Energie-Turbo: 250 neue Windräder bis 2035

19. Oktober 2022

Erneuerbare Energie. 5,6 Milliarden Euro sollen in NÖ bis 2035 allein in Windkraftanlagen und in Fotovoltaik investiert werden, auch neue Biomassewerke kommen, bestehende Wasserkraftwerke werden ertüchtigt

Mit umfassenden und hoch gesteckten Zielen will Niederösterreich beim Ausbau der erneuerbaren Energie die Führungsrolle in Österreich übernehmen. Am Weg zur Energieunabhängigkeit wolle man das schnellste Ausbauprogramm unter den Ländern umsetzten, kündigte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner am Dienstag in einer Pressekonferenz an.

Entlastung der Bevölkerung bei den Energiekosten, Versorgungssicherheit, den Klimaschutz und die Energiewende nannten Mikl-Leitner und ihr Stellvertreter Stephan Pernkopf (beide ÖVP) als die zentralen Gründe für die Offensive in „Zeiten des Umbruchs, die einen Aufbruch erfordern“.

Fünf konkrete Maßnahmenpakete werden bis zum Jahr 2035 geschnürt.

WindkraftEinen gewaltigen Schub soll es bei den Windrädern geben, bis 2035 die Energie aus Windkraft verdreifacht werden. „Wir werden bestehende Anlagen modernisieren und auch 250 neue Windräder bauen“, so Mikl-Leitner. 2,6 Milliarden Euro werden hier investiert. Für das Erreichen des Zieles strebe man „Abrundungen und Arrondierungen der bestehenden Windzonen“ an, sagte Pernkopf. Dadurch wird Platz für mindestens 100 zusätzliche Windräder in bestehenden Windparks geschaffen. Für rund 150 weitere Windräder werden zusätzliche Flächen freigegeben. Diese werden mit Experten und im Einklang mit der Ökologie, den Region und den Wohngebieten festgelegt, so der Landesvize. Über das sogenannte Repowering will man bestehende Windräder durch neue, effizientere ersetzen. „Alleine damit werden wir 300 bis 400 Megawatt mehr Windstrom erzeugen, ohne dass dafür neue Windräder gebraucht werden.“

PV–AnlagenAuch der Zug zum Sonnenstrom wird forciert und soll bis 2035 um 350 Prozent gesteigert werden. Das bedeutet rund 130.000 zusätzliche PV-Anlagen zu den bestehenden 70.000 in NÖ. Drei Milliarden Euro werden hier investiert. Das bisherige Ziel von 2.000 Gigawatt-Stunden wurde auf 3.000 erhöht. Um Platz für die Kollektorenflächen zu schaffen werden demnächst 1.300 Hektar im Freiland als PV-Zonen ausgewiesen.

WasserkraftAuch in Klein-Wasserkraftwerke wird investiert. Es soll aber keine neuen Wasserkraftwerke geben, sondern die Effizienz der bestehenden erhöht werden. Die Fachabteilung steht dabei den Kraftwerksbesitzern zur Seite.
BiomasseFernwärme aus Biomasse wird forciert. Bis 2030 werden weitere 200 Anlagen errichtet. Derzeit sind in NÖ 813 derartige Werke in Betrieb.

LeitungsnetzAls weiterer wichtiger Punkt findet sich die Kapazitätssteigerung und Absicherung des Leitungsnetzes im Programm. Insgesamt sollen zu den derzeit 92 Umspannwerken der EVN 40 weitere hinzukommen. Allein die EVN investiert pro Jahr 250 Millionen Euro in das Leitungsnetz.

Lob und Tadel gab es von Umweltorganisationen. Die präsentierten Ausbauziele seien ein großer Schritt Richtung Energieunabhängigkeit, allerdings gelte es auch, den großen Bestand an Öl- und Gasheizungen stärker in den Blickpunkt zu rücken. Es brauche einen verbindlichen Ausstiegsplan der Landesregierung, erklärte etwa Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von Global 2000. Die IG Wind begrüßt die Ausbaupläne ebenfalls, doch „die neuen Ansagen zur Windkraft können nur ein erster Schritt sein“, sagte Geschäftsführer Stefan Moidl. Fridays For Future NÖ begrüßt zwar die Anpassung der Erneuerbaren-Ausbau-Ziele, kritisiert aber, dass sie deutlich zu niedrig seien.

Kurier

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