Gazprom stellt Gaslieferungen nach Polen und Bulgarien ein

27. April 2022, Warschau/Moskau/Wien
Gazprom stoppt Lieferungen nach Bulgarien
 - Gelsenkirchen, APA/AFP

Der russische Staatskonzern Gazprom stoppt ab dem heutigen Mittwoch alle Gaslieferungen nach Bulgarien. Das bulgarische Gasunternehmen Bulgargas sei am Dienstag darüber informiert worden, dass Gazprom die Erdgaslieferungen ab dem 27. April aussetzen werde, teilte das Wirtschaftsministerium in Sofia mit. Zuvor hatte bereits Polen den von Gazprom verkündeten Stopp russischer Gaslieferungen über die Jamal-Pipeline gemeldet.

Ab Mittwochfrüh, 8.00 Uhr, werde das Gas nicht mehr durch die Jamal-Pipeline nach Polen fließen, sagte Klimaministerin Anna Moskwa. „Wir sind auf eine vollständige Einstellung der russischen Rohstofflieferungen vorbereitet“. Seit den ersten Tagen des Ukraine-Krieges habe ihr Land erklärt, dass es bereit sei für eine vollständige Unabhängigkeit von russischen Rohstoffen. Nach Deutschland fließt über die Jamal-Pipeline meistens kein Gas aus Russland.

„Die bulgarische Seite hat ihre Verpflichtungen vollständig eingehalten und alle Zahlungen gemäß seines aktuellen Vertrags fristgerecht vorgenommen“, betonte das Ministerium in Sofia. Bulgarien ist stark von russischem Gas abhängig.

Nach der Einführung der westlichen Sanktionen wegen des Ukraine-Krieges hatte Russland die EU-Mitgliedstaaten aufgefordert, ihre Gas-Rechnungen in Rubel zu bezahlen. Westliche Staaten wiesen die Forderung zurück und pochten auf die Einhaltung der Verträge mit Russland, die Zahlungen für die russischen Gaslieferungen ausschließlich in Euro oder Dollar vorsehen.

Der staatliche russische Gaskonzern Gazprom hat Berichte über einen angeblichen Gaslieferstopp von russischem Erdgas nach Polen nicht bestätigt, erklärte der Sprecher des Unternehmens, Sergej Kuprijanow, laut TASS in Moskau. Dessen ungeachtet erklärte der polnische Gaskonzern PGNiG, Russland werde alle Gaslieferungen an Polen einstellen.

Ab Mittwoch sollen keine Lieferungen an Polen mehr erfolgen, teilte der polnische Erdgaskonzern PGNiG am Dienstagabend in Warschau mit. Man sei durch den russischen Erdgaskonzern Gazprom informiert worden.

Polen will Erdgas nicht wie von Russland gefordert in Rubel bezahlen. PGNiG sieht in der Entscheidung einen Bruch bestehender Verträge. Man wolle Schadenersatz wegen Vertragsbruch fordern.

Gazprom hatte betont, dass Polen mit dem heutigen Tag verpflichtet sei, für die Gaslieferungen gemäß dem neuen Zahlungsverfahren zu zahlen. Der Sender Polsat und die Web-Seite Onet.pl hatten berichtet, die Gasversorgung Polens über die Jamal-Pipeline sei gestoppt worden.

Onet.pl schrieb, der Schritt könnte eine Reaktion Moskaus auf die Weigerung Polens sein, den jüngsten Forderungen Russlands nachzukommen, das Erdgas in Rubel, zu bezahlen. In Warschau sei im Ministerium für Klimaangelegenheiten ein Krisenstab eingerichtet worden.

Ein Wiener Gasexperte erklärte am Dienstagabend zur APA, über die Jamal-Gaspipeline, die Polen mit russischem Gas versorgt, sei bereits in den letzten Wochen und Monaten immer wieder weniger Erdgas angekommen. „Die Jamal war immer wieder einmal unterbrochen oder auf Null gesetzt, weil weniger Gas nominiert wurde“, also von Kunden weniger für den Transport angemeldet worden ist.

Auch in der Vergangenheit habe das immer wieder zu Aufregung geführt, letztlich hätten sich die Schwankungen aber als marktgetrieben herausgestellt, so der Fachmann. Auch er habe heute von den neuen Medienberichten gehört, wonach es weniger Gas in Polen gebe oder die Gasflüsse dorthin unterbrochen seien. Im Gegenteil: Auf der Homepage der Vereinigung der europäischen Gasfernleitungsbetreiber ENTSO-G seien Gasflüsse über die Jamal noch für den heutigen Tag um 16 Uhr ersichtlich.

Für Österreichs Gasversorgung habe die Jamal (Yamal) keine vorrangige Bedeutung, weil unser Land nicht über Polen, sondern eine südlicher, über die Ukraine verlaufende Gasleitung versorgt werde, so der Experte.

APA/AFP/TASS/Reuters/dpa

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