Hörl will Tiroler Wasserstoffbahn-Bekenntnis

7. Oktober 2022, Jenbach
Tirols ÖVP-Wirtschaftsbundchef Franz Görl
 - Innsbruck, APA/ROLAND SCHLAGER

Der Tiroler ÖVP-Wirtschaftsbundchef und Nationalratsabgeordnete Franz Hörl fordert angesichts der Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP und SPÖ nach der Landtagswahl ein Bekenntnis der künftigen Landesregierung zur Etablierung der Zillertalbahn als Wasserstoffbahn. Bisher sei das Zillertal von der scheidenden LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) und ihren Beamten „ausgebremst“ worden, kritisierte Hörl im APA-Gespräch. Er mahnte eine Neuordnung des Verkehrsressorts ein.

Konkret sollte die Zuständigkeit für die Verkehrsplanung, die derzeit im Ressort Felipes beheimatet ist, mit jener für den Straßen- und Schienenausbau, die bei Energielandesrat Josef Geisler (ÖVP) ressortiert, zusammengelegt werden, so der wortgewaltige Zillertaler, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Zillertalbahn bzw. der Zillertaler Verkehrsbetriebe AG ist. „Idealerweise“ plädierte Hörl aber für ein „Super-Verkehrsressort“ in einer künftigen Landesregierung, das all diese Kompetenzen bündelt. „Und zwar nach dem Vorbild des Ministeriums auf Bundesebene“, ließ der Wirtschaftsbundobmann wissen.

Hörl ritt unterdessen in Sachen Wasserstoffbahn heftige Attacken gegen die „Beamtenschaft“, konkret gegen den Vorstand der Abteilung Mobilitätsplanung im Land, Ekkehard Allinger-Csollich. Diesem „allmächtigen Hofrat“ gehöre die „Last dieser weitreichenden technologischen Systementscheidung von den Schultern genommen“, denn: „Er kann es nicht.“ In dessen Abteilung bzw. in der zuständigen Beamtenschaft habe man es mit „kleingeistigem Denken, Arroganz und Innovationsfeindlichkeit“ zu tun, fuhr Hörl schwere Geschütze auf.

„Wir waren EU-weit Vorreiter und haben bereits 2016 ein nachhaltiges und funktionierendes Konzept erstellt, das derzeit in Deutschland umgesetzt wird und klar aufzeigt: Für die Zillertalbahn ist die Umstellung auf sauberen Wasserstoff die beste Lösung“, betonte Hörl. Doch in der jüngeren Vergangenheit seien dem Projekt quasi ständig Prügel vor die Füße geworfen worden, ging der ÖVP-Nationalratsabgeordnete auch mit dem bisherigen grünen Koalitionspartner hart ins Gericht.

Und Hörl verwies in diesem Zusammenhang auf Beispiele in Deutschland. Dort gebe es derzeit mehrere Projekte zur Dekarbonisierung von nicht elektrifizierten Strecken mit Dieselbetrieb wie im Zillertal, die erfolgreich umgesetzt würden. So habe ein mit Wasserstoff angetriebener Zug kürzlich auf einer Rekordfahrt quer durch Deutschland fast 1.200 Kilometer mit nur einer Tankfüllung von 250 Kilogramm Wasserstoff zurückgelegt – und zwar effizient, emissionsfrei und klimafreundlich. Die mit Wasserstoff betriebenen Regionalzüge des Herstellers Alstom seien seit Ende August auf der Strecke zwischen Cuxhaven, Bremerhaven, Bremervörde und Buxtehude unterwegs. Das Projekt werde im Rahmen des Nationalen Innovationsprogrammes Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr gefördert. „Das Niedersächsische Verkehrsministerium trägt die Kosten für die Beschaffung von 14 Zügen, der Bund beteiligt sich zusätzlich an den Kosten für die Tankstelle“, schilderte der ÖVP-Politiker.

Darum gelte es nun auch in Tirol, den „monatelangen Stillstand“ zu beenden und die Zillertalbahn „wieder ganz oben auf die politische Agenda zu setzen und damit einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz und zur Lebensqualität in unserem Tal zu leisten“, unterstrich Hörl und erinnerte daran, dass das Konzept seitens der Zillertalbahn bereits seit dem Jahr 2016 verfolgt werde. „Damals gab es dafür noch nicht einmal einen Anbieter, jetzt sind wir soweit, dass uns andere überholt haben. Den globalen Werbewert haben wir auch auf dem Altar der Eitelkeit und Inkompetenz verloren“, schoss der Wirtschaftsbundchef scharf.

Laut Hörl wurde seitens des Landes wieder ein Betrieb per Oberleitung ins Spiel gebracht. Eine „profane Oberleitung“ zu installieren, sei aber „innovationsfeindlich“ und keinesfalls billiger, dieses Argument sei „an den Haaren herbeigezogen“.

Felipe verwahrte sich indes auf APA-Nachfrage gegen „politisch motivierte Zurufe und die gezielte Diskreditierung der Beamtenschaft.“ Diese seien „weder dem Erfolg unseres gemeinsamen Projektes zuträglich, noch zeugen sie von viel Fachkenntnis oder gutem politischen Stil.“

Man arbeite seit Jahren gemeinsam mit den zuständigen Abteilungen im Land, dem Verkehrsverbund Tirol (VVT), den relevanten Ministerien und den Verantwortlichen der Zillertalbahn daran, die Zillertalbahn zu dekarbonisieren, betonte die Landeshauptmannstellvertreterin. Aktuell gebe es jedoch „von mehreren Projektpartnern“ erhebliche Bedenken, die die notwendigen Vertragsabschlüsse noch nicht zuließen. „Bei derartigen Projekten müssen im Vorfeld alle Rechts-, Finanzierungs- und Haftungsfragen restlos geklärt werden, bevor Millionen an Steuergeld mit einem Mindestmaß an Risiken schlussendlich freigegeben werden können“, so Felipe.

Nach einer Preiskalkulation aus dem Jahr 2021 würde das Investment für neue Fahrzeuge 75 Millionen Euro betragen, 20 Millionen Euro mache der Landesanteil für die notwendige Schieneninfrastruktur aus. Investitionen in die Infrastruktur und die Produktionskosten für den Wasserstoff werden, so Felipes Büro, wie der laufende Betrieb über den Verkehrsdienstvertrag (VDV) abgewickelt. Hier sei von kalkulierten Gesamtkosten inklusive der geplanten Taktverdichtung von rund 33,5 Millionen Euro pro Jahr auszugehen, wurden in der „Tiroler Tageszeitung“ im Juli angeführte Angaben bestätigt.

APA

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