Vorarlberg verlangt neues Modell für Strompreisbremse

5. September 2022, Bregenz/Innsbruck

Vorarlberg verlangt vom Bund eine Überarbeitung der Strompreisbremse. Die von der Regierung angedachte Form helfe der Vorarlberger Bevölkerung aktuell nicht weiter. „Vorarlberger Kundinnen und Kunden werden praktisch nicht entlastet“, kritisierte Statthalterin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) gegenüber der APA. Es könne nicht sein, dass die westlichen Bundesländer für ihre niedrigen Strompreise quasi bestraft werden. Tirols ÖVP-Chef Anton Mattle forderte weiter eine Kompensation.

Vorarlberg hat – wie auch Tirol – in den vergangenen Tagen mehrfach darauf gepocht, bei einer Strompreisbremse Erleichterungen auch für die Bürger des Landes zu wollen. Das Modell der Strompreisbremse müsse so ausgestaltet werden, „dass alle Bundesländer etwas davon haben“, hat Schöbi-Fink mehrfach betont.

Den Planungen der Regierung zufolge sollen den österreichischen Haushalten bis zur Marke von etwa 2.900 Kilowattstunden nur zehn Cent pro Kilowattstunde verrechnet werden – erst für den darüber hinausgehenden Verbrauch soll der marktübliche Preis zu zahlen sein. Dafür will der Bund 2,5 Milliarden Euro in die Hand nehmen. Dieses Geld käme aufgrund des vergleichsweise niedrigen Strompreises in Vorarlberg aber nur in sehr geringem Ausmaß Vorarlberger Haushalten zugute.

Denn laut Angaben von Christof Germann, Vorstand des Landes-Energieversorgers Illwerke/VKW, kostet eine Kilowattstunde Strom für einen Vorarlberger Durchschnittshaushalt aktuell 16 Cent (Gesamtpreis; Verbrauchspreis: 9,68 Cent netto), während es in Wien über 42 Cent sind. Die Gesamtstromrechnung für einen solchen Vorarlberger Haushalt wird sich im heurigen Jahr – auch ohne externe Stützung – auf 644 Euro belaufen – nach 670 Euro im Jahr 2021. Der Illwerke/VKW-Konzern hat den Strompreis bis Ende März garantiert.

„Grundsätzlich halten wir eine Strompreisbremse in der jetzigen Situation für wichtig und richtig“, stellte Schöbi-Fink fest. Allerdings müsse das Modell überarbeitet werden – auch dahingehend, dass die Abstützung der Strompreise in jedem Bundesland für einen gleich langen Zeitraum wirke.

Der wahlkämpfende Tiroler ÖVP-Obmann, Wirtschaftslandesrat und Landeshauptmannkandidat Mattle meinte zwar gegenüber der APA, dass das Modell der bundesweiten Strompreisbremse „in die richtige Richtung“ führe, die Strompreisbremse gehe nach jetzigem Kenntnisstand aber auf Kosten des Westens. „Die Energieversorger im Osten, die die Preise ordentlich in die Höhe geschraubt haben, profitieren weitaus mehr, als das die Energieversorger in Tirol und Vorarlberg tun“, so Mattle. Deshalb forderte er vom Bund erneut eine „Kompensation für den Westen.“ Mattle schloss sich Schöbi-Finks Argumentation an, dass alles andere einer Bestrafung der westlichen Bundesländer gleichkomme, „die in der Vergangenheit alles daran gesetzt haben, den Ausbau erneuerbarer Energie voranzutreiben und durch einen hohen Grad an Eigenversorgung einen möglichst niedrigen Strompreis zu garantieren.“

Der Landesrat betonte zwar, dass er sich ein Volumen von 80 Prozent des individuellen Vorjahresverbrauches gewünscht hätte, damit ein Anreiz zum Energiesparen bestehe. „Damit die Strompreisbremse aber zu keinem Bürokratiemonster wird, gehen wir bei 80 Prozent des Durchschnittsverbrauchs eines Haushaltes mit“, ließ Mattle wissen. Klar sei aber, dass Mehrpersonenhaushalte und Familien auch mehr Unterstützung brauchen.

APA

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