Köppl-Turyna: Die großen Probleme kommen erst

8. September 2022, Wien
Es soll nich schlimmer werden
 - Neurath, APA/dpa

Die Preise, vor allem für Strom und Gas, sind sprunghaft gestiegen und erste Firmen überlegen deshalb Werkschließungen. Aber „die großen Probleme kommen erst“, sagt Monika Köppl-Turyna, Chefin des industrienahen Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria. Denn noch haben die hohen Preise am Spotmarkt bei vielen Kunden nicht durchgeschlagen, weil sie dank Termingeschäften noch abgesichert sind. Die stärkeren Auswirkungen auf die Wirtschaft seien 2023 oder 2024 zu erwarten.

„Die Jahreswende wird ein spannender Moment, da werden viele Absicherungen auslaufen und Hedges müssen ersetzt werden“, so Köppl-Turyna. Sie hat eine Modellrechnung angestellt, wie sich die Wirtschaft in den kommenden Jahren entwickeln könnte. Wobei sie im Gespräch mit der APA ausdrücklich einschränkte, dass die Märkte derzeit extrem veränderlich seien und die Prognose mit ungewöhnlich hohen Unsicherheiten behaftet sind.

Aber Köppl-Turyna geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung kommendes Jahr um 20 Mrd. Euro schwächer ausfallen wird als ohne die Energiekrise und es eine „milde Rezession“, also Schrumpfung der Wirtschaftsleistung geben wird. 2024 gibt es Hoffnung auf ein leichtes Wirtschaftswachstum. Die Inflation dürfte hingegen 2023 – und auch noch 2024 – über 10 Prozent liegen. Selbst 2026 sieht die Wirtschaftsforscherin noch keinen Rückgang der Teuerungsrate auf Werte in der Nähe der von der Europäischen Zentralbank (EZB) gewünschten zwei Prozent. Rund 120.000 Jobs könnten verloren gehen, wobei Kurzarbeit nur eine Zeit lang den Erhalt der Arbeitsplätze absichern könnte. Wie viele Menschen arbeitslos werden, hänge auch vom Ausgang der Kollektivvertragsverhandlungen ab, gibt Köppl-Turyna zu bedenken. Sie erwartet Abschlüsse unter der Inflationsrate und damit Reallohnverluste.

EcoAustria hat aber auch nachgerechnet, ob in Österreich eine Deckelung von Gaspreisen wie in Spanien und Portugal in Frage käme. Grundsätzlich müsste es eine europäische Lösung sein, solange Strom aus Österreich teurer exportiert werden kann. Aber damit nicht auch Kohlekraftwerke subventioniert werden, müsste die Subventionsgrenze für Gas bei 125 Euro je MWh festgesetzt werden – das dreifache des Wertes in Spanien. Das würde zu einem Strompreis von 300 Euro je MWh führen. Das wäre zwar um 40 Prozent niedriger als im September, aber doch weiter deutlich über dem langjährigen Schnitt und würde „kräftige Anreize zur Reduktion des Verbrauchs bieten“. So eine Maßnahme würde die Steuerzahler 1,5 Mrd. Euro im Jahr kosten. Würde auch Fernwärme gestützt, lägen die Kosten bei knapp 2 Mrd. Euro.

Köppl-Turyna mahnt ein, dass die Ausgestaltung von Förderungen für Unternehmen „sehr vorsichtig“ vorgenommen werden müsse, um nicht riskantes Verhalten von Firmen, die sich etwa an Spotmärkten mit Energie versorgt haben, zu subventionieren. Wichtig sei die Nachfragereduktion nach Energie, die nicht durch Subventionen verhindert werden dürfe.

APA

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