Erneuerbare werden tierfreundlicher

27. Juli 2022

Energie. Solar-, Wind- und Wasserkraftwerke sind gut für das Klima, aber es gibt Konflikte mit Tieren. An der Kollisionsvermeidung und einem verbesserten Artenschutz wird intensiv geforscht

Mit dem Ausbau erneuerbarer Energie wächst bei vielen Menschen die Sorge, dass man dadurch Tierleid in Kauf nimmt. Plakativstes Beispiel sind Windräder, deren Rotoren Vögel vom Himmel holen. Aber auch in anderen Bereichen gibt es Konflikte. Es gibt aber intensive Bemühungen, diese zu minimieren.

Antikollisionssysteme

Wo Menschen am ehesten mit verletzten oder getöteten Tieren durch Kraftwerke konfrontiert werden, ist in der Nähe von Windrädern. Dreht sich der Rotor schnell, erreichen die Flügelspitzen 300 km/h und mehr. Selbst besonders wendige Vögel können einem solchen Hindernis manchmal nicht ausweichen. Laut Studien muss man pro Jahr und Windrad mit bis zu sieben toten Vögeln und fünf toten Fledermäusen rechnen.

Bei der Planung von Windkraftanlagen wird deshalb genau darauf geachtet, ob sich Habitate oder Jagdreviere von Tieren in der Nähe befinden. „Eine regionale Planung ist hier sinnvoller als die Betrachtung eines einzelnen Projekts“, sagt Gregori Stanzer vom Ziviltechnikbüro Allregio. Man müsse vor allem darauf achten, wo es gefährdete Arten gebe und welcher Anteil davon am ehesten in Kontakt mit Kraftwerken treten könnte.

Um Zusammenstöße zu verhindern, werden künftig vermehrt automatische Antikollisionssysteme zum Einsatz kommen. Kameras auf Windrädern erkennen dabei Vögel und verfolgen ihre Flugrouten. Mittels künstlicher Intelligenz wird ermittelt, ob es sich um eine gefährdete Art handelt. Falls die Tiere auf das Windrad zusteuern, werden die Rotoren abgeschaltet. Erfolg verspricht auch eine neue farbliche Gestaltung. Bei Untersuchungen in Norwegen wurde etwa festgestellt, dass es zu viel weniger Kollisionen kommt, wenn nur eines der drei Rotorblätter eines Windrades schwarz angestrichen wird.

Geräusch schreckt ab

Nicht nur Windräder können Vögeln gefährlich werden, auch Solarkraftwerke. Vor allem in solchen, die Licht mittels Spiegeln auf einen zentralen Turm fokussieren, kommt es öfters zu Todesfällen. Die Vögel können in die konzentrierten Lichtstrahlen geraten und in Flammen aufgehen. Aber auch in großen Fotovoltaikanlagen sterben Vögel. Warum genau, ist noch ungeklärt. Eine Vermutung ist der „Lake-Effekt“, bei dem Wasservögel die reflektierende Fläche von Solarparks mit Gewässern verwechseln und versuchen, darauf zu landen. Hier gibt es Lösungsansätze wie das visuelle Aufbrechen der Anlagen oder den Einsatz abschreckender Geräusche.

Generell gelten Fotovoltaikanlagen aber als positiv für den Tierschutz. In ihrem Schatten können Pflanzen gut gedeihen. Zäune werden teilweise mit Lücken zum Boden gestaltet, um kleineren Tieren Zugang zu gewähren.

Umleitung für Fische

Viel Konflikt zwischen sauberer Energieerzeugung und der Tierwelt gibt es an Flusskraftwerken. Fische kommen manchmal selbst durch Rechen (quasi Fluss-Sieben) vor Turbineneinlässen, die viel zu klein erscheinen. In den Turbinen werden sie teilweise getötet oder schwer verletzt. „Durch den Druckabfall kann etwa die Schwimmblase platzen“, erklärt Reinhard Haunschmid vom Bundesamt für Wasserwirtschaft.

Der Abstieg von Fischen an Flüssen ist besonders problematisch. Hier können verschiedene Rechensysteme die Fische zur Seite lenken, wo es Durchlässe wie Fischklappen gibt. Geraten sie doch in die Turbine, helfen Bauweisen mit niedrigerer Rotationsgeschwindigkeit und größeren Schaufelabständen.

Kurier

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