Europäischer Gaspreis kletterte auf mehr als 300 Euro

25. August 2022, Frankfurt am Main/Amsterdam/Moskau
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Der Gasmangel infolge des Ukraine-Krieges treibt den Gaspreis in Europa immer weiter nach oben. Er sprang nun am Donnerstag über die Marke von 300 Euro je Megawattstunde (MWh), nachdem sich der für den europäischen Gashandel richtungsweisende Terminkontrakt TTF an der Energiebörse in Amsterdam an den beiden Vortagen vergleichsweise stabil gehalten hatte.

In der Früh stieg der Preis um mehr als sechs Prozent auf knapp 316 Euro je Megawattstunde. Nur in der Zeit unmittelbar nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine war der Preis für das in Europa gehandelte Erdgas kurzzeitig mit einem Spitzenwert von 345 Euro höher gewesen.

Am Markt wurde der jüngste Höhenflug beim Gaspreis weiterhin mit einer erneuten Unterbrechung der russischen Gaslieferungen nach Europa durch die Pipeline Nord Stream 1 erklärt. Russland hatte angekündigt, Gaslieferungen über die Ostseepipeline Nord Stream 1 ab dem 31. August für drei Tage zu unterbrechen. Das nährte Befürchtungen, der ohnehin schon stark gedrosselte Gasfluss aus Russland könnte komplett stoppen, sollte die Lieferung nach der Pause nicht wieder aufgenommen werden.

Infolge der Gaspreise stiegen auch die Großhandelspreise für Strom. An der Energiebörse Epex kostete eine Megawattstunde Strom am Donnerstag für morgen, Freitag, in der Grundlast rund 700 Euro und in der Spitze sogar über 800 Euro. Selbst in Teilen Norwegens stieg der Spotpreis auf rund 650 Euro. In Deutschland stieg der Terminkontrakt (Future) zur Lieferung einer Megawattstunde Strom in einem Jahr auf 709 Euro. Das signalisiert, dass die Preise hoch bleiben werden.

Um aus Erdgas eine Megawattstunde Strom erzeugen zu können, müssen ungefähr zwei Megawattstunden Gas verbrannt werden. Das liegt am physikalischen Wirkungsgrad der Gaskraftwerke. In der aktuellen Situation bedeutet dies, dass Strom im Großhandel meist mehr als doppelt so teuer ist wie Gas im Großhandel. Zu den Brennstoffkosten kommen bei fossilen Kraftwerken noch die Kosten für die CO2-Emissionen. Um die Strompreise wieder zu senken, braucht es Experten zufolge einen massiven Ökostromausbau in ganz Europa.

APA/dpa-AFX

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