Neues Verfahren erzeugt Biogas aus Restmüll

3. Juni 2022, Wien
Ertrag ist noch nicht so hoch, wie bei reinem Biomüll
 - Wien, APA/GEORG HOCHMUTH/THEMENBILD

Die brasilianische Forscherin Alice do Carmo Precci Lopes hat ein neues Verfahren entwickelt, um schlecht brennbaren, organischen Müll vom Restmüll zu trennen um daraus Biomethan zu erzeugen. Der Ertrag sei noch nicht so hoch, wie bei reinem Biomüll. Aber er könne höher sein, als bei bisherigen Trockenverfahren. Plastik und Schadstoffe kann das Verfahren aber noch nicht filtern.

Generell beinhalte Hausmüll etwa ein Drittel organischen Müll. Dieser müsse aber zunächst herausgefiltert werden. „Bei anderen Verfahren, die ebenfalls Biogas aus Restmüll gewinnen, wird der Biomüll mechanisch herausgesiebt und trocken vergärt“ erklärte Lopes, die das System der Kreislaufwirtschaft an der Universität Innsbruck präsentierte. Für Ihre Arbeit erhielt sie den Hans-Roth-Umweltpreis 2021.

Dafür wandte Lopes das „Hydrozyklon“-Verfahren ihres Kollegen Thomas Senfter an. Zuerst wurde der Restmüll stark zerkleinert. Verwässert wurde die Masse dann durch eine Art Zentrifuge geleitet. Dadurch wurden unbrauchbare Stoffe wie Glas und Metalle weggeschleudert. Der übrige Biomüll wurde gemeinsam mit Klärschlamm in Faultürmen vergoren. Dadurch entstand Biomethan.

Doch es gibt ein Problem: Plastik könne in der Zentrifuge nur schwer abgesondert werden, so Lopes. Auch Giftstoffe, die etwa durch Medikamente oder Batterien im Hausmüll landen, seien im Klärschlamm noch enthalten. Diese seien aber im Klärschlamm von Bioabfällen ebenfalls vorhanden. Wenn der getrocknete Schlamm dann auf Feldern entsorgt werde, könnten Giftstoffe und Mikroplastiken in den Boden sickern und ins (Grund)Wasser gelangen.

In Teilen Deutschlands gibt es bereits strenge Regelungen zur Ausfuhr von Klärschlamm auf Felder, um heimische Böden zu schützen. In Österreich ist dieses Problem ebenfalls bekannt: Die Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) sah im „Aktionsplan Mikroplastik“ Regelungen für die Ausfuhr von Klärschlamm vor.

Auch die Energiebilanz des Verfahrens ist noch ausbaufähig. Zum Vergleich: „1 Tonne trocken aufbereiteter Restabfall produziert ca. 150 Kubikmeter Biomethan. Für Bioabfall liegt dieser Wert bei ca. 450-500 Kubikmetern Biomethan“, schätzt Lopes. Bei Biogas aus Restabfall liege der Wert bei etwa einem Drittel des Gasgewinns aus Biomüll, da dieser qualitativ hochwertiger sei.

Generell hält Lopes das Verfahren aber für eine gute Idee: „Der Hydrozyklon hat viel Potenzial und wird bereits in der Praxis eingesetzt, etwa in Schottland“. Auch in Innsbruck könne das Verfahren zur Senkung der Emissionen beitragen – derzeit werde von dort aus der Hausmüll in eine 300 Kilometer entfernte Verbrennungsanlage transportiert.

In Zukunft sei mehr Forschung über Schadstoffe und deren Auswirkung auf Abwasser notwendig. „Am besten wäre natürlich, wenn Schadstoffe nicht erst in den Hausmüll gelangen würden“, so Lopes. Eine funktionierende Abfalltrennung könne hier Abhilfe schaffen.

APA

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