Betriebe auf dem Weg zur Klimaneutralität

25. April 2022

Strategieentwicklung. Der Druck auf kleine und mittelgroße Unternehmen, Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen, steigt. Oft fehlt es dabei aber an Bewusstsein, Kapazitäten und Know-how

Österreich soll bis 2040 klimaneutral sein. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen auch alle heimischen Unternehmen an einem Strang ziehen. Viele größere Unternehmen haben den Weg Richtung Klimaneutralität bereits eingeschlagen. Kleine und mittelgroße Unternehmen drohen dagegen, auf der Strecke zu bleiben. Viele haben den Ernst der Lage noch nicht erkannt, haben keine Kapazitäten, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und besitzen nicht genügend Wissen, um Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen.

Nachweis verlangt2023 wird für Unternehmen ab 250 Mitarbeitern die Pflicht eingeführt, Nachhaltigkeitsberichte abzuliefern. Für KMUs gibt es derartige gesetzliche Vorgaben noch nicht. Dennoch steigt der Druck. Die eigene Klimaschutzstrategie wird vermehrt bei der Vergabe von Förderungen oder Bankkrediten berücksichtigt. Auch seitens der Kundschaft wird immer öfter nach Informationen über innerbetriebliche Emissionen gefragt.

KMUs, die bereit sind, sich auf die veränderten Anforderungen einzustellen, aber nicht wissen wie, können Hilfe von Experten erhalten. In jedem Bundesland kann man etwa geförderte Beratungsleistungen in Anspruch nehmen, erklärt Petra Lackner von der Österreichischen Energieagentur, Leiterin des Programms „klimaaktiv Energieeffiziente Betriebe“. Das vom Bundesministerium für Klimaschutz initiierte Programm will KMUs durch Beratung und eine Auszeichnung dazu motivieren, eigene Maßnahmepläne zu entwickeln und umzusetzen.

Unternehmen, die es schaffen, sich an unterzeichnete Zielvereinbarungen zu halten, werden zum klimaaktiv Projektpartner und können ein eigenes Logo verwenden. In eine ähnliche Kerbe schlägt die Initiative „Let’s go for zero“.

Sie hilft bei der Verbesserung der Nachhaltigkeitsstrategie und vergibt den „Go Klima Indikator“, eine Art Ausweis des eigenen Fortschritts am Weg zur Klimaneutralität 2040. „Keiner kennt sich recht aus, wo die größten Emissionstreiber in der Firma sind. Wir haben einen Zielpfad entwickelt, der zeigt, wie viel man wo reduzieren kann und wo man investieren muss“, sagt Petra Hartl, Geschäftsführerin der Move Forward GmbH, der Betreiberin der Initiative. „Viele KMUs entwickeln zwar ein Bewusstsein für den Klimaschutz, kämpfen aber ums Überleben. Corona hat die Lage verschärft.“„In bestimmten Bereichen sollte es eigentlich gar kein Problem sein, Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen“, erklärt Petra Lackner. Der Bezug von Ökostrom oder die Anschaffung von Firmen-Pkw mit Elektroantrieb seien einfache Lösungen. Schwieriger wird es für manche KMUs, wenn sie „einen tieferen Blick ins Geschäftsmodell werfen“, meint Johannes Naimer-Stach. Er hat die Klimaschutzakademie mitgegründet, die persönliche Beratung und Online-Kurse für KMUs anbietet. „Ehrlicherweise muss man sagen, dass es Geschäftsmodelle gibt, die nicht klimafit gemacht werden können.“ In den meisten Fällen sei eine schrittweise Veränderung aber möglich.

Marathon statt Sprint

Naimer-Stach rät Unternehmen generell, den Weg Richtung Klimaneutralität als Marathon und nicht als Sprint zu begreifen. „Viele Unternehmen schreiben voreilig ‚klimaneutral‘ auf ihre Produkte, das ist aber oftmals nur Marketing. Wenn man dann hinter die Fassade schaut, merkt man, dass nur selektive Punkte adressiert wurden.

“Die Verantwortung von Unternehmen, auch von KMUs, gehe so weit, dass man die gesamte Wertschöpfungskette betrachten müsse: Zulieferer, Logistik, Recyclierbarkeit etc. Vor allem aber sei es wichtig, sich möglichst rasch mit dem Thema Klimaschutz zu beschäftigen: „2030 sollen die Treibhausgasemissionen auf EU-Ebene um 55 Prozent reduziert sein. Das ist schon in 7,5 Jahren. Unternehmen, die sich nicht in den nächsten drei Jahren darauf vorbereiten, gibt es bald nicht mehr.“

Kurier

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