Fallweise drohen weiterhin Diesel-Engpässe

21. September 2022, Wien
OMV-Raffinierie soll bald wieder voll laufen und Lage entspannen - Schwechat, APA/TOBIAS STEINMAURER

Der Mineralölmarkt befindet sich in einer Ausnahmesituation. Erst nachdem die OMV ihre Produktion in der Raffinerie in Schwechat wieder voll hochgefahren hat, was für die erste Oktoberhälfte angekündigt ist, „erwarten wir zu diesem Zeitpunkt eine entsprechende Entspannung der Lage“, sagt Hedwig Doloszeski, Geschäftsführerin des Mineralöl-Fachverbands in der Wirtschaftskammer (FVMI) am Dienstag auf Anfrage der APA. Die Diesel-Verfügbarkeit ist derzeit beschränkt.

Derzeit läuft die Anlage in Schwechat nur mit einer Kapazität von 20 Prozent. Immer wieder war zuletzt von einzelnen geschlossenen Tankstellen zu hören oder dass einzelne Tankstellen einzelne Treibstoffe wie etwa Diesel kurzfristig und vorübergehend nicht mehr anbieten konnten. „Alle Mineralunternehmen arbeiten daran, mögliche Engpässe bei der Kraftstoffversorgung auszugleichen“, sagt Doloszeski. „Dennoch können wir fallweise Engpässe nicht ausschließen.“

„Aktuell ist die Verfügbarkeit von Diesel-Treibstoff beschränkt“, bedauert die FVMI-Geschäftsführerin. „Fallweise kann es im österreichischen Tankstellennetz daher zu Lieferengpässen kommen. Grund dafür ist die hohe Nachfrage bei gleichzeitiger Angebotsknappheit am Markt.“

Der gesamte europäische Kraftstoffmarkt sei angespannt. Neben Problemen in Schwechat gebe es auch Produktionsausfälle in anderen europäischen Raffinerien. Schwierigkeiten seien etwa vom Niedrigwasser am Rhein verursacht worden. Zudem seien in den vergangenen Monaten mehrere Raffinerien aufgrund von geplanten Wartungsarbeiten, die wegen Corona verschoben worden waren, nicht verfügbar gewesen.

Ohnehin zurückgegangen sei das Produktangebot, weil die Importe aus Russland reduziert wurden. Damit einhergehend stellen viele Unternehmen von Gas auf alternative Energieformen wie Heizöl um. Dieser Schritt wird auch mit öffentlichen Geldern gefördert, um die Produktion aufrechtzuerhalten, sollte Gas richtig knapp werden.

„Außerdem gibt es seit Ende des Sommers eine steigende Nachfrage in Österreich aufgrund teilweise eingeschränkter Abgabemengen und auslaufender Preisregelungen in Nachbarländern“, so Doloszeski. „So gilt in Deutschland der im Juni eingeführten Tankrabatt seit September 2022 nicht mehr.“

Insgesamt sei Europa ein Diesel-Importmarkt. Und im „Dieselland“ Österreich wird mehr Diesel verbraucht als hergestellt. Importiert werden hierzulande 59 Prozent des Bedarfs, hauptsächlich aus Deutschland. Dort herrschen laut Doloszeski Logistikprobleme auch über Niedrigwasser und Raffinerie-Ausfälle hinaus. Und: „Aufgrund der geopolitischen Lage und fehlender russischer Mengen ist weniger Diesel am europäischen Markt verfügbar.“ Im Jahr 2021 kamen 30,9 Mio. Tonnen Diesel aus Russland nach Europa, besagen vorläufige Eurostat-Daten. Damit hatte Russland einen Marktanteil von rund zehn Prozent, der wegfällt.

APA

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