Persilschein der drei Prüfungsinstitute für die Wien Energie

15. September 2022, Wien
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Die drei Wirtschaftsprüfungsinstitute, die im Auftrag der Wiener Stadtwerke den Stromhandel ihrer Tochter Wien Energie geprüft haben, sehen die Börsengeschäfte des Unternehmens als „alternativlos“ an. Es gebe keine Hinweise auf Spekulation oder ein mangelhaftes Risikomanagement, bescheinigen Michael Sponring (PwC) und Friedrich Jergitsch (Freshfields Bruckhaus Deringer) der Wien Energie. Als drittes Institut hatte Ithuba die Geschäfte geprüft.

Damit bestätigten sie Zwischenergebnisse von vor einer Woche. Die Wien Energie hat Ende August bekanntgemacht, dass sie einige Milliarden Euro an Liquiditätshilfe von der Republik braucht. Das Geld sollte der Besicherung ihres Energiehandels an der Börse dienen und war wegen stark steigender Preise nötig geworden. Zugleich wurde bekannt, dass das Unternehmen bereits davor von der Stadt Wien 1,4 Mrd. Euro an Liquidität erhalten hatte. Letztlich gewährte der Bund über die OeBFA einen Kreditrahmen über 2 Mrd. Euro, der aber bis heute noch nicht gebraucht wurde. Im Zuge der Diskussion wurden Spekulationsvorwürfe gegen die Wien Energie erhoben.

Seit einer Woche habe die Wien Energie den Handel mit Strom und Gas an der Börse wieder aufgenommen, um für Großkunden künftige Energielieferungen anbieten zu können, sagte Wien-Energie-Aufsichtsratschef Peter Weinelt. Die Wien Energie habe nicht nur in den vergangenen Monaten 50.000 Kunden von anderen Energielieferfirmen, die schließen mussten oder ihre Verträge gekündigt haben, übernommen. „Die Wien Energie ist im Geschäft und wird im Geschäft bleiben“, so Weinelt.

Wie vor einer Woche sagte Sponring heute Donnerstag bei der Vorstellung der Ergebnisse, es sei für die Wien Energie „alternativlos“ gewesen, das Liquiditätsrisiko einzugehen, da es sonst ein hohes Preisrisiko durch Zukäufe am Spotmarkt oder das Risiko, dass Lieferanten ausfallen gegeben hätte. Die Prüfung habe auch keine Anhaltspunkte für spekulatives Verhalten ergeben. Auch habe es im Unternehmen zahlreiche Kontrollen zur Risikosteuerung gegeben. Die Wien Energie habe auch frühzeitig auf die Preisentwicklungen am Markt reagiert. Letztlich, was immer auch getan worden wäre, wäre der Liquiditätseffekt am 26. August weder vorhersehbar oder vermeidbar gewesen, so Sponring.

Auch Jergitsch sagte, die Prüfungen seines Instituts hätten gezeigt, dass alle Termingeschäfte an der Börse lediglich der Absicherung von Preisrisiken gedient hätten. Schon ab 2021 habe sich die Wien Energie der Frage der Liquiditätssicherung gewidmet, die Lage beobachtet und Stresstests gemacht. Aber die Entwicklung vom 26. August sei „in dieser Extremität“ nicht vorhersehbar gewesen. Er habe zwar Verständnis, dass die Ereignisse nun von der WKStA strafrechtlich untersucht werden, aber aus seiner Sicht gebe es dazu keinen Anlass.

Weinelt sagte, im Schnitt der letzten 1,5 Jahre seien täglich etwa neun Mio. Euro an Ein- oder Auszahlungen für die Liquiditätsabsicherung fällig geworden. Am 26. August alleine seien es 1,75 Mrd. Euro gewesen, in der ganzen Woche 2,4 Mrd. Inzwischen würden täglich „hohe zweistellige Millionenbeträge“ hin- oder herfließen.

Den Rückgriff auf öffentliche Gelder argumentiert Weinelt auch damit, dass die Hausbanken die nötigen Summen nicht schnell genug zur Verfügung stellen konnten. Grundsätzlich würden immer mehr Unternehmen in der EU einen Schutzschirm brauchen, auch die EU-Kommission befasse sich mit dem Thema. Letztlich brauche es aber einen Eingriff in die Wurzel des Problems, nämlich die Preisbildung beim Strom, die vom Gaspreis abhängt (Merit Order).

Die Berichte der drei Institute gehen nun an die Stadt Wien beziehungsweise an die Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA). Die Vorlage der Ergebnisse bis zum heutigen 15. September war eine Bedingung dafür, dass die Wien Energie den Kreditrahmen des Bundes erhält.

APA

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