Deutsche Wirtschaft und Greenpeace befürworten Gasalarmstufe

23. Juni 2022, Berlin

Die Chemiebranche hält die von der deutschen Regierung ausgerufene Gas-Alarmstufe für richtig. Die Versorgungslage sei zunehmend ernst, sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands VCI, Wolfgang Große Entrup, am Donnerstag. „Die Bundesregierung agiert verantwortlich und geht schrittweise voran.“ Es müsse jetzt ein transparentes Verfahren entwickelt werden, um die Lasten, die nun zu erwarten seien, so gerecht und erträglich wie möglich auf alle Verbraucher zu verteilen.

Die Chemiebranche ist besonders stark abhängig von Gaslieferungen. Sollten diese abrupt fehlen, dürften viele Industrieprozesse nicht mehr funktionieren. Dann rechnen Experten mit einer Rezession in Deutschland.

„Zwar ist die Versorgung mit Gas kurzfristig noch gesichert, dennoch sind die Unternehmen über die Branchen hinweg in allerhöchster Sorge“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Peter Adrian. „Es muss jetzt bei den unvermeidbaren Kostenbelastungen ein fairer Ausgleich zwischen den Gasversorgern und den Gaskunden geschaffen werden. Sonst besteht die Gefahr, dass insbesondere Unternehmen in der energieintensiven Industrie ihre Produktion einstellen und in der Folge Insolvenzen drohen.“ In einer aktuellen DIHK-Umfrage bezeichneten neun von zehn Industriebetriebe die hohen Energiepreise als großes Geschäftsrisiko. „Zudem laufen immer mehr Verträge mit niedrigen Gaspreisen aus.“ Drei Viertel der Betriebe sähen sich gezwungen, die gestiegenen Kosten an ihre Kunden weiterzugeben.

Auch der Greenpeace-Energieexperte Gerald Neubauer sprach von einem richtigen Signal der Regierung. „Damit ein russischer Gaslieferstopp im kommenden Winter nicht zu einer Versorgungskrise führt, ist konsequentes Energiesparen jetzt das Gebot der Stunde.“ Der Staat dürfe allerdings fossiles Gas nicht länger subventionieren. „Die Übernahme gestiegener Energiepreise der Industrie durch den Staat, die Zuschüsse für den Einbau neuer Gasheizungen und die Förderung für Kraft-Wärme-Kopplung mit Gas unterlaufen die Absicht, weniger Gas zu verbrauchen. Robert Habeck muss diesen Unsinn sofort stoppen.“

DIHK-Präsident Adrian ergänzte, die Pläne der Bundesregierung, Gaseinsparungen in der Industrie zu belohnen, seien richtig. „Sie müssen nun aber rasch an den Start gehen. Außerdem sollte es den Unternehmen erlaubt werden, kurzfristig von Gas auf Heizöl oder Kohle umzusteigen.“ Dem stünden bisher noch umweltrechtliche Vorschriften im Weg.

APA/ag

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