Vbg sieht auf Weg zur „Energieautonomie+ 2030“ Erfolge

19. Oktober 2022, Bregenz

Das Land Vorarlberg verzeichnet hinsichtlich der Erreichung des Ziels „Energieautonomie+ 2030“ „spürbare Erfolge“. Das betonte am Mittwoch der zuständige Landesrat Daniel Zadra (Grüne) bei der Präsentation des Monitoringberichts 2022, der die Verbrauchsdaten des Jahres 2020 ausweist. Das ambitionierte Ziel sei realistisch, allerdings gebe es auch massive Herausforderungen zu bewältigen. Das große Sorgenkind bleibe der Verkehrsbereich, sagte Zadra.

Die Ziele der „Energieautonomie+ 2030“ lauten: 50 Prozent Anteil erneuerbarer Energieträger am gesamten Energieverbrauch, 50 Prozent Reduktion der Treibhausgase gegenüber 2005 und 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energieträgern bis spätestens 2030. Laut Monitoringbericht wurde in Vorarlberg 2020 etwa gleich viel Energie verbraucht wie 2005 – obwohl die Bevölkerung im Zeitraum um 37.000 Personen angewachsen ist, die Wohnfläche um 3,2 Mio. Quadratmeter zugenommen hat und die Zahl der zugelassenen Pkw um 50.000 gestiegen ist. Der Soll-Wert gemäß „Energieautonomie+ 2030“ wurde um 2 Prozent unterschritten.

Größter Energieverbraucher war 2020 der Gebäudesektor (54 Prozent), gefolgt von der Industrie (26 Prozent) und dem Verkehr (18 Prozent). Im Vergleich zu 2005 sank der Energieverbrauch im Gebäudesektor und im Verkehr um jeweils 2 Prozent, in der Industrie stieg der Energieverbrauch um 4 Prozent an. Der Energieverbrauch der Industrie wurde 2020 zu rund 46 Prozent aus Gas gedeckt sowie zu rund 44 Prozent durch Strom. Der Anteil heimischer erneuerbarer Energieträger am gesamten Energiebedarf lag 2020 bei 46 Prozent gegenüber 38 Prozent im Jahr 2005.

Speziell beim Ersatz von Ölheizungen durch Systeme mit erneuerbaren Energieträgern seien Fortschritte gemacht worden, sagte Zadra. Er ging davon aus, dass diese Trendwende nun auch beim Gas eingeleitet worden ist, was sich in den kommenden Jahren niederschlagen werde. Zuletzt waren in Vorarlberg neue und sanierte Gebäude bereits zu mehr als 80 Prozent mit erneuerbaren Energieträgern ausgestattet. Allerdings waren aktuell auch noch rund 35.000 Gaskessel und etwa 25.500 Ölkessel installiert. Der Gebäude-Sektor zeichnete 2020 für etwa 22 Prozent der Emissionen verantwortlich.

Der Stromverbrauch wurde 2020 schon zu 90 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern gedeckt. Um auch die restlichen 10 Prozent realisieren zu können, „braucht es einen Boom bei der Photovoltaik, und den haben wir“, sagte Zadra. Der für 2030 angestrebte Zubau von 30 Megawatt pro Jahr wurde mit 1.400 neuen Photovoltaik-Anlagen bereits 2021 erreicht. Ende 2021 waren Photovoltaikanlagen mit einer Kapazität von 133.000 kWp (Kilowatt peak) ans Netz angeschlossen, die den Energiebedarf von rund 32.000 Haushalten decken.

Zum „Sorgenkind Verkehr“ sagte Zadra, dass zwar die Treibhausgas-Emissionen etwa auf dem Niveau von 2005 liegen, seit 2014 habe es aber mit Ausnahme der Pandemie in keinem Jahr einen Rückgang gegeben. Mit aktuell nunmehr 218.000 zugelassenen Pkw (bei rund 400.000 Einwohnern) komme auch die Verkehrsinfrastruktur an ihre Grenzen. Die reine Elektrifizierung der Fahrzeuge werde viele Verkehrsprobleme nicht lösen. Vielmehr brauche es eine „Verkehrswende“ – diesbezüglich führe Zadra etwa an, dass 2021 71.700 Jahreskarten für den öffentlichen Verkehr in Vorarlberg verkauft wurden. „Wenn wir ein leistbares Angebot schaffen, wird es angenommen“, so der Landesrat.

Karin Feurstein-Pichler vom Energieinstitut Vorarlberg hob hervor, wie wichtig es sei, die Energieautonomie begreifbar zu machen. In den vergangen sieben Schuljahren seien in den verschiedenen Workshops rund 20.000 Schüler und Jugendliche und über 1.600 Lehrpersonen betreut worden. 2018 sei der Beschluss gefasst worden, Vorarlbergs Landesverwaltung bis 2040 klimaneutral zu organisieren – diesem Beispiel seien mittlerweile auch 13 Gemeinden gefolgt.

APA

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