Klimaanlagen bedrohen den Klimaschutz

28. Juni 2022

Analyse. Steigende Temperaturen machen Klimageräte weltweit zum Bestseller. Ihr Anteil am Stromverbrauch ist enorm, ihre Effizienz oft schlecht. Immerhin harmonieren sie gut mit Solarstrom

Die sommerliche Hitze weckt bei vielen Menschen das Bedürfnis, ihr Zuhause mithilfe einer Klimaanlage halbwegs kühl zu halten. Aufgrund der Erderwärmung steigt die Anzahl der Tage, an denen die Temperatur als unerträglich wahrgenommen wird. Immer mehr Menschen legen sich deshalb eine Klimaanlage zu. Dadurch steigt der Stromverbrauch. Im besten Fall wird er durch erneuerbare Energien gedeckt, aber das ist nicht überall der Fall.

Milliarden Anlagen

In Österreich hatten 2004 40.000 Haushalte ein Klimagerät. 2018 waren es laut dem Umweltbundesamt bereits 180.000 Privathaushalte. Auch im Gewerbe steigt die Verbreitung stark. Weltweit sind zwei Milliarden Klimaanlagen im Einsatz, berichtet die Internationale Energieagentur (IEA). Seit 1990 hat sich der Strombedarf für Klimatisierung mehr als verdreifacht. Damit einher gingen mehr als doppelt so hohe Treibhausgasemissionen.

Derzeit fließen zehn Prozent des gesamten Stroms auf der Welt in Klimaanlagen. In den kommenden Jahrzehnten erwartet die IEA steigende Verkäufe. Vor allem in den bevölkerungsreichen Schwellenländern wie China, Indien, Brasilien, Mexiko oder Indonesien werden enorme Anstiege erwartet. „Der wachsende Strombedarf für die Klimatisierung ist einer der bedenklichsten blinden Flecken in der heutigen Energiedebatte“, meint IEA-Direktor Fatih Birol.

An heißen Tagen ist der Anstieg des Strombedarfs für Klimaanlagen merkbar. Im Juni 2021 gab es etwa laut Austrian Power Grid einen Anstieg um vier Prozent gegenüber den Jahren zuvor. In Österreich stellt das kein Problem dar, weil der Anteil erneuerbarer Energiequellen hoch ist und die Stromproduktion durch Fotovoltaikanlagen ansteigt.
In Ländern mit weniger gut ausgebauten Stromnetzen und einem höheren Anteil fossiler Kraftwerke wird die steigende Verbreitung von Klimaanlagen zum Problem. An heißen Tagen sorgen sie für Lastspitzen, die Netze an ihre Grenze bringt. In Indien und Indonesien wird etwa erwartet, dass 2050 zeitweise über 40 Prozent der gesamten Stromproduktion für die Klimatisierung aufgewendet werden müssen.

Effizienz und Lecks

Der Zugang zu Klimatisierung wird auch zu einem immer größeren sozialen Problem. Gerade dort, wo es extrem heiß ist, haben die wenigsten Menschen eine Klimaanlage. Wer sich eine Klimaanlage leisten kann, greift leider oft zu wenig energieeffizienten Geräten.

Laut der IEA bietet der Markt eine große Bandbreite verschiedener Geräte an. Die meisten Konsumenten greifen zu Modellen, die zwei- bis dreimal weniger effizient arbeiten, als die besten Geräte in der jeweiligen Klasse. Auf den Stromverbrauch hat dies einen signifikanten Einfluss. Mit besseren Geräten könnte man den Stromverbrauch für Klimatisierung bis 2030 um die Hälfte reduzieren.

Auf die Erderwärmung wirken sich Klimaanlagen nicht nur durch ihren Stromverbrauch und die eventuelle Verwendung fossiler Energien aus. In ihnen fließt Kühlmittel, das meist sehr klimaschädlich ist, wenn es entweicht. Zu Lecks kommt es immer wieder. Fluorkohlenwasserstoff (FKW) ist etwa ein bis zu 23.000-mal stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid. Die EU sieht vor, dass diese Gase bis 2030 allmählich ersetzt werden.

Kurier

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