EU-Parlament stimmte ab: Heizen mit Holz bedingt nachhaltig

15. September 2022, Straßburg
41970348769023380_BLD_Online

Holz als Biomasse soll nach Wunsch des EU-Parlaments bedingt nachhaltig und somit förderfähig bleiben. Die EU-Abgeordneten legten am Mittwoch in Straßburg ihre Position für Verhandlungen mit den EU-Staaten fest. Diese sieht weiter die Einstufung von Holznebenprodukten etwa aus Sägewerken, Schadholz und eine bestimmte Menge Primärholz, also hochwertiges Holz, als erneuerbare Energie vor. Der Umgang mit Biomasse ist Teil der Richtlinie für erneuerbare Energien (RED III).

Ursprünglich hatte der Vorschlag im EU-Parlament die Einstufung von Biomasse aus Primärholz als erneuerbare Energie ausgeschlossen. Nun soll die Durchschnittsmenge der Jahre 2017 bis 2022 doch angerechnet werden. Zudem fordert das EU-Parlament bis 2030 eine schrittweise Senkung des Anteils von Primärholz als erneuerbare Energie. Damit soll auch der Ausbau von Holz- und Biomasseanlagen eingeschränkt werden.

„Alles, was den Ausbau von Biomasse konterkariert oder gar zu einer Verringerung regional verfügbarer erneuerbarer Energieträger führt, ist in Zeiten der Energiekrise nicht nachvollziehbar und unvernünftig“, kritisierte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) umgehend in einer Aussendung. „Den nachwachsenden Rohstoff Holz und Biomasse nicht mehr als erneuerbare Energiequelle zu nutzen, aber stattdessen Kohlekraftwerke zu aktivieren, passt nicht zusammen.“

Im Vorschlag der EU-Kommission, den die EU-Staaten in diesem Passus übernahmen, wird das Wort Primärholz nicht definiert. Dort steht lediglich, Mitgliedstaaten sollen keine Förderungen für die Verwendung von Sägerundholz, Furnierholz, Stümpfen und Wurzeln zur Energieerzeugung gewähren.

Fast 60 Prozent der in der EU genutzten erneuerbaren Energie stammte 2019 laut Eurostat aus Biomasse. Ein Großteil davon ist Holz, das vor allem zum Heizen verwendet wird. Laut einer EU-Studie ist die Hälfte davon kein Abfallprodukt, sondern stammt direkt aus eigens geschlägerten Bäumen.

In Österreich gingen bereits im Vorfeld der Abstimmung die Wogen hoch. „Die Desinformationskampagne der Industrielobby hat hier zugeschlagen. Es ist schlicht und einfach falsch, dass die Biomasse verboten werden soll“, betonte der grüne EU-Abgeordnete Thomas Waitz laut Aussendung. „Wir müssen jedoch auch einsehen, dass der Wirkungsgrad der Stromerzeugung ohne Abwärmenutzung aus holzhaltiger Biomasse sehr niedrig ist und Kahlschläge und Monokulturen unseren Lebensraum Wald in ganz Europa belasten.“

Auch der sozialdemokratische EU-Abgeordnete Günther Sidl beklagte das Verbreiten „unsachlicher Argumente“. „Wenn man so auf massiven Widerstand stößt, dann zeigt das, dass wir Richtiges tun“, so Sidl in einer Aussendung. „Unser Ziel ist es, den Kahlschlag in den Wäldern aus Profitgier zu stoppen!“

Die EU-Abgeordneten einigten sich bei der Abstimmung um RED III auch darauf, den Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch der EU bis 2030 auf 45 Prozent zu erhöhen. Dabei wurden auch Unterziele festgelegt, so soll etwa im Verkehrssektor der Einsatz erneuerbarer Energien zu einer Verringerung der Treibhausgasemissionen um 16 Prozent führen.

APA

Ähnliche Artikel weiterlesen

Deutscher LNG-Anschluss in Lubmin fertiggestellt

25. November 2022, Lubmin/Kassel
Start ist am 1

Habeck sieht internationalen Wettbewerb um grüne Industrie

25. November 2022, Berlin
obert Habeck, deutscher Minister für Wirtschaft
 - Berlin, APA/dpa

Streit um EU-Gaspreisdeckel geht in die nächste Runde

25. November 2022, Brüssel
Gewessler pocht auf Versorgungsssicherheit
 - Prague, APA/AFP

NGOs: Stromanbieter müssen Klimaverträglichkeit verbessern

24. November 2022, Wien
Das sagen Global 2000 und WWF in ihrem "Stromanbieter Check"
 - Allrath, APA/Deutsche Presse-Agentur GmbH