OMV-Chef: Halten trotz Krise an Langfrist-Strategie fest

15. September 2022, Wien
Archivbild Raffinerie Schwechat
 - Wien, APA/ROLAND SCHLAGER

Der Ukraine-Krieg und die aktuelle Gaskrise werden an der langfristigen Strategie der OMV nichts ändern, das Unternehmen zu einem Chemieunternehmen zu transformieren. „Wir fahren auf der Autobahn, sehen einen Unfall und auf diesen Unfall müssen wir reagieren, das ändert aber natürlich nicht das Ziel, wo wir gerne hinfahren würden“, sagte OMV-Chef Alfred Stern am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Nach wie vor wolle man Nachhaltigkeit als Innovations- und Wachstumstreiber benutzen. „Angesichts der Krise kann man sich das schwer vorstellen, es ist aber trotzdem so, dass sich mittel- und langfristig eine Reduktion bei Öl und Gas einstellen wird“, so Stern, „es ist kein Wachstumsmarkt“. Chemie und Materialien sowie nachhaltige Kraftstoffe seien notwendig, um die Energiewende voranzutreiben. „Die OMV muss Verantwortung übernehmen – eine Energiewende in Österreich wird ohne die OMV nicht stattfinden.“

Es erscheine zwar derzeit angesichts der hohen Öl- und Gaspreise attraktiv, in Öl- und Gas zu investieren, „allerdings wissen wir aus Erfahrung, das ist ja auch nicht die erste Energiekrise, die wir haben, dass Öl und Gas hochgradig zyklisch sind und auch damit zu rechnen ist, dass diese enormen Preise wieder runterkommen“.

Was die Gasversorgung im kommenden Winter betrifft, beruhigte Stern: Man habe schon im März begonnen Gas einzuspeichern, „das hat dann dazu geführt, dass wir heute die OMV-Speicher zu über 93 Prozent gefüllt haben – das heißt, unsere Speicher sind im wesentlichen voll.“ Insgesamt sind die Gasspeicher in Österreich zu mehr als 70 Prozent gefüllt. „Wir haben in Österreich einen Jahresbedarf an Gas auch an Speicherkapazität, das heißt, mit 70 Prozent sollten wir eigentlich über den Winter kommen.“

Wenn man das gesamte in Österreich gespeicherte Gas mit 200 Euro pro Megawattstunden bewerte, „dann liegen da irgendwo 20 Milliarden Euro herum“.

Die von der OMV ersteigerten Pipeline-Kapazitäten, um 40 TWh Gas aus Deutschland und Italien nach Österreich zu bringen, stehen laut Stern ab 1. Oktober für ein Jahr zur Verfügung. „Damit können wir 100 Prozent unserer Verpflichtungen abdecken. Das sind etwa 45 Prozent des Gesamtverbrauchs in Österreich.“ Bei den Speicherkapazitäten habe die OMV in Österreich einen Marktanteil von 25 Prozent.

Die nach einem Unfall notwendigen Reparaturarbeiten in der Raffinerie Schwechat liegen laut Stern gut im Plan, in der ersten Oktoberhälfte soll die Auslastung von derzeit nur etwas über 20 Prozent wieder hochgefahren werden.

„Parallel dazu werden wir aber auch dieses alternative Versorgungssystem, das wir in den letzten Monaten aufgebaut haben, um die Versorgung mit Kraftstoffen sicherzustellen, weiterhin aufrecht erhalten, weil wir glauben, dass das zur Balancierung der Märkte und auch zur Wiederbefüllung der Läger notwendig sein wird“, sagte Stern.

Stern verteidigte die von der OMV in der Vergangenheit abgeschlossenen langfristigen Gaslieferverträge mit Gazprom. Die langfristigen Verträge habe man abgeschlossen, weil die europäische Gasproduktion rückläufig sei, andererseits müssten Gasproduzenten Milliarden investieren, „es wird Ihnen keiner dort einen Vertrag geben über kurze Laufzeiten“.

Länger gebunden ist die OMV in Russland auch beim westsibirischen Gasfeld Juschno Russkoje, an dem sie mit 24,99 Prozent beteiligt ist. Zusammen mit der Finanzierung für die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, deren Inbetriebnahme die EU aus politischen Gründen verhindert, hat die OMV dafür rund eine Milliarde Euro an Wertberichtigungen durchgeführt. Das Geld, das sie mit Juschno Russkoje verdient, kann sie aus Russland nicht herausholen. „Wir haben in den letzten fünf Jahren im Durchschnitt eine Dividende von 200 Mio. Euro bekommen. Ich würde einmal davon ausgehen, dass das in diesem Jahr signifikant höher gewesen wäre.“ Es gebe aber seit Monaten in Russland ein Dekret, wonach an Firmen von verfeindeten Staaten keine Dividenden bezahlt werden dürfen.

Die von EU-Kommissionspräsidentin Ursula van der Leyen angekündigte Abschöpfung von Gewinnen von Energieunternehmen könnte einen massiven Einfluss haben, sagte Stern. Den Vergleichszeitraum, der für die Ermittlung von „Übergewinnen“ herangezogen werden soll, kann der OMV-Chef nicht nachvollziehen, „weil 2019 bis 2021 zwei Corona-Jahre hatte“. 2020 sei der Ölpreis länger unter 25 Dollar gelegen und der Gaspreis unter 10 Euro je Megawattstunde. „In diesem Zeitraum hat es viele Öl- und Gasunternehmen gegeben, die massiv gekämpft haben.“

APA/ag

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