Porr-Chef wünscht sich wegen Gaskrise ein Energieministerium

28. April 2022, Wien
Porr kämpft sich durch die Krise
 - Wien, APA/THEMENBILD

Der CEO des Baukonzerns Porr hat bei der heutigen Bilanzvorlage einen Gewinn für 2021 präsentiert. Angesichts der sich verschärfenden Gaskrise im Zuge des Ukraine-Kriegs übte Karl-Heinz Strauss auch unverhohlen Kritik an der Bundesregierung. Er machte seinem Ärger über „sinnentleerte Beteuerungen“ à la „Es wird schon gutgehen“ Luft. Das Thema verlange nach einem „fachkompetenten Energieministerium“. Österreich deckt 80 Prozent seines Gasbedarfs mit Lieferungen aus Russland.

Die „Versäumnisse aus der Vergangenheit“ seien auf eine breitere Basis zu stellen. „Irgendwelche Beteuerungen – ‚Es wird schon gutgehen‘ – das ist zu wenig“, bekräftigte der Konzernchef. „Wir sind mit Dingen konfrontiert, die wir nicht gewohnt sind.“ Es sei sein „Wunsch an die Regierung, sich nicht hinter politischen Positionen von vor 100 Jahren zu verstecken“. Es müsse kein eigenes Energieministerium sein, ruderte Strauss auf Nachfrage von Journalisten dann etwas zurück. Es habe sich aber gezeigt, dass bei dem Energiethema „eindeutig die Kompetenz fehlt“. „In dieser Energiekrise muss sich einer ausschließlich damit beschäftigten“, meinte Strauss. „Energie gehört momentan zentral gemanagt“, so der CEO.

„Ich glaube, es ist vielen nicht bewusst, was es bedeutet, wenn das Gas weg ist“, fügte er hinzu. Davon wäre nicht nur die Industrie betroffen, sondern auch die Haushalte, die ihr Gas zum Heizen und Kochen noch bekommen. „Innerhalb von 24 bis 36 Stunden haben Sie keine Milch mehr“, illustrierte Strauss ein mögliches Szenario. „Man kann nicht einfach sagen, man gibt der Industrie kein Gas mehr und kann zuhause sitzen, weil dann haben wir soziale Unruhen und ein Blackout.“

Trotz aller Turbulenzen im wirtschaftlichen Umfeld – zur Energiekrise hinzu kommen extrem steigende Baupreise, coronakrisenbedingte Unterbrechungen der Lieferketten und somit Beschaffungsprobleme in der Branche – ist Strauss für seinen Konzern, zumindest für 2022, zuversichtlich. Anlass dazu gibt nicht zuletzt die gute Auftragslage. Die Orderbücher waren 2021 mit einem Bestand von fast 7,8 Mrd. Euro voll – ein Zuwachs von 9,9 Prozent gegenüber dem ersten Coronajahr 2020. Der Auftragseingang legte um 8,6 Prozent auf 6,4 Mrd. Euro zu. „Wir werden auch diese unsicheren Zeiten gut über die Runden bringen“, sagte Strauss.

Ungeachtet der Lieferengpässe und Kostensteigerungen, die zum Teil an die Kunden weitergegeben werden konnten, arbeitete sich die Porr im abgelaufenen Geschäftsjahr aus der Verlustzone und schloss 2021 mit einem Konzerngewinn von 61,4 Mio. Euro ab. 2020 hatte noch ein Verlust von 42,4 Mio. Euro zu Buche gestanden. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) wurde von minus 37,2 Mio. Euro auf plus 95,2 Mio. Euro gedreht. Der Umsatz stieg um 11,5 Prozent auf 5,17 Mrd. Euro, die Produktionsleistung um 10,5 Prozent auf 5,7 Mrd. Euro. Den Aktionären winkt nun eine Dividende in Höhe von 50 Cent je Anteilsschein. Die Porr beschäftigte im vergangenen Jahr im Schnitt 20.177 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das war in etwa so viel wie 2020 (20.193).

In den präsentierten Gewinn ist die saftige Kartellstrafe in Höhe von 62,35 Mio. Euro bereits eingearbeitet, die der Porr wegen illegaler Preisabsprachen aufgebrummt wurde. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) hatte das Unternehmen beim Kartellgericht angezeigt. Das Baukartell flog 2017 auf. „Das Kartell bestand beginnend mit 1992 bis 2010 hinein, was aber für uns erledigt ist und wir haben unsere Strafe dafür bezahlt“, so Strauss. Die neuen Governance-Vorgaben des Konzerns seien mittlerweile „in den Köpfen der Mitarbeiter“, sagte der Konzernchef und verwies unter anderem auf „über 40.000 Schulungen“. „Wir haben seit 2017 wirklich viel gemacht.“

APA

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