Wien Energie – Weinelt: Kunden und Arbeitsplätze sind sicher

29. August 2022, Wien

Die Versorgung der Wiener mit Strom, Gas und Fernwärme ist laut Stadtwerke-Vizechef Peter Weinelt „vollkommen gesichert“. Die Wien Energie und der ganze Stadtwerke-Konzern seien ein solides Unternehmen und stünden auf „finanziell soliden Beinen“ und auch die Arbeitsplätze bei der Wien Energie seien sicher, betonte Weinelt, der bei der Stadtwerke-Tochter Wien Energie auch dem Aufsichtsrat vorsitzt.

Die zur Besicherung von Käufen an der Strombörse benötigten 1,8 Mrd. Euro „werden wir aus eigener Kraft mit starker Unterstützung unseres Eigentümers, der Stadt Wien, stemmen“, sagte Weinelt am Montag vor Journalisten. Wenn die starken Preisausschläge am Markt noch wochenlang so andauern sollten, „dann wäre das unfinanzierbar – und zwar nicht nur für uns, sondern für die komplette Branche“. Diese Preise würden dann bei den Kunden ankommen.

Dass der Finanzbedarf der Energie so unerwartet am Wochenende bekannt geworden sei, war nach Ansicht Weinelts unglücklichen Umständen geschuldet. „Ein Black Friday an der Börse, den kann ich nicht beeinflussen.“ Die Clearing-Rechnung von der Strombörse habe man am Samstag zwischen 9 und 9.30 Uhr bekommen, die bis Montag zu begleichen sei.

Von einem Management-Versagen könne man „eindeutig nicht“ sprechen. Für die Preissprünge gebe es keine physikalische Grundlage. „Wir waren entsprechend vorbereitet, aber wenn Zahlungen in dieser Größenordnung innerhalb weniger Stunden kommen – da geht es um diese Margin-Zahlungen, die man über die Börse zu leisten hat -, dann kann das existenzgefährdend für alle Energieversorger werden. Mehrhundertprozentige Strompreis-Steigerungen innerhalb eines Tages seien keine normale Entwicklung, „die Märkte funktionieren nicht mehr“. Aus der Sicht der Wien Energie sei es zum Schutz der Kunden notwendig, in diese Märkte einzugreifen. Deutschland habe schon lange einen Schutzschirm, aber auch Frankreich und sogar die Schweiz.

Die Wien Energie habe ihm Rahmen ihrer Möglichkeiten rechtzeitig alles getan, was sie tun konnte, aber man könne einen Gesamtmarkt, auf dem die Wien Energie und die Wiener Stadtwerke „eine sehr kleine Nummer“ seien, nicht beeinflussen. Das sei eine politische Aufgabe und die Wien Energie habe entsprechende Vorschläge gemacht. Diese Vorschläge müssten nun geprüft und dann entsprechend in die politische Diskussion eingebracht werden – „in erster Linie einmal mit Deutschland, weil dort auch die Börsen sind, aber auch in der europäischen Kommission“.

Seiner Ansicht nach wäre es schon am Freitag notwendig gewesen in den Handel einzugreifen, etwa durch eine Aussetzung des Handels für mehrere Tage. Man könnte auch Obergrenzen setzen und sich „das Thema Leerverkäufe“ anschauen, so Weinelt. Es würden mit kleinen Mengen bewusst Preise nach oben getrieben. Das seine eine Aufgabe der Aufsicht, als Marktteilnehmer könne man diese Probleme nur aufzeigen. Notwendig wäre auch eine Entkoppelung des Strompreises vom Gaspreis, aber das müsse man für einen zusammenhängenden Strommarkt machen, zumindest für Deutschland und Österreich bzw. Mitteleuropa.

Der Anstieg der Strompreises sei eine „ungesunde Entwicklung für die komplette Wirtschaft“. Die Wien Energie habe die Strom- und Gaspreise aufgrund der Marktentwicklungen mit 1. September bereits erhöhen müssen, „und wir haben nicht vor, das noch einmal zu tun“. Die Vermutung, dass die Wien Energie sich am Strommarkt verspekuliert habe, wies Weinelt zurück. „Die Wien Energie und die ganze Stadtwerke-Gruppe macht per Definition keinerlei Spekulation.“ Man handle lediglich mit dem Gas, das man für die eigenen Kunden brauche.

Dass die Wien Energie schon in der Vergangenheit Geld von der Stadt Wien bekommen hat, bestätigte Weinelt. „Es stimmt, dass die Stadt Wien uns sehr stark unterstützt hat bei der Aufstellung von Liquidität. Das ist im Zuge von Eigentümer-Haftungsübernahmen etc. passiert.“ Den Betrag könne er nicht nennen, „aber es geht um schon sehr namhafte Beträge, weil die Margin-Zahlungen sich schon in einem sehr großen Bereich bewegen.“ Das Geld könne aber am nächsten Tag schon wieder zurückkommen. „Letzte Woche hatten wir einen Tag, da waren die Margin-Zahlungen so, dass wir fast 200 Mio. Euro wieder ausbezahlt bekommen haben.“

Auch die Regulierungsbehörde E-Control betonte heute, dass die Versorgung der Energiekunden gesichert sei. „Es werden von politischer Seite alle notwendigen Maßnahmen getroffen werden, um dies auch weiterhin garantieren zu können“, betonten die Vorstände der E-Control, Alfons Haber und Wolfgang Urbantschitsch, in einem der APA übermittelten Statement. Welche Maßnahmen konkret durchgeführt werden, sei derzeit Gegenstand von Analysen und Gesprächen mit dem betroffenen Unternehmen sowie der Stadt Wien als Eigentümerin und der Bundesregierung, so die Energieregulierungsbehörde.

Im europäischen Energiehandel wird laut Wien Energie neben kurzfristigen Handelsgeschäften ein Großteil der Energie am Terminmarkt verkauft. Dort werden Geschäfte abgeschlossen, die erst in Zukunft erfüllt werden. Wien Energie verkauft Strom aus den Kraftwerken bis zu zwei Jahre im Voraus und beschafft Strom und Gas langfristig für seine Kundinnen und Kunden an der Börse, sichert sich gegen zukünftige Strompreisschwankungen ab und kann damit für die Kundinnen und Kraftwerke die Energiepreise für die nächsten Jahre abschätzen. Das sei ein bewährtes Instrument des Risikomanagements im Energiebereich.

APA

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