Deutschland erwägt Einstieg in Stromnetz-Gesellschaft

8. Juni 2022, Frankfurt/Berlin
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Die deutsche Bundesregierung erwägt nach Angaben aus Branchenkreisen einen Einstieg bei der Stromnetz-Tochter des Versorgers EnBW. Vor dem Hintergrund der Energiewende habe das deutsche Wirtschafts- und Klimaministerium grundsätzlich Interesse an einer Beteiligung an TransnetBW, sagten mehrere mit den entsprechenden Gesprächen Vertraute am Dienstag Reuters. Dies könne über die Staatsbank KfW umgesetzt werden, wenn auch das Finanzministerium dies unterstütze.

Das FDP-geführte Ministerium sei eher zurückhaltend. Wirtschafts- und Finanzministerium wechseln sich im Vorsitz des KfW-Verwaltungsrats ab und treffen so die wesentlichen Entscheidungen. Die Überlegungen befinden sich den Angaben zufolge in einem frühen Stadium. Noch gebe es keine Entscheidungen.

Das deutsche Wirtschaftsministerium wollte sich zu einem Interesse nicht äußern. Man habe aber zur Kenntnis genommen, dass TransnetBW eine mögliche Kapitalpartnerschaft prüfe. Das Finanzministerium und die KfW lehnten ebenfalls eine Stellungnahme ab. Die TransnetBW Mutter-Gesellschaft EnBW hatte im Februar erklärt, den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung bis zu 49,9 Prozent an der Tochter zu prüfen. Man suche einen langfristigen Partner. Der Konzern erklärte auf Anfrage, man habe in den letzten Wochen bereits zahlreiche Anfragen gehabt. In den kommenden Wochen sollten die ersten konkreteren Gespräche geführt werden. Zu Überlegungen der KfW-Bank könne man sich jedoch nicht äußern. „Grundsätzlich könnte die KfW aber – wie viele andere Investoren auch – ein möglicher Finanzpartner bei der Transaktion sein.“ In den Branchenkreisen hieß es, die KfW sei an einem geringeren Anteil als den zum Verkauf stehenden 49,9 Prozent interessiert.

TransnetBW ist einer der vier Übertragungsnetz-Betreiber in Deutschland. An der ostdeutschen 50Hertz hat der Bund über die KfW bereits eine Beteiligung von 20 Prozent. Diese hatte der Bund 2018 von der belgischen Muttergesellschaft Elia erworben, nachdem auch eine chinesische Gesellschaft Interesse gezeigt hatte.

Der Ausbau der Stromnetze in Deutschland und generell in Europa gilt als kritischer Punkt bei der Umstellung auf Erneuerbare Energien. Er verlangt hohe Investitionen und hinkt den Planungen weit hinterher. Wegen der zentralen Bedeutung der Netze hatte es schon vor Jahren Diskussionen über eine deutsche Netzgesellschaft gegeben, die jedoch nicht umgesetzt wurde.

APA/ag

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