Energiekrise beschleunigt Wasserstoffnutzung

30. Mai 2022, Davos

Die Energiekrise infolge des Ukraine-Kriegs dürfte die Verwendung von Wasserstoff als Energieträger antreiben. „Bei der aktuellen Energiekrise hilft Wasserstoff Europa nicht – mittel- und langfristig aber sehen wir eher noch mehr Momentum für Wasserstoffnutzung“, sagte Experte Bernd Heid von der Unternehmensberatung McKinsey in Davos zur dpa. „Die wird schon deshalb schneller kommen, weil konventionelle Energie wie Öl und Gas verknappt und dadurch teurer wird.“

Viele Unternehmen, die sich mit Wasserstoff beschäftigen, in Österreich sind das etwa Verbund und voestalpine, wollten trotz einer Goldgräberstimmung mit Investitionen erst einmal abwarten, bis der Markt rund um das Gas abhebt. Unternehmen würden wie beim Marathonlauf einen langen Atem brauchen – „aber loslaufen sollte man jetzt schon.“ Es formten sich jetzt kritische Ökosysteme. „Wer zu spät kommt, kann nicht mehr dazustoßen.“

Deutschland sucht wegen des Ukraine-Kriegs händeringend nach Möglichkeiten, die Abhängigkeit von russischem Gas und Öl als Energieträger zu senken.

Wegen der klimaschädlichen Wirkung von Kohlenstoffdioxid (CO2) sollen fossile Energieträger in der EU künftig nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, Wind und Solarkraft werden daher wichtiger. „Solarkraft gibt es vorwiegend im Nahen Osten, in Nordafrika, aber unter anderem auch in Australien, Südamerika und im Süden Afrikas. Europa wird ein Nettoimporteur von sauberer Energie werden“, sagte Heid. Dabei komme Wasserstoff als Energieträger zum Einsatz, weil lange Stromkabelverbindungen teuer und wenig effizient seien.

Vor allem in schwierig zu dekarbonisierenden Schwerindustrie-Sektoren wie Stahl- und Zementproduktion sowie im Schwertransport reiche Elektrifizierung allein nicht aus, um das Ziel einer klimaneutralen Gesellschaft zu erreichen, meint der Experte. „Einen Supermarkt in 250 Kilometer Entfernung kann man locker mit Elektro-Lkw beliefern“, sagte Heid. „Aber Tomaten von Spanien nach Hamburg zu bringen – da macht es aus physikalischen und ökonomischen Gesichtspunkten keinen Sinn, schwere Batterien über weite Distanzen zu fahren.“

APA/dpa

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