen geforscht: Im Rahmen des RAG Projekt „Underground Sun Storage“. Mit Hilfe der so genannten „Power to Gas“-Technologie werden Überschüsse aus der Produktion erneuerbarer Energie durch Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt und sind dadurch im Erdgassystem speicherbar.

Das Ziel ist es dabei, erneuerbare Sonnen- und Windenergie in großen Mengen wirtschaftlich rentabel zu transportieren, zu speichern und damit jederzeit verfügbar zu haben. Denn in der verbrauchsarmen Zeit entstehen in den bereits weltweit existierenden teils riesengroßen Wind- und Solarparks Unmengen an nicht gebrauchter, aber umso wertvollerer Energie. Um diese überschüssigen Energiemengen passend lagern zu können, werden enorm große Speicher benötigt. Nur so kann sie bei erhöhter Nachfrage sofort wieder bereitgestellt werden und zum Einsatz kommen.

Kurier

Ähnliche Artikel weiterlesen

Kein „Alarm“, aber Lage bleibt dramatisch

28. Juni 2022

IV, WKÖ und Bauern gegen Verbrenner-Verbot ab 2035

28. Juni 2022, Wien
Umweltschutz und Wirtschafts-Anliegen immer noch häufig im Widerspruch
 - Backnang, APA/dpa

EU-Minister beschlossen Mindestfüllstand der Gasspeicher

27. Juni 2022, Luxemburg
41890348267708568_BLD_Online

Stromverbrauch im Mai zu 90 % aus Erneuerbaren gedeckt

27. Juni 2022, Wien
Windkraft-Feature
 - Mühlen Eichsen, APA/dpa