Knill: Alles was den Gasverbrauch reduziert ist sinnvoll

23. Juni 2022, Wien/Kiew (Kyjiw)/Moskau
IV-Präsident Georg Knill
 - Wien, APA/GEORG HOCHMUTH

IV-Präsident Georg Knill plädiert für eine Reduktion des Gasverbrauchs. Alles was den Gasverbrauch reduziere, sei sinnvoll und notwendig „um in Summe die Wirtschaft am Leben zu halten“. Deshalb müsse Österreich „in den sauren Apfel beißen“ und das Kohlekraftwerk Mellach reaktivieren. Ähnlich sieht das der Präsident des Deutschen Industrieverbandes BDI, Siegfried Russwurm. Deshalb unterstütze der BDI auch die deutsche Regierungskampagne zum Sparen.

Allerdings setzt Russwurm nach: „Ob’s wirklich hilft? Meine Rede heißt, wer bei den Energiepreisen … nicht verstanden hat, dass Sparen angesagt ist, dem ist ja mit einer Kampagne auch nicht zu helfen.“

Knill sieht inzwischen einen besseren direkten Austausch mit der Regierung. Aber der Bedarf sei noch „extrem“: „Man kann nie genug kommunizieren“, so Knill. Mehr als 7.000 Betriebe in der Industrie seien stark abhängig von Gas und diese wollen wissen „was ist morgen die Situation“. Aus Sicht Knills macht das Deutschlands Wirtschaftsminister Robert Habeck besser: „So gesehen würden wir uns gerne mehr Habeck wünschen hier in Österreich“, also konkret ein Krisenmanagement das mehr Kommunikation beinhaltet, Pragmatismus und mehr Lösungsansätze.

Auch Russwurm findet, seine Regierung mache es „für die Rahmenbedingungen ganz gut“. Dafür lehnt er den Vergleich beim Abbau der Abhängigkeit von Gas zwischen Österreich und Deutschland ab, da dürfe man „nicht Äpfel mit Birnen vergleichen“ und solle „nicht mit Zahlen spielen“. Es gehe darum, im Gespräch zu bleiben und „möglichst die Katastrophe zu vermeiden.

Dafür findet Russwurm sehr klare Worte zu Putin. In Deutschland sei 50 Jahre lang argumentiert worden, dass Russland auch in den dunkelsten Tagen seine Gaslieferverpflichtungen einhalte. „Dieses Paradigma ist seit einer Woche genauso Geschichte wie die Tatsache, man kann ja miteinander reden. Putin hat sich so weit außerhalb aller Zivilisation gestellt, dass die alten Weisheiten nicht mehr gelten, auch die ‚die werden schon weiterliefern'“. Niemand wisse nun, wie weit Putin das Druckmittel Gas weiter einsetzen werde, aber es sei nun einmal ein Druckmittel. Einstweilen komme noch so viel Gas, dass auch die Speicher „ein bisschen“ weiter befüllt werden, aber die Einschränkung der Lieferungen sei deutlich zu sehen.

Die Trennung der Strompreiszonen zwischen Deutschland und Österreich vor vier Jahren führe auch jetzt noch dazu, dass der Strom in Österreich um 40 Euro je Megawattstunde (MWh) mehr koste, im Jahr koste das die österreichische Wirtschaft 2,2 Mrd. Euro zusätzlich, sagte Knill.

APA

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