Tirol legt Schwerpunkt auf Wasserkraft und PV-Anlagen

26. April 2022, Innsbruck/Kaunertal
PV soll forciert werden
 - Stuttgart, APA/dpa

Die schwarz-grüne Tiroler Landesregierung hat am Dienstag das erste Maßnahmenpaket zur Umsetzung ihrer Nachhaltigkeits- und Klimastrategie vorgelegt. Die gesamte Strategie soll bis 2030 umgesetzt werden. LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) und Wirtschaftslandesrat Toni Mattle (ÖVP) betonten bei einer Pressekonferenz, dass der Ausbau von Wasserkraft und Fotovoltaikanlagen unabdingbar für die Erreichung der gesetzten Ziele sei – Tirol will immerhin bis 2050 energieautonom sein.

„Wir brauchen 2.800 Gigawattstunden zusätzlich“, benannte Mattle die Notwendigkeiten in puncto Wasserkraft. Bei den Fotovoltaik-Anlagen benötige es weitere 3.300 Gigawattstunden. „Wenn wir das nicht schaffen, werden wir nie energieautonom sein“, verdeutlichte er die Herausforderung.

Der Bau von Wasserkraftwerken war in Tirol aber stets von innerkoalitionärem Gezerre in der Landesregierung geprägt. Vor allem der geplante Bau des Kraftwerks im Kaunertal, der von Umweltorganisationen scharf kritisiert wird, stand dabei im Fokus. Die Pläne für das Pumpspeicherkraftwerk wurden 2009 erstmals eingereicht und befinden sich nun im laufenden UVP-Verfahren.

Im nun vorgelegten Maßnahmenprogramm stehe nicht geschrieben, „dass das Kraftwerk Kaunertal gebaut werden muss. Aber die Leistung, die das Kraftwerk erbringen würde, steht drin“, sagte Felipe dazu. „Wenn wir die Energiewende schaffen wollen, brauchen wir die Wasserkraft. Aber der Ausbau muss ökologisch sein“, gab die grüne Frontfrau ihre Stoßrichtung vor. „Dass die Grünen dem Kraftwerk Kaunertal und damit der Flutung des Platzertales und der Überleitung der Ötztaler Gewässer kritisch bis ablehnend gegenüber stehen, ist kein Geheimnis“, hielt sie fest.

Mattle wollte eine Unterstützung des Koalitionspartners für das Kraftwerk nicht zur Bedingung machen. „Kernthema für mich ist, dass wir 2.800 Gigawattstunden elektrische Energie aus Wasserkraft erreichen. Ob es das Kaunertal ist oder eine Strecke am Inn, das wird sich zeigen“, zeigte er sich diplomatisch.

Die 191 nun vorgestellten Maßnahmen beschäftigen sich mit sieben Handlungsfeldern – von der Energieversorgung über den Lebensstil der Gesellschaft bis zu Mobilität und Infrastruktur. Vor allem neu geschaffene Beratungsangebote wurden von den beiden Politikern am Dienstag hervorgehoben.

So soll etwa eine Anlauf- und Beratungsstelle bezüglich PV-Anlagen für Private eingerichtet werden, Unternehmen wiederum sollen beim Thema Dekarbonisierung unterstützt werden. Zudem soll die Bio-Landwirtschaft stärker gefördert werden, in den landeseigenen Großküchen soll bis 2030 der Anteil der Bio-Produkte auf 55 Prozent steigen, kündigte Felipe an. Mattle verwies auf Potenzial, das die Bewusstseinsbildung und Vermittlung von Fördermöglichkeiten mit sich bringe. Viele Menschen würden beispielsweise nicht wissen, dass Sanierungsförderungen einkommensunabhängig oder auch nur für Teilsanierungen ausbezahlt würden.

Der Ausbau von Windkraft spielt in Tirol nur eine kleine Rolle. Im Maßnahmenprogramm steht dazu nur allgemein: „Strom aus Windkraft und Sonne wird zunehmen an Bedeutung gewinnen und erhebliche Anteile im Strommix abbilden“. LHStv. Josef Geisler (ÖVP) meinte dazu zuletzt zur APA, dass das Windenergiepotenzial im Bundesland nur mit 250 Gigawattstunden veranschlagt sei und die topografischen Verhältnisse für diese Energiequelle „ungünstig“ seien.

Der Obmann des Transitforums Austria-Tirol, Fritz Gurgiser, hoffte, dass die Klimastrategie Tirols „aktiv unverzüglich“ angegangen werde. Es gelte nur mehr die Formel „Handeln statt Schwadronieren“, sagte er. Eine Minderheit würde „im Überfluss in einer Wegwerfgesellschaft“ leben, während eine „Mehrheit weltweit dafür sündteuer durch Land- und Rohstoffraub, durch Sklaventum und Flucht bis hin zu brutalen Bürgerkriegen, Flüchtlingslagern und Tod bezahlt“, hielt er fest.

APA

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