Nicht-staatliche China-Raffinieren kaufen mehr russisches Öl

4. Mai 2022, Wien/Peking/Moskau

Unabhängige Raffinerien in China haben diskret damit begonnen, russisches Öl mit hohen Rabatten zu kaufen, berichtet die „Financial Times“. Staatliche chinesische Rohstoffunternehmen würden aufgrund von Sanktionssorgen davor zurückschrecken, während westliche Länder ihre Käufe zunehmend aussetzen. Die USA und das UK sanktionieren russisches Öl bereits. Die EU arbeitet daran.

Ein Vertreter einer in Shangdong ansässigen nicht-staatlichen Raffinerie sagte, man habe seit Beginn des Ukraine-Krieges keine Geschäfte mit russischen Öllieferanten öffentlich gemeldet, heißt es in dem Bericht vom gestrigen Dienstag. So wolle man vermeiden, dass die Käufe überprüft und von US-Sanktionen getroffen würden. Zudem habe die Raffinerie einen Teil der Kaufquote für russisches Rohöl von staatlichen Rohstoffhandelsunternehmen übernommen, die sich größtenteils geweigert hätten, neue Lieferverträge zu unterzeichnen.

Die Käufe von Chinas nicht-staatlichen Raffinerien zeigen laut „FT“, wie einige Importeure traditionelle Wege umgehen, um an billiges russisches Öl zu gelangen. Gleichzeitig helfe dies Peking, sich zurückzuhalten, während der Westen Moskau mit immer neuen Sanktionen belegt. Auch Verschiffungsaktivitäten aus Europa heraus würden zeigen, dass China seine Käufe dezent steigere. Selbiges gelte für Indien. Die Zeitung schreibt von sechs Tankern mit einer Kapazität von jeweils 2 Mio. Barrel Ural-Rohöl. Manche dieser Fässer dürften auch aus Kasachstan stammen, heißt es.

Brian Gallagher, Leiter der Investor Relations bei der belgischen Tankergruppe Euronav, sagte, die Konsolidierung von russischem Öl auf größeren Schiffen für den Transport nach Asien sei „ungewöhnlich“. Der Ural-Preis liege aber um 35 Dollar pro Barrel unter dem Preis von Brent-Rohöl. Das dürfte zum Kauf motivieren.

Die USA und Großbritannien sanktionieren russisches Öl bereits. Für die EU liegt ein Entwurf für ein Aus von Ölimporten aus Russland seitens der EU-Kommission seit heute vor. Man wolle russische Rohöllieferungen innerhalb von sechs Monaten und den Import raffinierter Erzeugnisse bis Ende des Jahres auslaufen lassen, so Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Österreich will diese neue Sanktion mittragen. Die besonders von russischem Öl abhängigen Staaten wie Ungarn oder die Slowakei sollen eine längere Übergangsfrist bekommen. Angeblich drängen auch Tschechien und Bulgarien auf Ausnahmen.

APA

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