Deutschland: Vorrang für Energietransporte im Bahnverkehr

16. August 2022, Berlin/Kiew (Kyjiw)/Moskau
Energy first
 - Halle, APA/dpa-Zentralbild

Zur Sicherung der Energieversorgung in Deutschland sollen im Schienenverkehr Transporte von Mineralöl, Gas, Kohle und Transformatoren vorübergehend Vorrang bekommen. Das sieht eine von Wirtschafts- und Verkehrsministerium erarbeitete Rechtsverordnung vor. „Ziel ist es, den Betrieb von Kraftwerken, Raffinerien, Stromnetzen sowie von weiteren lebenswichtigen Betrieben sicherzustellen“, heißt es in einem Papier beider Ministerien, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Die Eingriffe in den Schienenverkehr sollen so gering wie möglich gehalten, Ausfälle oder Verspätungen im Personenverkehr weitestgehend vermieden werden. Die Rechtsverordnung, die nun innerhalb der deutschen Bundesregierung in die Ressortabstimmung geht, soll demnach auf sechs Monate befristet werden.

Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine habe eine Energiekrise ausgelöst, entsprechend würden Lieferketten und -wege umgestellt, heißt es in dem Papier weiter. Energieträger wie Kraftwerkskohle und Mineralöl müssten vorübergehend stärker zum Einsatz kommen. „Das setzt eine extrem anspruchsvolle Logistik voraus.“

Die Branche stehe dabei vor einer gewaltigen Herausforderung, schreiben die beiden Ministerien. In dem Papier wird verwiesen auf die niedrigen Wasserstände in den Flüssen und dadurch verminderte Transportkapazitäten der Binnenschifffahrt, stark belastete Schienenkorridore und eine stark erhöhte Bautätigkeit im Schienennetz sowie das perspektivisch embargobedingte Auslaufen des Rohölbezugs aus der Druschba-Pipeline.

Deutschlands Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) erläuterte, derzeit verschränkten sich mehrere Krisen – die durch den Ukraine-Krieg ausgelöste Energiekrise sowie extrem niedrige Wasserstände im Rhein als Folge der Klimakrise. „Das erschwert den nötigen Nachschub von Kraftwerkskohle und Mineralöl. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, müssen wir daher zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen.“

Dazu gehöre es auch, Energietransporten für die nächste Zeit mehr Priorität einzuräumen. „Diese Priorisierung ist für diesen Herbst und Winter nötig. Zugleich setzen wir weiter alles daran, erneuerbare Energien rasch und umfassend auszubauen und die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu überwinden“, betonte Habeck.

Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) machte deutlich, dass der Vorrang für Energietransporte die Bahn vor Herausforderungen stellt. Wichtige Trassen seien schon jetzt teilweise stark ausgelastet oder überlastet. „Wir müssen deshalb überlegt und in sorgfältiger Abwägung Transporte priorisieren, um die Energieversorgung der Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen. Das ist keine leichte Entscheidung, weil es im Zweifel bedeutet, dass in diesen Fällen der Personenverkehr warten muss.“

Die DB Netz AG hat dem Papier zufolge bereits die Nutzungsbedingungen des Netzes angepasst, um Energietransporte bei der betrieblichen Abwicklung der Züge zu priorisieren. Mit der Rechtsverordnung könne dann auch deren Bevorzugung bei der Trassenzuweisung geregelt werden. Die Ministerien weisen zudem darauf hin, dass es aufgrund von Kapazitätsengpässen nötig sein könne, auch Güterwagen einzusetzen, die nicht mehr den geltenden Lärmschutzstandards entsprechen.

APA/dpa

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