„Österreich wird immer auf Import angewiesen sein“

8. Juni 2022, Innsbruck

Markus Mitteregger, Vorstand der RAG Austria AG, sagte in „Tirol Live“, Österreich werde immer auf die Einfuhr von Energie angewiesen sein.

Die Zeit der günstigen Energiepreise sei künftig vorbei, sagt Markus Mitteregger, Vorstand der RAG Austria AG. Denn wenn wegen der Energiewende nicht mehr auf Kohle, Öl und Gas zurückgegriffen werde, müsse Energie -Sonnen-oder Windenergie oder Brennstoffe aus grünem Wasserstoff -hergestellt werden. Die RAG Austria AG selbst hat bereits ein Pilotprojekt gestartet. Sonnenenergie soll saisonal in Form von Wasserstoff gespeichert werden. Das Projekt mit dem klingenden Namen „Underground Sun Storage 2030“ wandelt also erneuerbare Sonnenenergie klimaneutral mittels Elektrolyse in grünen Wasserstoff um. Die Forschungen dazu finden an einer kleinen ehemaligen Erdgaslagerstätte in der Gemeinde Gampern in Oberösterreich statt, berichtet Mitteregger in „Tirol Live“.

Für Mitteregger besonders positiv: Ein Wasserstoffanteil von bis zu 20 Prozent könne in Erdgaslagerstätten sehr gut gespeichert werden. Damit eigne sich besonders Wasserstoff als Ersatz für fossiles Erdgas und könne deshalb direkt in energieintensiver Industrie verwendet werden. Es sei zudem davon auszugehen, dass Leistungsunterdeckung nicht immer problemlos durch Importe gedeckt werden könnte, daher müsse Energie in großem Ausmaß im Sommer gespeichert werden, um im Winter zur Verfügung zu stehen. Zur raschen und realistischen Umstellung auf eine klimaneutrale Energieversorgung brauche es also die Umwandlung von überschüssigem Sonnen-und Windstrom in speicherbare gasförmige Energieträger wie Wasserstoff.

Am Donnerstag hat die Bundesregierung ihre Wasserstoff-Strategie vorgestellt. Klimaministerin Leonore Gewessler (Grüne) bezeichnete Wasserstoff als „alternativlos“ für die Energiewende. Grüner Wasserstoff soll für die Klimafitness aus Ökostrom hergestellt werden. Obwohl die dafür nötigen Elektrolyse-Anlagen enorme Mengen an Strom verbrauchen, sollen bis 2030 Anlagen mit einer Leistung von einem Gigawatt entstehen und damit vier Terawattstunden Erdgas ersetzen, so das Ziel der Bundesregierung. Das sei ein machbares Ziel, sagt Mitteregger. Trotzdem werde es schwierig für Österreich, selbst genug erneuerbare Energie für die Klimaneutralität zu erzeugen. „Österreich wird immer auf Import angewiesen sein.“ Dementsprechend wichtig sei die Speicherung, so Mitteregger, der ja mit der RAG Austria dem viertgrößten Speicherbetreiber Österreichs vorsteht. Man könne es sich in Zukunft nicht mehr leisten, überschüssige Energie im Sommer wegzuschmeißen. (TT)

Tiroler Tageszeitung

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