Wasserstoff: klimaneutraler Gas-Ersatz

7. Juli 2022
Wasserstoff soll als Alternative zu fossilem Gas gefördert werden - Prenzlau, APA/dpa

Ausbaubar. Vor allem in der Industrie wird klimaneutraler Wasserstoff künftig breite Anwendung finden

Ein einziger Energieträger wird die Energiewende nicht stemmen können. Grünes Gas spielt dabei eine Schlüsselrolle. Aber, um die Energiemengen zu erzeugen, die wir in Österreich benötigen, braucht es viele energetische Mitspieler. „Die Energiewende in Österreich ist nur machbar, wenn alle vorhandenen Potenziale an nachhaltiger Energie genutzt werden“, betont Mag. Michael Mock, Geschäftsführer FGW/ÖVGW. Gas deckt aktuell mehr als 20 Prozent des Gesamtenergiebedarfs und steht für 100 Prozent Versorgungssicherheit. Diesen Energieträger gänzlich zu ersetzen ist weder technisch noch wirtschaftlich möglich.

Die probate Lösung: Anstelle von fossilem kommt Grünes Gas zum Einsatz, das für alle Anwendungsbereiche – von der Gasheizung über das Kraftwerk bis hin zur Industrieanlage – genauso geeignet ist wie Erdgas.

Grüner Wasserstoff aus Überschüssen

Dazu gehört beispielsweise der Einsatz von klimaneutralem bzw. grünem Wasserstoff. Wasserstoff ist ein wichtiger Grundstoff für die Industrie und gewinnt als flexibler Energieträger der Zukunft zunehmend an Bedeutung. Der klimaneutrale Wasserstoff wird aus überschüssigem Ökostrom gewonnen, der vor allem im Sommer durch Windenergie und Solaranlagen anfällt.

Mit dem sogenannten Power-to-Gas-Verfahren wird in zwei Schritten aus Sonnen- oder Windstrom Grünes Gas gewonnen. Das wetterbedingte Überangebot an Ökostrom wird mittels Elektrolyse zu grünem Wasserstoff verarbeitet. Dieser kann entweder direkt ins Gasnetz eingespeist oder in einem weiteren Verarbeitungsschritt methanisiert werden. Durch den Prozess der Methanisierung von Wasserstoff entsteht synthetisches Methan. Dieses klimaneutrale Gas funktioniert ganz genauso wie Erdgas und kann in unbegrenzten Mengen ins Gasnetz eingespeist und in den Gasspeichern gelagert werden. Es kann Erdgas auch in allen Anwendungen 1:1 ersetzen. Somit ist ein Umstieg auf klimaneutrales Grünes Gas ohne Umrüstungskosten möglich. Bei der Einspeisung von Wasserstoff ins bestehende Gasnetz gibt es derzeit noch Limitierungen bzw. Fragestellungen, die zu klären sind. Ohne Adaptierungen bei den Kundenendgeräten ist technisch, und demnächst auch regulatorisch, eine Wasserstoffbeimischung bis zu 10 Prozent problemlos möglich.

Reiner Wasserstoff wird derzeit primär über Trailer oder lokale Leitungen transportiert, es laufen aber bereits Planungen für eine großräumige europäische Wasserstoffgasinfrastruktur.

Wasserstoff ist vielseitig einsetzbar

Die Anwendung von Wasserstoff ist vielseitig und reicht von der Brennstoffzellenheizung im Haushalt über Fahrzeugantriebe bis hin zu Spezialanwendungen in der Industrie (z. B. Stahlproduktion). Im Rahmen der ÖVGW-Forschungsinitiative Greening the Gas arbeitet die Gaswirtschaft gemeinsam mit Forschungspartnern aus dem In- und Ausland daran, noch offene Fragestellungen zu klären, einen technischen Ordnungsrahmen zu erstellen und so eine reibungslose Umstellung von fossilem Erdgas auf klimaneutrale Gase zu ermöglichen.

Kurier

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