Hohe Stromkosten und Nachzahlungen

16. September 2022

Die aktuellen Strom- und Gaspreise setzten der Bevölkerung zu. Auch in der Region ist die Krise schon zu spüren. Zur Abhilfe wird auf Photovoltaik und Pullover statt Heizen gesetzt.

Energiekrise

Region Purkersdorf Auf die Haushalte Österreichs kommt in der nächsten Zeit einiges an Teuerungen zu. Die Energiepreise steigen extrem. Für viele sind die Förderungen durch Land und Bund nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Doch es gibt auch viele Möglichkeiten, den höheren Strom- und Heizkosten im Haushalt entgegenzusteuern.
„Derzeit sind die Medien natürlich übersät von Meldungen bezüglich der Teuerungen für Energie“, so Thomas Pfiffl aus Purkersdorf. Ihn und seine Ehefrau Mimi Zhan hat die Energiekrise noch nicht sehr hart getroffen. Sie bekommen die Teuerungen am ehesten bei Verwandten mit, denn in ihrer Wohnung heizen sie mit der zentralen Pelletsheizung der Wohnanlage. Was Strom angeht, rechnen sie mit einem Drittel mehr Kosten, trotz gutem Tarif. „Vielleicht wird einem bei den aktuellen Ereignissen eher bewusst, dass man vielleicht doch das eine oder andere Mal kein Licht eingeschaltet haben muss“, meint Pfiffl.

Auch wenn ihr Haushalt noch nicht stark betroffen ist, sehen Pfiffl und Zhan ein Einschreiten der Poliitk als nötig: „In einer Gesellschaft wie unserer darf kein Mensch in Österreich Kälte und Stromlosigkeit ausgesetzt sein. Hier muss der Bund eine Unterstützung bieten, seien es Deckelungen der Preise für Strom und Gas oder Förderungen für einkommensschwache Haushalte.“

Warm anziehen statt warm einheizen

In der St. Pöltner Innenstadt ist die Energiekrise schon zu spüren. Student Marco Simon und Vermessungstechniker Sebastian Altmann leben in einer Wohngemeinschaft. Im Moment kommen vor allem Nachzahlungen, höhere Stromkosten und höhere Miete auf sie zu. Für die kommenden kalten Monate haben sie sich vorgenommen möglichst energiesparend zu leben, statt warm einzuheizen, greifen die beiden lieber zu noch einem Pullover.
Dennoch würden sich die beiden jungen Männer mehr Unterstützung durch die Politik wünschen: „Unseres Erachtens sollte mehr für die Menschen getan werden, schließlich schlagen sich die Mehrkosten für Energie auch auf die Kaufkraft der Österreicherinnen und Österreicher.“ Die Förderungen sollten treffsicher und sozial gestaffelt gestaltet werden.

Bauern setzen auf alternative Stromquellen

Auf Sonnenstrom sowie die Umrüstung auf LED-Beleuchtung setzt Johann Weiß am Steinschalerhof in Rabenstein. Schon vor sieben Jahren habe er die erste Photovoltaikanlage installiert und seitdem enorm eingespart. „Überschüssiger Strom wird von uns sogar ins Stromnetz eingespeist“, berichtet der Betreiber des Naturhotels. Wie viel tatsächlich eingespeist wird, kann er nicht beantworten, denn „der Zähler ist ich noch nicht montiert, das steht demnächst an.“

Selbst ohne PV-Anlage kann jeder Haushalt Energie sparen, ist Weiß überzeugt. „LED-Lampen verbrauchen um 85 Prozent weniger Strom als eine herkömmliche Glühbirne“, informiert er. Zudem sollte jeder Haushalt die Spitzenzeiten beim Stromkonsum meiden. „Zu den Stoßzeiten mittags und abends, wo großteils zu Hause gekocht wird, sollten keine zusätzlichen Elektrogeräte laufen. So wird man zum ‚Spitzenstrom‘-Konsument und fördert zudem die Teuerung der Energiekosten.“

Heizkosten stellen auf dem Pielachtaler Biohof Losbach kein Problem dar. Sein Wohnhaus kann Michael Gonaus mit Holz aus dem eigenen Wald heizen. Außerdem hat der Landwirt vor zwei Jahren eine Photovoltaik-Anlage auf dem Stall errichtet. Das sei die wirksamste Maßnahme gewesen, um in der jetzigen Situation zu sparen. Als Landwirt verbraucht er rund 20.000 kWh Strom pro Jahr, rund vier Mal so viel Strom wie ein durchschnittlicher Haushalt in Österreich. Weil die Melkmaschine jedoch am Abend läuft, muss Gonaus trotzdem Strom zukaufen. Er rechnet mit Mehrkosten von bis zu 3.000 Euro. Ansonsten spüre er die Teuerung vor allem beim Treibstoff. Zum einen sei er auf seinen Traktor und landwirtschaftliche Maschinen angewiesen, zum anderen würden durch die Einzellage seines Hofes viele Autofahrten anfallen, etwa zum Markt oder zu Schule. „Wir haben immer schon versucht, unnötige Fahrten zu reduzieren“, berichtet er. „Ochsen werden wir aber nicht mehr einspannen.“
Als Landwirte brauchen Michael Gonaus und sein Vater Anton Gonaus rund 20.000kWh Strom pro Jahr. Heuer freuen sie sich besonders über ihre PV-Anlage.
Foto: privat

NÖ Nachrichten

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