Fernwärme bleibt ein Hoffnungsträger

13. Juni 2022

Für die Erzeugung kommt jedoch noch viel Erdgas zum Einsatz. Die Regierung plant eine Einmalzahlung im Sommer.

Eine Fernwärmeheizung erschien als Heilsbringer für viele, die angesichts der steigenden Gaspreise ihre Gasheizung loswerden wollten. Doch die Beinahe-Verdoppelung des Fernwärme-Preises in Wien könnte dieser Hoffnung einen Dämpfer verpassen.

Die meisten Haushalte in Österreich haben eine Fernwärme-Heizung. Laut Statistik Austria heizen von knapp vier Millionen Haushalten 1,2 Millionen mit Fernwärme, 910.000 mit Erdgas und 509.000 mit Heizöl. Durch das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz sollte der Fernwärmeausbau einen „Turbo“ erleben. Fernwärme sei klimafreundlicher als fossile Heizungen aus Öl und Gas, so das Energieministerium. Die Regierung stellte im Vorjahr 100 Millionen Euro für den Ausbau zur Verfügung, mehr als 160 Projekte waren in den Startlöchern. Anfang April wurden die Fördersätze für moderne Heizungen und thermische Sanierung von Gebäuden angehoben, bis 2025 stehen hier 1,9 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Förderung kann bis zur Hälfte die Kosten decken. Zudem können Kesseltausch und thermische Sanierung über fünf Jahre verteilt von der Steuer abgeschrieben werden.

„Fernwärme ist nur dann erneuerbar, wenn auf Basis von Erneuerbaren, wie etwa Geothermie oder Biomasse, Wärme fließt“, sagt Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin der Interessensvertretung Erneuerbare Energien. Das trifft auf Wien nicht zu, wo zur Fernwärmeerzeugung bis zu 75 Prozent Erdgas zum Einsatz kommen und der Rest aus der Müllverbrennung. Auch in St. Pölten wird die Fernwärme nicht aus erneuerbaren Quellen gewonnen, wie Global 2000 unlängst kritisierte, sondern mit Erdgas und der Müllverbrennungsanlage Dürnrohr.

Demokratisierung der Energieversorgung

Wird der Fernwärme-Ausbau nun ins Stocken geraten, zumal auch die Energieunternehmen in den Bundesländern Preiserhöhungen vorgenommen haben? In Wien sei bei Kunden „möglicherweise das Vertrauen erschüttert“, so Prechtl-Grundnig. Das müsse aber nicht so bleiben, erklärt sie. Bei der Dekarbonisierung der Wärme sei es, gleich wie bei Strom, wichtig, „die Kunden einzubinden und zu aktiven und informierten Energiekonsumenten zu machen“. Die Energiegemeinschaften, die bei der Stromversorgung gegründet werden, könnten auch für die Wärme ein Modell werden, schlägt sie vor. Bei Investitionen in Fernwärme sollen nicht unbedingt nur große Fernwärmenetze ausgebaut werden, sondern auch kleinere Versorgungseinheiten geschaffen werden, die dezentral mehrere Haushalte versorgen. In Wien seien auch vielversprechende Projekte zur Nutzung von Geothermie, die aus Erdwärmespeichern mittels Großwärmepumpen die Wärme ins Netz leitet, schon in Planung.

Einmalzahlungen gegen Teuerungen

Unterdessen steigt der Druck auf die Regierung, die Bevölkerung angesichts der Teuerungen finanziell zu entlasten. Nun soll es Maßnahmen, vor allem für Menschen mit wenig Einkommen, bereits im Sommer geben – und nicht erst im Herbst, wie zuletzt angekündigt. Wie die APA in Berufung auf Regierungskreise berichtete, befinden sich Teile des Anti-Teuerung-Pakets bereits in der Endphase. In den einzelnen Punkten hat sich nichts geändert: Als erste rasche Maßnahme sind Einmalzahlungen bei Sozialleistungen wie Familienbeihilfe, Sozialhilfe und Arbeitslosengeld angedacht. Diese bedürfen keines Gesetzesbeschlusses und können rasch umgesetzt werden.

Langfristige Änderungen wie etwa die jährliche Valorisierung von Sozialleistungen, die noch nicht jährlich der Inflation angepasst werden, sowie die Abschaffung der Kalten Progression sind komplexer und müssen in Gesetze gegossen und in Begutachtung geschickt werden. Sie können daher frühestens im Herbst umgesetzt werden, so der Bericht.

Die Regierung forciert den Umstieg von Gas- und Ölheizungen auf Fernwärme. Foto: apa / H. Fohringer

von Marijana Miljković

Wiener Zeitung

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