Mellach soll im Notfall wieder Kohle verbrennen

20. Juni 2022, Wien/Kiew (Kyjiw)/Moskau
In der Not setzt die Klimaschutz-Ministerin auf Kohle
 - Jakarta, APA/AFP

Dass das Verbund-Kraftwerk Mellach in der Steiermark wieder auf den Betrieb mit Steinkohle umgerüstet werden soll, um im Notfall für ausbleibende Gaslieferungen einspringen zu können, ist beschlossene Sache, wie Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) am Sonntag bekanntgeben hat. Die meisten Detailfragen sind aber noch ungeklärt – etwa jene nach den Kosten des Umbaus oder der gesetzlichen Grundlage für den politischen Auftrag an den börsennotierten Verbund-Konzern.

Obwohl die Umrüstung des Kraftwerks Mellach auf den Kohlebetrieb offenbar schon seit längerem im Gespräch war, wollen sich weder Gewesslers Energieministerium noch der teilstaatliche Verbund mit einer Schätzung der erwarteten Kosten aus dem Fenster lehnen.

Man sei gerade dabei die Details zu prüfen, sagte eine Verbund-Sprecherin am Montag auf APA-Anfrage. Neben dem technischen Aufwand werde man auch Mitarbeiter brauchen, die mit dem Betrieb eines Kohlekraftwerks vertraut sind – über diese Mitarbeiter verfüge man nach der Stilllegung im Frühjahr 2020 nicht mehr. Außerdem sei auch noch die Frage der Kohle-Beschaffung zu klären. Darüber hinaus brauche man für die Umsetzung des politischen Auftrags auch eine gesetzliche Grundlage.

Zwar ist die Höhe der Kosten noch nicht spruchreif, klar ist aber, wer sie tragen wird: „Für die Kosten der Ertüchtigung wird zur Gänze der Bundeshaushalt aufkommen“, heißt es dazu auf Anfrage aus Gewesslers Ministerium. „Die gesetzliche Grundlage dafür wird bis Mitte Juli geschaffen. Um die Kosten für die Bereithaltung zu tragen, gibt es mehrere Optionen. Sie sind derzeit Gegenstand von Gesprächen mit dem Verbund.“

Klar ist auch, das je nach Wirkungsgrad eines Kraftwerks beim Verbrennen von Kohle im Vergleich zu Gas bis zur doppelten Menge CO2 frei wird – darum soll das frühere und künftige Kohlekraftwerk Mellach auch nur im Notfall in Betrieb gehen. Was genau ein Notfall ist, ist laut Verbund-Sprecherin noch nicht definiert.

APA

Ähnliche Artikel weiterlesen

Kreml: Gekürzte Gaslieferungen nicht politisch motiviert

23. Juni 2022, Moskau

Deutschland ruft Gas-Alarmstufe aus – Österreich nicht

23. Juni 2022, Berlin
Habeck sieht "ökonomischen Angriff"
 - Berlin, APA/AFP

Uniper erhält weiter weniger russisches Gas

20. Juni 2022, Essen

Niederösterreich fordert Initiativen für Biogas-Ausbau

20. Juni 2022, Moskau/St. Pölten
NÖ-LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf
 - Wien, APA/HERBERT NEUBAUER