Verbund weist Spekulationsvorwürfe zurück

30. August 2022, Wien
Verbund wehrt sich
 - Wien, APA/THEMENBILD

Die Wien Energie weist heute in einer Aussendung Spekulationsvorwürfe zurück. Die zuverlässige Energieversorgung der Wienerinnen und Wiener habe „oberste Priorität“, Spekulationen würden dabei keinen Platz haben, hieß es darin von Seiten des Energieversorgers. „Ein Spekulationsverbot ist in unseren Risikohandbüchern dezidiert festgehalten, wir tätigen selbstverständlich keine Leerverkäufe“, so die Wien Energie.

„Wir müssen zur Versorgung von Wien die dafür notwendige Energie an den europäischen Energiebörsen kaufen und unsere Stromproduktion dort verkaufen, weil das die einzigen Stellen sind, wo man diese großen Mengen handeln und langfristig absichern kann. Das ist der ausschließliche Grund für diese Geschäfte.“

Die Wien Energie habe aktuell 4,48 Terawattstunden (TWh) Strom bis Ende 2024 im Verkauf an der Börse – also getätigte, aber noch nicht abgewickelte Positionen offen. „Das entspricht nicht einmal einer Jahresproduktion“. 2021 habe Wien Energie 6,28 Terawattstunden Strom selbst produziert.

Ausgewiesene Mengen von 16,88 TWh erklärte die Wien Energie wie folgt: Diese Daten seien auf Basis des Finanzberichts der Wiener Stadtwerke aus 2021 zu finden. Die Höhe sei rein bilanziell und zeige die Handelsbewegungen auch für die Jahre 2022/2023. Diese Zahl beinhalte auch konzerninterne Lieferungen. „Als Beispiel erwirbt die Wien Energie GmbH für ihre Vertriebsgesellschaft Wien Energie Vertrieb GmbH & Co KG an europäischen Strombörsen Strom, den sie dann an die Wien Energie Vertrieb GmbH & Co KG weiterleitet. Dadurch scheint diese Menge bilanziell doppelt auf, ohne dass dadurch ein Risiko entsteht“, teilte die Wien Energie mit.

Am Montag habe die Wien Energie 1,75 Mrd. Euro an Sicherheitskautionen für den Energiehandel aufbringen müssen. Diese Sicherheitsleistungen würden vor allem Strom-Verkäufe an der Strombörse betreffen, die bereits in der Vergangenheit getätigt, aber noch nicht abgewickelt wurden. Gemeinsam mit der Stadt Wien habe man diese Garantieleistungen am Montag aufgebracht. Heute, Dienstag, brauche Wien Energie „gar keine zusätzlichen“ Garantien. Seit Montag sei der Strompreis wieder um rund 23 Prozent gesunken, der Gaspreis um 13 Prozent. Wien Energie bekomme daher heute Sicherheitsleistungen in der Höhe von rund 800 Millionen Euro wieder zurück, hieß es weiter in der Aussendung.

Aufgrund der „extremen Schwankungen am Markt“ seien mehrere Szenarien berechnet und mit der Stadt Wien und der Bundesregierung diskutiert worden. Im Worst-Case-Szenario – also bei einer weiteren Verdopplung des Strompreises diese Woche – würde die Wien Energie nach eigenen Angaben 5 Mrd. Euro an Garantien benötigen, 10 Mrd. Euro im „Worst-Worst-Case“. Im besten Fall benötige Wien Energie „gar keine Sicherheitsgarantien“ vom Bund.

Die Wien Energie habe „vorausschauend agiert“ und ihre Kreditlinien bereits in der Vergangenheit als Vorsorgemaßnahme aufgestockt. Am vergangenen Freitag habe sich die Marktlage jedoch „dramatisch entwickelt“ und innerhalb eines Tages habe sich der Strompreis fast verdoppelt. „Das war nicht vorhersehbar“, hieß es dazu in der Aussendung. Bis Mitte vergangener Woche hätten die notwendigen Garantien in Schwankungsbreiten von plus/minus 200 Mio. Euro gelegen, die erforderlichen täglichen Leistungen seien am Freitag auf 1,75 Mrd. Euro hochgeschossen. Zu dieser Zeit habe Wien Energie bereits einen Handelsstop für Termingeschäfte eingelegt.

Wien Energie handle sowohl gewisse Mengen direkt mit Handelspartnern, insbesondere die langfristige Absicherung großer Energiemengen und der Stromverkauf seien aber nur über die internationalen Märkte möglich. Wien Energie sei dabei nicht mit kleinen Energielieferanten zu vergleichen. Der Handel an der Börse sei weniger risikobehaftet, weil sich das Ausfallsrisiko eines Geschäftspartners nicht an einem einzelnen Partner festmache, so Wien Energie.

Die Erhöhung von Sicherheitsgarantien habe aber keine unmittelbaren Auswirkungen auf ihre Kundinnen und Kunden, hielt Wien Energie fest. Die Preise würden, wie bereits kommuniziert, mit 1.9. steigen. „Es kann niemand Interesse daran haben, dass die aktuellen Preise an den internationalen Märkten durch die österreichischen Energieversorger an Endkunden weitergegeben werden müssen. Dafür braucht es raschest ein politisches Eingreifen auf internationaler Ebene“, so Wien Energie.

APA

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