Wiener Netze sehen nur „sehr geringes“ Risiko für Blackout

11. Oktober 2022, Wien
Neue Anforderungen wegen dezentraler Stromerzeugung
 - Lassee, APA/THEMENBILD

Die Sorge vor einem Blackout, also einem großflächigen und lange anhaltenden Stromausfall, ist zuletzt von vielen Seiten geschürt worden. Aus Sicht der Wiener Netze und des Forums Versorgungssicherheit zu unrecht. Denn es gebe nur ein „sehr geringes“ Risiko, dass es je dazu kommt, betonten Brigitte Ederer, Sprecherin des Forums Versorgungssicherheit und Thomas Maderbacher, Geschäftsführer der Wiener Netze, in einem Pressegespräch.

„Die Realität sieht zum Glück anders aus“, so Ederer mit Verweis auf „Angstszenarien“, die verbreitet würden. Maderbacher hob hervor, dass in die Sicherheit von Leitungen und die Vermeidung eines Blackouts laufend investiert werde. Er gehe davon aus, dass ein allfälliger großer Stromausfall innerhalb von Stunden behoben werden kann. Er selber habe keine Vorräte für so einen Fall angelegt. Auch eine wissenschaftliche Studie zeige, dass das Risiko eines Blackouts seit der Liberalisierung des Strommarktes nicht größer geworden sei, die ungeplanten Stromausfälle seien in Österreich rückläufig.

Zugleich verwies Maderbacher auch darauf, dass die Kosten eines durchschnittlichen Wiener Haushalts mit 2.500 kWh Verbrauch für das Netzentgelt inflationsbereinigt seit der Liberalisierung 1999 um etwa 60 Prozent gefallen seien. Eine weitere kaufkraftbereinigte Verringerung der Netzentgelte sei angesichts der nötigen Investitionen in die Sicherheit und den Umbau des Netzes wegen der Nutzung von Wind- und Solarenergie nicht mehr möglich. Die Preise für das Netzentgelt werden vom Regulator festgelegt, denn die Stromproduktion ist zwar liberalisiert, nicht aber die Stromnetze.

Es seien hohe Investitionen in die Netze nötig, um die neue Lage abzufangen, wo zahlreiche dezentrale Anlagen je nach Wind- und Sonnenintensität womöglich mittags Strom produzieren, der aber erst am Abend gebraucht wird. Auch sei es schwer, so viele Produzenten zu koordinieren und zu jedem Zeitpunkt entsprechende Reserven zur Verfügung zu haben, so Maderbacher. In Wien gebe es derzeit Photovoltaik-Anlagen mit 50 MW Leistung – laut Plan soll sich die installierte Leistung aber bis 2030 auf 800 MW versechzehnfachen. Die Erzeugung werde dezentral erfolgen und müsse entsprechend verteilt werden, dafür müssen die Leitungen erst vorbereitet werden.

Maderbacher weist aber nicht nur auf den Finanzierungsbedarf hin. Er wünscht sich auch Steuerungsmöglichkeiten, um die abgerufene Leistung zu kontrollieren. Es mache einen großen Unterschied, ob ein E-Auto am frühen Abend in einer halben Stunde geladen werden soll – mit einer entsprechend hohen Stromabfrage in der Spitzenzeit – oder über Nacht acht Stunden am Netz hängt. Daher möchten die Wiener Netze einen Leistungspreis einführen, um solche Spitzen zu glätten. Auch wollen die Wiener Netze Zwischenspeicher zur Abpufferung des Stromnetzes betreiben.

APA

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