Gas-Abhängigkeit: Effizienz steigern und substituieren

25. April 2022, Wien
Christian Helmenstein
 - Wien, APA/ROLAND SCHLAGER

Österreich und seine Industrie sind deutlich abhängiger von russischem Erdgas als andere EU-Staaten. Trotzdem halten es Vertreter der Industriellenvereinigung für möglich, binnen einiger Jahre unabhängig vom Gas aus Moskau zu werden. Dazu müssten die Industriebetriebe aber mit Gaspreisen in der aktuellen Höhe wirtschaften können, wurde betont. Das werde aber eine „große Herausforderung“. Die EU will bis 2027 vom russischen Gas loskommen.

Die heimische Industrie ist vom russischen Erdgas allerdings vier bis fünf Mal abhängiger als die Wettbewerber in Italien oder Frankreich, erläuterte IV-Chefökonom Christian Helmenstein am Dienstag. Das sei trotz hoher Energieeffizienz auch auf die Branchenstruktur mit einer funktionierenden Stahlindustrie zurückzuführen. Bezogen auf ein Embargo russischen Gases herrsche in Ländern wie Italien oder Frankreich daher relative Entspannung, „während in Österreich die Lichter ausgehen würden“.

„Die Substitution russischen Erdgases wird eine große Herausforderung – wir wissen was technisch möglich ist“, sagte IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Zwar würden LNG-Terminals gebaut, aber LNG sei teuer und nicht umweltfreundlich. Zudem fehle es vor allem an der Leitungsinfrastruktur, um LNG-Gas zu verteilen. „Das wird keine kurzfristige Alternative sein.“ Leitungsflüsse im Pipelinesystem seien auch nicht einfach umdrehbar, daher sei ein debattiertes europäisches Solidaritätsmodell in der Gasverteilung praktisch nicht darstellbar.

Helmenstein wartete aber immerhin einen kleinen „positiven Eindruck“ auf. Zwar seien die Gaspreise mit derzeit 80 bis 100 Euro pro Megawattstunde sehr hoch, aber auch erneuerbares Gas werde in einer Bandbreite von 80 bis 120 Euro verfügbar werden. Wenn man also im aktuell „extremen Preisdruck“ wettbewerbsfähig sei, dann sei dies auch mit genügend erneuerbarem Gas auf dieser Preisbasis „2025, 2027 oder 2030“ möglich – und natürlich vielen vielen Maßnahmen zur Energieeffizienz, „um mit diesem Preis leben zu können, der eine extreme Herausforderung darstellt“.

Alleine mit Biogas könnte in Österreich ein Fünftel (2 Mrd. Kubikmeter) der russischen Gasimporte gedeckt werden, so Helmenstein. Würden Tierkörper technologisch neu verwertet, könne noch mehr Biogas erzeugt werden. Auch mit Hochtemperatur-Wärmepumpen könne Industriedampf erzeugt werden. Wasserstofftechnik müsse vorangetrieben werden. „Alles in allem braucht es eine wesentliche Reduktion und eine Substitution auf der Angebotsseite.“

Aufgrund der schwierigen Lage dürfe es nicht zu weiteren Belastungen für die Unternehmen kommen, forderte Neumayer von der türkisschwarz-grünen Bundesregierung. Eine Novelle der Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) und das EEG müssten als Chance für den Klimaschutz und die geplanten Zielerrichtungen gestaltet werden, „bisherige Überlegungen im Klimaschutzministerium (von Leonore Gewessler, Grüne, Anm.) gehen aber nicht in diese Richtung“.

APA

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