Gasspeicher füllen sich langsam

22. August 2022

Woher genau das Gas stammt, ist nicht bekannt. Ebenso, wie viel davon tatsächlich in den heimischen Verbrauch fließt.

Zumindest eine gute Nachricht gibt es an der Gasfront: Die heimischen Gasspeicher füllen sich langsam. Am Dienstag waren sie nach Angaben der Europäischen „Aggregated Gas Storage Inventory“ zu 60 Prozent mit Erdgas gefüllt. Das entspricht fast 60 Prozent des jährlichen Gasverbrauchs. Denn Österreich verfügt, anders als viele andere Länder der Europäischen Union, über sehr große Speicherkapazitäten. In den Gasspeichern, die quasi auf österreichischem Boden betrieben werden, können 95,5 Terawattstunden (TWh) Gas eingespeichert werden. Das entspricht auch dem heimischen Jahresverbrauch.

Wem dieses Gas aber gehört und woher es kommt, ist nicht ganz klar. Ebenso, ob es im Fall eines Lieferstopps aus Russland auch zur Gänze für den heimischen Verbrauch abgerufen werden kann. „Grundsätzlich gehört das Gas immer dem, der es gekauft und eingespeichert hat“, erklärte E-Control-Vorstand Alfons Haber kürzlich gegenüber der APA. Das eingelagerte Gas wird dann einerseits an Vertragspartner verkauft, anderseits nach Preis und Nachfrage.
„Andere Quellen“

Woher stammt nun das Gas in den heimischen Speichern: „Das ist nicht explizit bekannt“, sagt Christoph Dolna-Gruber von der österreichischen Energieagentur. Derzeit liefert Gazprom um zwei Drittel weniger Gas an seinen österreichischen Vertragspartner, die teilstaatliche OMV, als eigentlich angefragt. Neben russischem Gas werde derzeit also Gas aus anderen Quellen bevorratet, also aus Norwegen oder Flüssiggas (LNG).

So hat sich die OMV zum Beispiel von Oktober 2022 bis Ende September 2023 Transportkapazitäten für zusätzliche 40 TWh Erdgas aus Norwegen und den Niederlanden gesichert. Im Zuge der sogenannten strategischen Gasreserve hat sich der Bund insgesamt 20 TWh Gas mittels zwei Ausschreibungen gesichert, die ab November zur Verfügung stehen sollen. 8,5 TWh davon kommen laut Umweltministerium aus nicht-russischen Quellen, welche genau, weiß man auch hier nicht, weil die Speicher-Betreiber keine Daten über Kunden oder Vertragspartner veröffentlichen. Diese 20 TWh gehören auch dem Staat. Wie beim Rest verfahren wird, wie viel Gas für den österreichischen Markt vorgesehen ist, wie viel ins Ausland fließt, ist noch unklar.

Fünf Speicherfirmen
Die heimischen Speicherkapazitäten werden von fünf Unternehmen vermarktet: OMV Gas Storage GmbH (OGS), RAG Energy Storage GmbH (RES), Uniper Energy Storage Austria, Astora GmbH und GSA. Dabei entfallen allein auf die OMV 26 Prozent (25,3 TWh) des Speichervolumens in Österreich und 40 Prozent der an das Marktgebiet Ost angebundenen Speicher.

„Bis August war der Speicher Haidach aufgeteilt zwischen Astora (11 TWh) und der Gazprom-Tochter GSA (21 TWh). GSA ist nun nicht mehr Speicherunternehmen in Haidach – diesen Status hat das Unternehmen verloren“, erklärt Dolna-Gruber. Die Kapazitäten wurden deshalb auf die RAG (14 TWh) und Astora (7TWh) aufgeteilt.
Plus 60 Prozent bei Gas?

Die Gaspreise steigen indes weiter und weiter, was auch die Bevorratung derzeit besonders teuer macht. Für das vierte Quartal dieses Jahres wird mit Großhandelspreisen von 230 bis 240 Euro pro Megawattstunde gerechnet. Außerdem hat der russische staatliche Gasriese Gazprom am Dienstag europäische Kunden vor weiteren, starken Preissteigerungen gewarnt. Diese könnten um 60 Prozent steigen.
„Nach vorsichtigen Schätzungen werden die Preise in diesem Winter 4.000 Dollar pro 1.000 Kubikmeter überschreiten, wenn diese Tendenz anhält“, hieß es am Dienstag seitens Gazprom. Insgesamt brachen die Gasexporte von Gazprom zwischen dem 1. Jänner und dem 15. August um 36,2 Prozent auf 78,5 Milliarden Kubikmeter ein.
Langsam, aber doch füllen sich die heimischen Gasspeicher.

Von Marina Delcheva

Wiener Zeitung

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