Siemens-Chef Hesoun: Energiemarkt funktioniert nicht

8. September 2022, Wien
Hesoun kritisiert Einführung der CO2-Abgabe mit Oktober
 - Wien, APA/HARALD SCHNEIDER

Siemens Österreich-Chef Wolfgang Hesoun kritisiert die mangelnde Kontrolle des Energiemarktes. Es sei „interessant“, dass sich die Preise für Pellets denen von Strom anpassen würden, „wenn man hier von einem Markt spricht, ist das fast zynisch“. „Es kann nicht das Ziel sein, die Märkte völlig unkontrolliert zu lassen“, meinte er heute und stellte die Frage: „Ist es wirklich gescheit, dem Markt das Wort zu reden, wenn er wirklich nicht funktioniert?“

Die Politik solle sich überlegen, wie sie wieder zu einer „vernünftigen Preispolitik“ komme. „Warum ein Land mit so viel Erneuerbarer Energie diese nicht für seine Nutzer preisdämpfend zur Verfügung stellen kann, das muss mir wer erklären“, so Hesoun am Donnerstag am Rande einer Pressekonferenz. Keine Freude hat der Vizepräsident der Liste Industrie in der Wirtschaftskammer und Obmann des Fachverbandes der Elektroindustrie auch mit der Einführung der CO2-Abgabe Anfang Oktober. Etwas durchzuziehen „nur weil es irgendwann beschlossen wurde“, würde den Wirtschaftsstandort Österreich weiter unter Druck setzen.

Zur bevorstehenden Herbstlohnrunde meinte Hesoun auf Nachfrage, dass eine Lösung gefunden werden müsse, die einen gewissen Ausgleich für die hohe Inflation für die Arbeitnehmer beinhalte, aber auch ein Abwandern der Betriebe verhindere. Zu den von den Arbeitgebern angedachten Einmalzahlungen statt einer entsprechend hohen prozentuellen Anhebung der Löhne und Gehälter sagte der Siemens-Chef, dass er verstehe, dass das für die Gewerkschaften keine nachhaltige Lösung ist. Andererseits habe die steuerliche Begünstigung von Mitarbeiterboni durchaus ihren Reiz. „Sie kriegen für 500 Euro mehr wirklich auch 500 Euro“, so Hesoun.

Beim Thema Gasversorgung spricht er sich dafür aus „tabulos“ alle Möglichkeiten der Eigenversorgung zu nutzen. „Es geht darum, Gaslagerstätten nicht von vornherein zu negieren“, erklärte Hesoun. Dass ein möglicher Gasengpass und eine daraus resultierende Priorisierung der Gasversorgung zu Spannungen innerhalb der einzelnen Branchen der Wirtschaft führen könnten, kommentierte Hesoun so: „Es ist besonders wichtig die großen Industrieunternehmen im energieintensiven Bereich weiter in Betrieb zu lassen.“ Dies seien „Multiplikatoren“ für die nachfolgende Wirtschaftsleistung. Grundsätzlich meinte der Industrie-Boss: „Es wird eine spannende Zeit.“

APA

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